Voraussetzungen für eine funktionierende Innovationskultur Sichere Umgebung fördert Kreativität

Voraussetzungen für eine funktionierende Innovationskultur

Sichere Umgebung fördert Kreativität

Unternehmer und Industriemanager sind sich einig: Innovationsfähigkeit und -kultur sind für den Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft überlebensnotwendig. Bild: Gajus/Fotolia
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Unternehmenskultur | Unternehmer und Industriemanager sind sich einig: Innovationsfähigkeit und -kultur sind für den Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft überlebensnotwendig. Die Studie „Industrie- und Innovationsindex 2015“ bestätigt den deutschen Unternehmen eine positiv wahrgenommene Innovationsfähigkeit.

Jörg HawlitzeckManaging Partner Business Culture –Hawlitzeck & Weichl PartG, Köln

Der Walkman von Sony, der Algorithmus von Google oder das iPhone von Apple: Beispiele für visionäre Produkte oder Dienstleistungen, deren Erfinder über den Horizont ihres Zeitalters hinaus blickten und Dinge entwickelten, die vor ihnen niemand zu brauchen glaubte und seitdem keiner mehr missen will. Wer möchte nicht so eine eierlegende Wollmilchsau entwickeln, die den Vorsprung vor dem Wettbewerb um Längen sichert?
Innovationsfähigkeit und Kreativität fördern? Allzu oft werden hierfür ausschließlich strukturelle Aktionen bemüht: Einkauf kreativer Ideen, Beförderung abteilungsübergreifender Kommunikation – oft mit Hilfe einer Matrix-Organisation, hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung mit etabliertem Vorschlagswesen und institutionalisiertem Wissensmanagement. Und damit meint man, der Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens Genüge getan zu haben.
Doch Innovationsfähigkeit fängt – wie vieles andere auch – eben bei den Menschen im Unternehmen an. Sie müssen „um die Ecke denken“ und „über den Tellerrand hinaus schauen“ können. Und das nicht nur, um neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, sondern auch um kontinuierlich Verbesserungs-, Entwicklungs- und damit Wachstumspotenzial zu nutzen. Innovationsfreude ist nun einmal eine Mentalitätssache und lässt sich, ebenso wenig wie Motivation, verordnen oder vorschreiben. Sie kann nur in einem geeigneten, einem geplanten Umfeld gedeihen.
Dabei steht sich der Mensch oft selbst im Wege: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“, „Der Sprung ins kalte Wasser“ und andere Bonmots zeigen, wie sehr der Gewohnheitsmensch Neuerungen scheut. Zur Erklärung von „Neophobie“ wird häufig die Evolutionstheorie bemüht: Überleben dank Orientierung an Vertrautem. Ein Relikt vergangener Zeiten, wo doch Veränderung notwendig wäre: Das alte Produkt bleibt im Sortiment, aus Angst davor, die Stammkundschaft zu verprellen. An überkommenen Konzepten und Strukturen wird festgehalten, um die Belegschaft nicht zu verunsichern. Und im Privatleben verharrt so mancher in einer sich bereits überlebten Beziehung – aus Angst davor, dass nichts Besseres nachkommen könnte…Und sind wir selbst voller Begeisterung für eine Neuerung, so schallt es uns schnell entgegen: „Das haben wir immer schon so gemacht.“ „Das hat schon vor Jahren nicht funktioniert.“ oder „das geht nicht.“ Der Kampf gegen Veränderungsscheu gleicht oftmals einem Kampf gegen Windmühlen!
Innovation heißt Weiterentwicklung
Heutzutage vollziehen sich technologische, ökologische und wirtschaftliche Entwicklungen exponentiell. Kommunikation, Mobilität, Bevölkerungsentwicklung und Klimawandel fordern uns tagtäglich neu heraus. Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, sind wir gezwungen, unsere Vorstellungen schneller anzupassen und auch unser Verhalten grundlegender zu verändern als unsere Vorfahren.
Natürlich, Veränderungen sind unbequem. Sie kosten Zeit, Geld, Energie und bergen auch noch zahlreiche Risiken. Und dennoch, die Evolutionstheorie beweist auch: Aller Veränderungsträgheit und Neophobie zum Trotz verfügt der Mensch über eine ausgesprochen gute Anpassungsfähigkeit, über Entdeckungsdrang und den Willen zur Weiterentwicklung.
Wie können Unternehmer sich diesen menschlichen Drang positiv zu Nutze machen? Wie die dem Menschen eigene Neugierde anzapfen? Wie Neophobie bekämpfen? Und wie eine vorurteilsfreie Haltung Neuem gegenüber befördern und so Kreativität in den Köpfen aller Mitarbeiter anfachen?
Scheinbar paradox: Sicherheit als Voraussetzung für Kreativität
Die Wissenschaft fördert so manch erstaunliche Erkenntnis zu Tage: Der Hang zu Neophobie oder Neugierde ist nämlich nicht ausschließlich von der Persönlichkeit des Einzelnen abhängig, sondern auch von der jeweiligen Umgebung: Laut Professor Jens Förster von der Ruhr-Universität Bochum sind „Menschen in sicheren Umgebungen, deren Lebensziele Selbstverwirklichung und Wachstum beinhalten, kreativ, entscheidungsfreudig und Neuem gegenüber aufgeschlossen. Menschen in unsicheren Umgebungen, deren Ziele um die Einhaltung von Pflichten kreisen, sind dagegen analytisch und sehr genau, jedoch eher ängstlich undneophob.“
Je geborgener und sicherer sich Mitarbeiter grundsätzlich fühlen, desto größer ihr Potenzial außergewöhnliche Ideen und Vorgehensweisen zu entwickeln oder ihnen Raum zu geben. Umgekehrt führen zu viele Regeln, Vorgaben und Controllingmechanismen zu Neophobie oder gar Angst. Es liegt also in der unternehmerischen Verantwortung, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Kreativität gedeihen kann und Neues angenommen wird.
Larry Page, Gründer und langjähriger CEO von Google Inc., hat gezeigt, wie das gehen kann. Mitarbeitern von Google wird alles, was um sie herum passiert, abgenommen. „All inclusive“ übertragen aufs Unternehmen: Für gesundes, wohlschmeckendes Essen ist gesorgt. Die Kinder sind hervorragend betreut, grüne Oasen sind allgegenwärtig. Außergewöhnliche Räumlichkeiten geben Raum für kreative Gedanken und Rückzugsmöglichkeiten. Das Resultat? Dank einem sicheren Umfeld gedeihen kontinuierlich neue, um die Ecke gedachte, innovative, ja visionäre Ideen. Selbst mit über 50 000 Googlern haftet dem Konzern immer noch der Geist eines Startups an.
Was ist also zu tun, um Innovationsfähigkeit langfristig in den Köpfen zu verankern? Offenheit und vorurteilsfreies Denken und Handeln müssen unbedingt befördert werden. Hierzu gibt es natürlich eine Vielfalt von individuellen Wegen und Möglichkeiten. Sicher ist, dass die Vorbildfunktion des (Top-)Managements einerseits und eine sichere Umgebung andererseits unabdingbare Voraussetzungen für mehr Kreativität, hohe Innovationsfähigkeit und damit für die Zukunftssicherheit von Unternehmen sind. Den ersten Schritt hierzu machen Sie, wenn Sie unsere neun Schritte zur positiven Innovationskultur beherzigen.

9 Schritte zur positivenInnovationskultur
Öffnen Sie Ihren eigenen Geist für neue Ideen und Menschen.
Sorgen Sie für Vielfalt, Offenheit und vorurteilsfreies Denken und Handeln.
Befördern Sie Neugierde in einer lernenden Organisation.
Erklären Sie Schubladendenken, Besitzstandswahrung und Selbstzufriedenheit den Kampf.
Erteilen Sie vorschnellen Schlüssen und Vorbehalten nach dem Motto „Ja, aber…“ eine Absage.
Schaffen Sie eine sichere Umgebung als Voraussetzung für’s Querdenken!
Sorgen Sie für Verlässlichkeit. Stehen Sie zu Ihrem Wort. Walk your talk.
Vermeiden Sie Angst! Seien Sie berechenbar für Mitmenschen.
Brennen Sie für diese Leitlinien ebenso wie für die Erreichung Ihrer Geschäftsziele – Fordern Sie sie aktiv ein.
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