Interview: EBM-Papst-Chef Stefan Brandl zur Kooperation mit Mercedes-AMG Petronas Motorsport

EBM-Papst-Chef Stefan Brandl zur Kooperation mit Mercedes-AMG Petronas Motorsport

„Die Formel 1 ist ein heißes Geschäft“

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Seit 2014 unterstützt der Ventilatorspezialist EBM-Papst mit Sitz in Mulfingen den Formel-1-Rennstall Mercedes-AMG Petronas Motorsport mit innovativen Lüftungslösungen. Geschäftsführer Stefan Brandl erläutert den Vorteil dieser Partnerschaft für beide Seiten. ❧Das Interview führte Dietmar Kieser
Um was geht es Ihnen bei der Partnerschaft mit Mercedes-AMG Petronas? Welche sind die wesentlichen Eckpfeiler?
Ventilatorentechnik und Formel 1 können viel voneinander lernen. Es gibt viele technische Schnittmengen, die man vielleicht auf den ersten Blick gar nicht erwartet. Im Grunde geht es um sehr ähnliche Kernkompetenzen: eine ausgefeilte Aerodynamik, effiziente Motorentechnik, innovative Leichtbaukomponenten und viel Elektronik. Vor allem die Elektronik ist interessant. Mit ihrer Hilfe wird alles überwacht, analysiert und bei Bedarf steuernd eingegriffen. EBM-Papst und Mercedes-AMG Petronas Motorsport verbinden außerdem gemeinsame Werte und Herausforderungen – und ein klares Ziel: mit Innovationskraft und effizienten Lösungen erfolgreich zu sein.
Ist Ihr Engagement auch mit einem Sponsoring verbunden?
Es ist eine Partnerschaft und beinhaltet deutlich mehr als ein reines Sponsoring. Unsere Ventilatoren kommen ja tatsächlich zum Einsatz und bringen das Team voran. Überdies tauschen sich unsere Entwicklungsabteilungen kontinuierlich aus.
Inwieweit sind Ihre Produkte auf diese individuelle Anwendung zugeschnitten? Gibt es Besonderheiten?
Die Formel 1 ist ein heißes Geschäft, im wahrsten Sinn des Wortes. Das gilt für die Fahrer in ihren Rennwagen und für die Ingenieure, die die Boliden in der Box auf das Qualifying und das Rennen vorbereiten. An Strecken in besonders heißen Klimazonen erreichen die Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit über 80 Prozent. Ein Klimasystem von EBM-Papst kühlt die Box von Mercedes-AMG Petronas Motorsport zum Beispiel im tropischen Malaysia. Ein eigentlich ganz ,normaler’ effizienter EC-Radialventilator und ein praktisches Stoffrohrsystem, das sich an jede Box anpassen lässt, sorgen dabei für ein angenehmes Klima.
Außerdem haben wir bereits 2014 in Zusammenarbeit mit dem Team von Mercedes-AMG Petronas Motorsport eine Aufsatz-Kühllösung entwickelt, die für die Kühler auf den Seitenkästen sowie den Überrollbügel optimiert wurde. Da sich die Silberpfeile von Saison zu Saison ändern, werden auch die Aufsatzeinheiten jedes Jahr weiter verbessert. Diese Lösungen kommen bei allen Formel 1 Grands Prix zum Einsatz, wenn das Auto in der Box, in der Startaufstellung oder dem Parc Fermé steht. Die Seitenkästen und der Überrollbügel werden mit regulären ,S Force’ Axialventilatoren gekühlt, deren Leistungskurve den hohen Gegendruck-Charakteristiken des Mercedes-Systems entsprechen. Dies verbessert den erzeugten Luftstrom um 518 Prozent.
In welchem Maße tragen die EBM-Papst-Lösungen zur Wettbewerbsfähigkeit der Silberpfeile bei?
Zum einen gibt es den technischen Vorteil durch die Aufsatzkühlung, die verhindert, dass die Elektronik überhitzt und ausfällt. Andererseits spielen auch die verbesserten Arbeitsbedingungen eine große Rolle. Wenn die Mechaniker bei besonders heißen Temperaturen in der Box arbeiten, sind sie froh, wenn die Boxenklimatisierung läuft. In einem kühleren Klima kann man eindeutig besser und konzentrierter arbeiten – gerade in der Formel 1, wo jedes Detail zählt. Aber auch die Umstellung auf EC-Ventilatoren am Stammsitz von Mercedes-AMG Petronas Motorsport in Brackley in England trägt dazu bei. Dort arbeiten die Mitarbeiter in bestens klimatisierten Räumen, nicht zu kalt, nicht zu heiß, ohne Zugluft und vor allem schön ruhig. Nur so lassen sich Spitzenleistungen erbringen.
Ein Kunde aus der Formel 1 hat sicher andere Prioritäten als ein Industriekunde. Auf was kommt es hier besonders an?
So sehr unterscheiden sich die Anforderungen nicht – Zuverlässigkeit und Effizienz stehen bei allen unseren Kunden ganz oben auf der Prioritätenliste. Bei der Formel 1 muss es in der Regel sehr schnell gehen – einmal gab es nur wenige Minuten vor einem Rennen eine dringende Anfrage, die auch gleich vor Ort gelöst werden konnte. Zufällig war einer unserer Ingenieure vor Ort und konnte Mercedes-AMG Petronas Motorsport sofort mit seinem Fachwissen weiterhelfen.
In der Formel 1 wird ja permanent weiterentwickelt. Wird Ihre Expertise als Zulieferer auch ständig eingefordert?
Natürlich, wir stehen dem Team wie jedem unserer Kunden beratend zur Seite: So stellte sich etwa am Anfang die Frage, welcher Ventilator für die Aufsatzkühlung am besten geeignet wäre. Sollte ein Radial- oder ein Axialventilator eingebaut werden? Unsere Experten haben die technischen Daten der Ventilatoren durchgegeben und erklärt, welcher Ventilatortyp am besten geeignet wäre und welche Kapazität für das zur Verfügung stehende Raumvolumen vernünftigerweise erwartet werden kann. Aber so funktioniert unser Geschäft immer – in Zusammenarbeit mit unserem Kunden suchen wir die beste und effizienteste Lösung.
Und wie sieht dies bei den Lösungen im englischen Headquarter des Rennstalls aus? Gibt es Sonderanfertigungen auch im Gebäudebereich?
Besonders an heißen Sommertagen war die Luft in der Lackiererei im Mercedes-AMG Petronas Motorsport Headquarter in Brackley unerträglich. Das lag an einer alten Klimaanlage mit schlecht eingestellten AC-Ventilatoren, die nur bei voll geöffneten Auslässen kühlte, dann aber viel zu laut war. Bei einer Austauschaktion wurden unsere RadiPac Radialventilatoren in EC-Technologie verbaut, deren Drehzahl lässt sich bequem auf die benötigte Geschwindigkeit anpassen. Mit einer benutzerfreundlichen Ventilatorsteuerung kann die Anlage nun genau auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst werden. Das Feedback der Mitarbeiter aus der Lackiererei war extrem positiv. Auch aus kaufmännischer Sicht hat sich das Upgrade gelohnt. Mercedes-AMG Petronas Motorsport spart beim Betrieb der Klimaanlage jetzt 64 Prozent Energie ein.

Was hat die Formel 1 mit Ventilatorentechnologie zu tun? Einige Gemeinsamkeiten
Aerodynamik
Je weniger Energie zur Überwindung von Wirbeln aufgewendet werden muss, desto schneller der Rennwagen – oder desto effizienter der Ventilator. Die Gesetze der Aerodynamik gelten für beide. Und doch hat jeder seine eigenen Lösungswege, von denen der andere lernen kann.
Motortechnik
Seit 2014 dürfen die Turbomotoren in der Formel 1 nur noch eine begrenzte Spritmenge verbrauchen. Statt Vollgas zählt seitdem Effizienz. Auch bei Ventilatormotoren ist längst ein Wandel im Gange: von herkömmlicher AC- auf energiesparende EC-Technologie. EBM-Papst hat als einer der Ersten auf die effiziente Technologie gesetzt und ist seinen Wettbewerbern deshalb laut eigenen Angaben deutlich voraus.
Werkstoffe
Um aerodynamische Optimierungen überhaupt umsetzen zu können, benötigt man Materialien, die sich entsprechend formen lassen und dabei besonders leicht sind. Die Formel 1 setzt vor allem auf Karbon, während EBM-Papst für seine HyBlade-Ventilatoren einen glasfaserverstärkten Kunststoff entwickelt hat, der auch noch besonders ressourcenschonend in der Herstellung ist.
Leichtbau
Je leichter, desto effizienter. Was für jedes Auto auf der Straße zutrifft, gilt natürlich umso mehr für einen Formel-1-Boliden – und auch für einen Ventilator. Denn ein geringeres Gewicht reduziert die Belastung der Mechanik. Ein gutes Anwendungsbeispiel ist die Hohlprofilschaufel beim Radialventilator RadiPac.
Vernetzung
Die Silberpfeile-Rennwagen von Mercedes-AMG Petronas Motorsport übermitteln während jedes Rennens überall auf der Welt kontinuierlich Leistungsdaten über Transponder an die Teamingenieure und Kontrollzentren. Ähnlich funktionieren die BUS-Systeme von EBM-Papst, über die Befehle und Statusmeldungen ausgetauscht werden und die Ventilatoren Industrie 4.0-fähig machen.
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