Was dem Mittelstand der Schritt in den Kapitalmarkt bringt Die Zeit ist reif für neue Wege

Was dem Mittelstand der Schritt in den Kapitalmarkt bringt

Die Zeit ist reif für neue Wege

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Eine vierstellige Zahl von Unternehmen in Deutschland sind Kandidaten für einen direkten Kapitalmarktzugang. Noch ist der Anteil dieser Produkte an der Gesamtfinanzierung beim gehobene Mittelstand mit rund 15 % gering. Doch für diesen ist die Diversifizierung seiner Finanzierungsbasis unerlässlich.
Anders als in den USA oder Großbritannien finanzieren sich deutsche Unternehmen, erst recht der Mittelstand, unverändert mehrheitlich über Bankkredite. Seit Jahren wird deshalb eine nahe Trendumkehr prognostiziert. In den vergangenen Monaten ist hierzulande auch tatsächlich eine Zunahme bei Kapitalmarktfinanzierungen oder deren Vorstufen zu verzeichnen – trotz rückläufigem Kreditmarkt. Ist nun also die Zeit auch bei uns reif für ein schnelles Einschwenken der Finanzierungsstruktur auf angelsächsische Verhältnisse?
Die Argumente für Finanzierungen am Kapitalmarkt sind vielfältig. Auf der Investorenseite haben viele Anleger, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren, freie Liquidität zur Verfügung und suchen sichere, aber renditestärkere Alternativen zu Staatsanleihen. Dies drückt die erwarteten Risikoaufschläge und senkt die Einstiegsbarrieren – etwa externe Ratings. Hiervon profitieren nicht nur börsennotierte Großunternehmen, sondern auch größere mittelständische Unternehmen.
Gleichzeitig versehen der anhaltende Krisenmodus der Bankenindustrie und die anstehenden regulatorischen Veränderungen unbedingte Verfügbarkeit und künftige Kosten der Bankenfinanzierung mit Fragezeichen. Kann von Kreditklemme auch aktuell keine Rede sein, sind Finanzierungen mit langen Laufzeiten bereits heute über Banken nur noch schwer darstellbar, da diesen teilweise eigene Refinanzierungsmöglichkeiten fehlen. Dies betrifft besonders Finanzierungen in Fremdwährungen, etwa Dollar.
Zunehmend bedeutender wird für Unternehmen überdies die Frage nach der Finanzierung ihrer ausländischen Tochtergesellschaften, insbesondere bei langlaufenden Investitionsfinanzierungen und in Ländern mit regula- torischen Besonderheiten, wie beispielsweise China oder Indien. Die Muttergesellschaft in Deutschland muss abwägen, ob die Finanzierung über sie in Form von Intercompany Loans oder direkt vor Ort mit der Tochter als Kreditnehmer erfolgen soll. Auch hier bietet der Kapitalmarkt im Investitionsland Möglichkeiten.
Es war also selten leichter und gleichzeitig bedenkenswerter, neben den inländischen Hausbanken neue Investoren an das Unternehmen zu binden. Zudem kann dies auch ein vorbereitender Schritt sein auf dem Weg zu einer externen Eigenkapital-Beschaffung.
Für überzogene Erwartungen besteht dennoch kein Anlass. Voraussetzungen für die sinnvolle Nutzung des Kapitalmarkts bleiben Größe, damit einhergehender Finanzierungsbedarf und Stabilität des Unternehmens. Viele Mittelständler erreichen diesbezüglich kritische Größenordnungen nicht und werden somit ihren Bedarf auch zukünftig über Banken abdecken (müssen). Auch die neuartigen Börsensegmente für Mittelstandsanleihen mit niedrigeren Zugangsbarrieren können sich dieser Logik nicht vollständig entziehen, wie spätestens nach den ersten Problemfällen klargeworden ist. Zudem sind jene Finanzierungsbausteine, deren Inanspruchnahme atmet, für Kapitalmarktfinanzierungen nur bedingt geeignet.
Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung im Auftrag der Deutschen Bank zeigt, dass neben der Kreditfinanzierung insbesondere die Innenfinanzierung für Unternehmen einen hohen Stellenwert einnimmt. Kapitalmarktinstrumente spielen derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Weiterhin ist ein Großteil der Unternehmen nicht bereit, den höheren Publizitätspflichten nachzukommen. Selbst im gehobenen Mittelstand liegt der Finanzierungsanteil von Kapitalmarktprodukten oder deren Vorstufen (nahen) Produkten an der Gesamtfinanzierung der Unternehmen lediglich bei etwa 15 %.
Diese Quote wird aber ohne Frage weiter steigen. Die Deutsche Bank schätzt, dass eine vierstellige Zahl von Unternehmen in Deutschland Kandidaten für direkten Kapitalmarktzugang sind, von denen nur ein Teil heute bereits am Markt aktiv ist. Profitieren können sie dabei von
  • einer Diversifizierung ihrer Finanzierungsbasis,
  • einer Konditionsverbesserung,
  • dem Zugang zu anderen Währungsräumen sowie
  • längeren Laufzeiten.
Den ersten Schritt in Richtung Kapitalmarkt stellen in der Regel Schuldscheine oder Anleiheprivatplatzierungen dar. Mit einer Volumensschwelle von teilweise unter 20 Mio. Euro können sie bereits für Unternehmen mit Gesamt-Finanzierungsvolumina von circa 75 Mio. Euro interessant sein. Sie bieten darüber hinaus den Vorteil, dass Unternehmensinformationen nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen.
Momentan ergeben sich auch gute Opportunitäten im Markt für (schuldscheinähnliche) US-Privatplatzierungen bei amerikanischen Lebensversicherungsgesellschaften, wo Laufzeiten von bis zu 15 Jahren möglich sind. Im Anleihebereich, wo bekannte Namen inzwischen nicht mehr zwingend ein externes Rating vorweisen müssen, ist es noch immer so, dass ein liquider Sekundärhandel erst ab einem Emissionsvolumen von circa 100 Mio. Euro zuverlässig erreicht wird. Alles darunter muss eher wie eine Privatplatzierung gesehen und vermarktet werden – unabhängig von der Kategorisierung.
Der Gang an den Kapitalmarkt im Wege einer breiten Platzierung erfordert von Unternehmen eine offene (Finanz-)Kommunikation mit den Investoren. Diese erwarten im Ausgangspunkt Klarheit über Unternehmensstrategie und Mittelverwendung, im weiteren Verlauf dann ein aussagefähiges Reporting. Von der induzierten Leistungssteigerung interner Funktionen profitieren die betroffenen Unternehmen dabei in der Regel weit über die ursprüngliche Finanzierungsmaßnahme hinaus.
Ob Kapitalmarkt oder nicht, außer Frage steht, dass Unternehmen sich im Verhältnis zu ihren Banken emanzipieren und professioneller werden. Auch im Bereich der Bankenfinanzierung nutzen mittelständische Unternehmen einer gewissen Größenordnung zunehmend Techniken, die über die klassische, bilaterale Kunde-(Haus)Bank hinausweisen. Die Anzahl der syndizierten Finanzierungen etwa nimmt seit einiger Zeit spürbar zu.
Dr. Cornel Wisskirchen Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden der Deutschen Bank, Frankfurt/M.
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