Recruiting im Mittelstand: Strategien gegen den Fachkräftemangel

Recruiting im Mittelstand

Strategien gegen den Fachkräftemangel

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Aufgrund des Fachkräftemangels müssen mittelständische Unternehmen bei der Personalsuche neue Wege gehen. Bild: Ingo Bartussek/Fotolia
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Bundesweit sind derzeit mehr als 74 000 Stellen für Ingenieure unbesetzt. Überall ist der Fachkräftemangel zum Greifen. Deshalb lassen sich immer mehr Unternehmen neue Methoden der Mitarbeitergewinnung und -pflege einfallen.

Ronja Gysin, Freie Journalistin in Ludwigsburg

Eine große Herausforderung hat aktuell die Hartmann-Exact KG in Schorndorf: Der Sensorspezialist kann schon jetzt kaum alle offenen Ingenieurstellen besetzen und behilft sich mit Ingenieurdienstleistern und Zeitarbeitsfirmen. Aktuell erweitert der Automobilzulieferer, der Teil der Swoboda-Hartmann-Gruppe mit international 13 Standorten ist, seinen Entwicklungsbereich. Er will bis 2020 weitere 80 Ingenieure in der Automobilregion Stuttgart beschäftigen.

„Wir profitieren vom Trend zu Fahrerassistenzsystemen und zur Elektromobilität“, begründet Geschäftsführer Dirk Müller den Personalaufbau. Dass dieser ausgerechnet im direkten Konzernumfeld von Daimler, Porsche oder Bosch erfolgt, ist Absicht: Hartmann-Exact sieht sich als Sensorspezialist in der Ersten Liga der Automobilindustrie und mit seinen flachen Hierarchien und mittelständischen Strukturen „absolut wettbewerbsfähig um die besten Köpfe“.

Flexible Arbeitszeitmodelle schaffen Anreiz

Zwar gilt hier die 40- statt der 35-Stunden-Woche, „doch unsere Mitarbeiter können eigenständiger und vielseitiger arbeiten“, argumentiert Müller. Das betrifft die Inhalte der Entwicklungsaufgaben wie die Arbeitszeiten, bei denen die Vorgesetzten auf pflegebedürftige Eltern, zu betreuende Kinder oder Ehrenämter ihrer Mitarbeiter Rücksicht nehmen. Viele Vorteile, wie etwa der Abgleich von Überstunden durch Freizeitausgleich, sind erst auf den zweiten oder dritten Blick sichtbar.

Deshalb geht Hartmann-Exact nun in die Offensive, zeigt sich auf Personal- und Recruiting-Messen, wirbt Abiturienten für ein Duales Studium, entsendet Fachexperten als Dozenten an Hochschulen und auf Kongresse und bindet Ingenieure, die nicht Teams führen wollen, als Experten über eine Fachkarriere an sich. Und im Neubau, der bis Frühjahr 2018 fertiggestellt wird, entsteht im dritten Stock ein neues, verglastes Betriebsrestaurant mit Blick ins Grüne.

Mit vier Ingenieuren, die vor vier Jahren vom abgewickelten Bauknecht-Standort in der 40 000-Einwohner-Stadt kamen, hat Hartmann-Exact bereits gute Erfahrung, obwohl die Ingenieure alle fachfremd und über 50 Jahre alt waren. Angesichts von bundesweit 26 600 arbeitslos gemeldeten Ingenieuren setzt Müller auch auf diese Personalreserve.

Arbeitsplatz mit Wohlfühl-Faktor

Bei der Mangelberger Elektrotechnik GmbH in Roth bei Nürnberg, wo 70 Mitarbeiter teils international in der Kühltechnik für Discounter und Systemgastronomen arbeiten, setzt der Chef auf eine familiäre Atmosphäre. Die PC-Arbeitsplätze mit offenem Kamin und Küchenzeilen erinnern teils mehr an Wohn-Ess-Zimmer denn an Büros. Hier fläzen sich Mitarbeiter in Couch-Sesseln zur Diskussion über eine Kundenlösung oder um auf dem Tablet Mails zu checken und zu schreiben. Jürgen Mangelberger: „Wir feiern auch viele Feste miteinander, tauschen uns über Privates aus und ich gebe keinen Dress-Code vor.“

Auf den Fachkräftemangel reagiert die Speidel Elektrotechnik GmbH in Göppingen schon länger mit Prämien, die derjenige unter den 300 Mitarbeitern bekommt, der neue Kollegen anwirbt. Ein vierstelliger Betrag fließt dann in drei Tranchen über zwölf Monate verteilt. Dieses Jahr ist Rolf Eppinger, der für Kunden wie Daimler, VW oder Bosch arbeitet, einen Schritt weiter gegangen.

Wertschätzung schafft Verbundenheit

Alle zwei Monate erhalten die Mitarbeiter einen gedruckten vierseitigen Newsletter, der sie über neue Projekte, technische Veränderungen oder die aktuelle Geschäfts- und Auftragslage informiert. Der Chef, der zu seinen Mitarbeitern auch zu deren Einsatzorten hinausfährt und sie dort besucht: „Unsere Mitarbeiter wollen gesehen, gehört und informiert werden.“ Das sei eine Frage von Respekt und Wertschätzung.

Was alle Befragten nervt: Das gegenseitige Abwerben in der Branche – oft mit falschen Versprechungen. Besser sei, schon gemeinsam unter Schülern für technische Berufe und Studiengänge zu werben und die eigene Firma für Praktika und Begegnungen zu öffnen, damit in Summe die Zahl der Fachkräfte steigt. Denn eines sei auch klar: Ist der Neue erst mal drei oder sechs Monate an Bord, enden die Versprechungen meist, mit denen man ihn gelockt hat. Einzige Gewinner sind dann die Headhunter.

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