Franz-Xaver Bernhard: „Wir ergreifen die nächste Wachstumschance“

Hermle-Vorstand Franz-Xaver Bernhard zur Investitionsstrategie des Fräsmaschinenherstellers

„Wir ergreifen die nächste Wachstumschance“

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Massiv investiert die Maschinenfabrik Berthold Hermle in Expansion und Erweiterung am Heimatstandort. Die Pläne und die Strategie dahinter erläutert Franz-Xaver Bernhard, der als Vorstand die Bereiche Forschung, Entwicklung und Vertrieb verantwortet. ❧ Dietmar Kieser

Herr Bernhard, Hermle investiert rund neun Millionen Euro in zwei Bauprojekte am Heimatstandort Gosheim und im Nachbarlandkreis Rottweil. Wie wichtig ist Hermle der Heimatmarkt?

Deutschland ist mit Abstand für uns der wichtigste Einzelmarkt. Dazu gehört vor allem die Region unseres Stammsitzes mit einer hohen Industriedichte und vielen interessanten Kunden. Diese sind uns aber genauso wichtig wie jene, die beispielsweise in Hamburg oder München ihren Sitz haben.
Sind Ihre Investitionen in neue Produktionswerke also ein deutliches Bekenntnis zur hiesigen Region?
Das kann man so sehen. In Gosheim haben wir sämtliche Produktionsaktivitäten zusammengezogen. Auch unsere Automatisierungstochter HLS haben wir vor zwei Jahren an diesen Standort verlagert. Insofern ist Gosheim bislang unser einziger Produktionsstandort. Unsere zahlreichen Vertriebs- und Servicestandorte haben keinen Produktionsanteil.
Wird Hermle eines Tages dennoch im Riesenmarkt China produzieren?
Das ist nicht geplant. Alle unsere Ressourcen befinden sich hier und wir sind in der Lage, den Anforderungen des weltweiten Marktes standzuhalten und mit dem Wachstum mitzugehen. Deshalb gibt es auch keine Not, an anderer Stelle zu produzieren. Ich denke nicht, dass wir anderswo produktiver wären als hier. Jedes Rädchen greift hier ins andere und die Dinge haben sich über die Jahre hinweg gut eingespielt.
23 Kilometer vom Firmensitz entfernt, in Zimmern ob Rottweil, errichtet Hermle erstmals ein Produktionswerk außerhalb von Gosheim. Was spricht gegen den Stammsitz?
Überhaupt nichts. Aber in Gosheim verfügen wir nur noch über sehr begrenzte Flächen zur weiteren Bebauung. Unser Firmengelände grenzt direkt an Wohngebiete. Bei unseren Bauprojekten kämpfen wir deshalb immer wieder mit erheblichen Auflagen seitens der Behörden. Dies führt zu Mehrkosten und verzögert den Genehmigungsprozess. Das war für uns der Grund, nach Erweiterungsflächen Ausschau zu halten, die uns über die nächsten zehn oder auch 20 Jahre Möglichkeiten verschaffen, um uns auszudehnen. Nichtsdestotrotz ragen an unserem Firmensitz Kräne in den Himmel, da wir immer wieder Kapazitäten ausweiten und bestehende Gebäude modernisieren.
Der neue Standort in Rottweil ist also keine Entscheidung gegen Gosheim?
Richtig. Einerseits werden wir in Gosheim wachsen, wo wir dies noch können und den Stammsitz modernisieren. Andererseits ist das als Industriegebiet klassifizierte Areal in Zimmern ob Rottweil ein interkommunales Industrie- und Gewerbegebiet. Für Neubauten gelten dort erheblich geringere Auflagen. Wir brauchten außerhalb der Möglichkeiten, die sich am Firmensitz bieten, auf lange Sicht eine Alternative. Deshalb die Entscheidung für den autobahnnahen Standort, um damit die nächste Wachstumschance zu ergreifen. Die unmittelbare Anbindung an die A81 gab ebenso den Ausschlag wie die Nähe zu Gosheim. Entscheidend war aber auch das erweiterte Einzugsgebiet um Rottweil bis in den mittleren Schwarzwald hinein, um neues Fachpersonal zu rekrutieren.
Wird Hermle am neuen Standort auch produzieren?
In Zimmern werden wir auf einer Produk-tionsfläche von rund 3200 Quadratmetern Maschinenbetten aus Mineralguss fertigen. Die Produktionshalle wird etwa 102 Meter lang sein, 32 Meter breit und 23,5 Meter hoch. Mineralgussgrundgestelle für unsere Maschinen fertigen wir bisher nicht selbst, sondern beziehen sie von verschiedenen Lieferanten. Dieses für uns wesentliche Bauteil erfordert einen besonderen Werkstoff und spezielle Herstellungsmethoden. Deshalb werden wir in diese Technologie einsteigen und uns die erforder-liche Kernkompetenz aneignen. Obgleich wir dann selbst entwickeln und fertigen, werden wir aber weiterhin einen Teil zukaufen, um die Wertschöpfungskette abzusichern.
Finanzieren Sie Expansionen und Investitionen aus dem Cashflow oder über Kredite?
Wir finanzieren alles aus Eigenmitteln, entweder aus dem Cashflow des laufenden Jahres oder aus den Rücklagen. Bei einer Eigenkapitalquote von über 70 Prozent und mehr als 100 Millionen Euro an Finanzmitteln sind wir auf Kredite nicht angewiesen.
Gibt es ein Grundprinzip in der Unternehmensstrategie in Bezug auf finanzielle Einsätze, Beteiligungen oder Zukäufe?
Wir stimmen jährlich ab, was längerfristig zu planen oder wiederkehrend zu konkretisieren ist. Unsere Vorstellungen werden wir immer wieder reflektieren und an den Bedarf anpassen. Hermle ist kein Großunternehmen, das einmal geplant alles umsetzen muss. Mit mehr als 1000 Mitarbeitern sind wir zwar nicht klein. Dennoch sind die Entscheidungswege zwischen der Geschäftsleitung und der Aufsichtsratsebene sehr kurz. Dadurch können wir Absprachen schnell umsetzen.
Ein Finanzierungsplan sichert aber schon die strategischen Ziele von Hermle ab?
Dies erfolgt jährlich im Rahmen einer großen Budgetplanung. Einbezogen sind hier Investitionen in Produkte und neue Entwicklungen ebenso wie Investitionen in Personal oder Kapazitätsausweitungen in Gebäuden.
Wird bei Hermle schon seit längerer Zeit mehr investiert als abgeschrieben?
Das hat es schon gegeben, ist aber nicht zwingend.
Wie würden Sie die Investitionsbereitschaft von Hermle bezeichnen?
Investitionen planen wir immer bedarfsorientiert. Nie würden wir trotz unserer Finanzmittel leichtsinnig Geld ausgeben. Das passt überhaupt nicht zu unserem Naturell. Erst wenn wir – sei es bei neuen Produkten, Mitarbeitern oder Produktionsflächen – einen klaren Bedarf erkennen, setzen wir uns zusammen, erstellen eine Risikoanalyse und treffen eine Entscheidung.
Gibt es innerhalb der Familie eine Nachfolgeregelung?
Aktuell nicht. Dietmar Hermle ist seit zwei Jahren Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens. Er, als Oberhaupt der Familie, seine Geschwister und Stiefschwestern sowie -brüder halten als Aktionäre seit vielen Jahren dem Unternehmen die Treue. Daran wird sich absehbar nichts ändern. Was die Geschäftsleitung angeht, muss diese nicht zwingend aus dem Aktionärsstamm kommen. Es kann aber durchaus sein, dass es geeignete Kandidaten dafür gibt.

Hermle im Profil
Die Maschinenfabrik Berthold Hermle aus Gosheim im Landkreis Tuttlingen weist für 2016 ein Investitionsvolumen von rund 9 Mio. Euro (2015: rund 5,5 Mio. Euro) aus. 2015 erzielte Hermle konzernweit einen Umsatz von 356,6 Mio. Euro und ein Betriebsergebnis von 80,4 Mio. Euro bei rund 1000 Beschäftigten. Die Prognose für das Gesamtjahr 2016 geht von einem Umsatzanstieg im mittleren bis oberen einstel-ligen Prozentbereich aus. Das 1938 gegründete Unternehmen produziert seit 1957 Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren. Seit 1990 ist Hermle an der Börse notiert und wird in Stuttgart und Frankfurt am Regulierten Markt gehandelt. Die Stammaktien sind im Besitz der Familie und befreundeter Investoren.
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