Interview Zusammenarbeit als Erfolgsmodell

Interview

Zusammenarbeit als Erfolgsmodell

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Der Technologieverbund Technology Mountains will die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zum Vorreiter für Industrie 4.0 in Deutschland etablieren. Den Schlüssel sieht Geschäftsführerin Yvonne Glienke im Netzwerken. Wie der Verbund regionale Unternehmen bei ihrem Weg in die digitale Zukunft unterstützt, erklärte sie im Gespräch. ❧ Nora Nuissl
Frau Glienke, Technology Mountains hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen in Schwarzwald-Baar-Heuberg zu Gipfelstürmern für Industrie 4.0 zu machen. Warum ist die Region für das Thema prädestiniert?
Wir haben hier eine sehr starke Industriedichte. Das entspringt auch der Historie: Zwischen 1950 und 1960 lag das Zentrum der deutschen Uhrenindustrie im Schwarzwald. Vom Wegbruch der Uhrenindustrie war die Region daher stark betroffen. Aber die Unternehmen haben das vorhandene Know-how genutzt und sich vor allem in den Bereichen Mikro- und Kunststofftechnik weiterentwickelt. Auch neue Bereiche sind ein wichtiges Thema – Tuttlingen ist heute eine der Hochburgen in der Medizintechnik-Landschaft. Durch den Zusammenbruch des Uhrengewerbes sind die regionalen Unternehmen für Trends sensibilisiert.
Trends zu erkennen und umzusetzen gehört für Firmen zum natürlichen Lauf der Dinge, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wozu braucht es den Verbund?
Das ist richtig. Unternehmen arbeiten von sich aus schon zukunftsgerichtet und denken an morgen. Wir als Technologieverbund versuchen die Unternehmen anzutreiben, noch weiter über den Tellerrand zu blicken – also bereits bis übermorgen. Wir versuchen daher auch Themen zu pushen, neue Trends zu platzieren sowie Unternehmen zu informieren und zu unterstützen.
Inwiefern unterstützen Sie Unternehmen?
Wir bieten unseren Mitgliedern verschiedene Formate in unseren Kernbereichen Mikro- und Werkstofftechnik sowie Kunststoff- und Metallverarbeitung: Etwa Premiumveranstaltungen, wie unser Gespräch zur Zukunft oder den Technologiegipfel. Unser Portfolio umfasst aber auch Workshops, Arbeitskreise oder Expert Tables. Bei den Expertenrunden treffen sich regelmäßig Unternehmen, die an einem Thema interessiert sind. Das ist ein eher langfristiges Format, bei dem auftauchende Fragestellungen bearbeitet, immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt werden können.
Was gibt es im Bereich Industrie 4.0?
Vielfach wird Industrie 4.0 nur von technischer Seite beleuchtet. Wir wollen den Firmen darüber hinaus die Anregung geben, in alle Richtungen offen zu sein. Bei einer unserer Veranstaltungen haben wir beispielsweise diskutiert, was Industrie 4.0 für die Arbeitswelt bedeutet. Ein praktisches Beispiel waren hier mobile Arbeitsstationen, mit denen Betriebe Kosten sparen können. Dieses Format kam bei den Teilnehmern sehr gut an.
Der Begriff Industrie 4.0 ist schon ziemlich abgedroschen. Interessiert das Thema Unternehmen überhaupt noch?
Natürlich findet bei Industrie 4.0 auch eine Übersättigung statt. Man muss bei dem Thema darauf achten, es von verschiedenen Seiten zu beleuchten und schlussendlich Anwendertipps zu geben: Was heißt Industrie 4.0 in der Praxis und was heißt das für mich als Unternehmen in meiner täglichen Produktion? Das sind Themen, die Firmen interessieren. Dabei helfen unsere Formate, Aufklärung zu betreiben und den Leuten eine Hilfe zur Selbsthilfe geben.
Sie haben sowohl kleine und mittlere Unternehmen (KMU) als auch große Institute und Firmen als Mitglieder. Gehen diese unterschiedlich mit Industrie 4.0 um?
Das ist sehr durchmischt. Man kann nicht sagen, dass kleine Unternehmen rückständig seien oder sich nicht mit Industrie 4.0 beschäftigen. Es gibt KMU, die sogar eine Art Vorreiterrolle abgeben. Ich glaube, dass kleine Betriebe sehr offen mit dem Thema umgehen – dort herrscht Bedarf, sich auszutauschen. Insgesamt gilt bei Industrie 4.0: Die Schnellen fressen die Langsamen, nicht die Großen die Kleinen. Und hier können unsere Mitgliedsunternehmen, gerade KMU einen Vorteil aus dem Netzwerk ziehen, weil sie an Informationen schneller rankommen, als wenn sie alleine am Markt agieren.
Welche Themen sind im Netzwerkbesonders stark nachgefragt?
In der Medizintechnik sind es klar die regulatorischen Hürden. Auch beim Thema Industrie 4.0 ist das eine häufige Fragstellung. Das Thema ‚Kostensenkung in der Produktion‘ ist ein immer wiederkehrender Punkt. Viele Unternehmen wollen auch den regionalen Produktionsstandort erhalten und müssen Produktionskosten optimieren – dafür ist Industrie 4.0 eine Riesenchance.
Haben sich aus Ihren Veranstaltungen schon konkrete Projekte von Firmen ergeben?
Meist dauert das eine Weile: Unternehmen ziehen sich Anregungen aus unseren Angeboten und setzen das um, was für die eigene Strategie passt. Manchmal bekommen wir auch erst nach Jahren mit, dass Kooperationen entstanden sind, weil sich Unternehmen bei unserer Veranstaltung kennen gelernt haben.
Entstehen aus einer Veranstaltung manchmal andere Verbundprojekte?
Ja, das kommt oft vor. Wenn wir bei einer Veranstaltung merken, welches Thema Unternehmen interessiert, greifen wir dieses zum Beispiel in einem Entwicklungsprojekt noch einmal auf. Manchmal kommen auch Firmen mit einer Problematik auf uns zu, die sie nicht alleine lösen können. Wir können diese Themen im Netzwerk streuen und Rückmeldungen an die Firmen weiterleiten. Das ist immer wieder spannend, weil sich teilweise auch Unternehmen melden, bei denen man nicht erwartet, dass sie sich mit der Thematik beschäftigen. Oder wir vermitteln direkt Ansprechpartner in passenden Firmen. So können wir verschiedene Unternehmen und Institute an einen Tisch bringen, die sonst nie zusammengekommen wären.
Wobei können Sie noch unterstützen?
Neben unseren Veranstaltungen und der Koordination von Verbund- oder Entwicklungsprojekten helfen wir Unternehmen etwa bei einer Fördermittelberatung, wir informieren über Schutzrechte und Patente oder unterstützen mittels Technologie-Scouting beim Identifizieren von Markttrends.
Was steckt hinter Technologie-Scouting?
Das ist ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die gemeinsam einen sogenannten Technologie-Scout finanzieren. Dieser ist weltweit auf Messen oder Kongressen unterwegs und filtert aktuelle Trends für Unternehmen. So sind auch kleinere Unternehmen stets am Zahn der Zeit.
Mit welchen Problematiken haben Unternehmen bei Industrie 4.0 noch zu kämpfen?
Teilweise scheuen sich Unternehmen vor der Investition, da es sich oft um sehr große Summen handelt. Manchmal ist es auch so, dass Mitarbeiter Vorbehalte haben – meist aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz.
Konnten Sie mit Ihrer Verbundarbeit helfen, Vorbehalte abzubauen?
Ein Thema wie Industrie 4.0 braucht Zeit, um sich zu etablieren. Aber es entwickelt sich. Natürlich gibt es Vorreiter, die wenig äußerliche Hilfe brauchen. Aber oft können wir Unternehmen mit unseren Angeboten unterstützen und helfen, sich an das Thema anzunähern. Danach können diese schrittweise tiefer in die Thematik einsteigen und sie umsetzen. Ein Beispiel für ein solches Voranschreiten ist die Industrie 4.0-Allianz – Ausgezeichnete Orte. Mittlerweile sind dort einige regionale Unternehmen aus unserem Verbund, wie auch wir selbst, vertreten.
Gibt es eine Roadmap für die Zukunft?
Wir wollen unsere Region und unsere Unternehmen als Vorreiterregion präsentieren. Ansonsten wollen wir weiterhin wachsen, aber in einem gesundem Rahmen. Das heißt, wir wollen Unternehmen aufnehmen, die einen Mehrwert bringen – die diese Technologiestärke zeigen und für eine Zusammenarbeit mit unseren heutigen 222 Mitgliedsunternehmen wertvoll sind.

Fakten zum Verbund:
Technology Mountains – der Technologieverbund im Südwesten wurde im Juni 2005 gegründet.
Aktuell zählt der Verbund 222 Mitgliedsunternehmen.
In den Bereichen Kunststoff-, Mikro-, Werkstofftechnik und Metallverarbeitung unterstützt der Verbund Firmen mit Informationsveranstaltungen, Seminaren, Arbeitskreissitzungen (Expert Tables), Innovationsforen, Delegationsreisen, Messeauftritten, Entwicklungs- und Verbundprojekten.
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