Smart Service Welt: Chancen für die Produktionstechnik

AWK 2017: Smart Service Welt

Chancen für die Produktionstechnik

Sogenannte Smart Devices sind in der Fertigung noch wenig gebräuchlich. Dabei wäre es beispielsweise über Smart Glases möglich, den Mitarbeiter unmittelbar am Ort der Wertschöpfung und in Echtzeit mit allen wichtigen Informationen zu versorgen und so Durchlaufzeiten und Fehlerraten zu senken. Bild: IPT
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Digitalisierung und Vernetzung ebnen neue Wege, Fertigungsprozesse zu optimieren. Dabei werden alte Tugenden wie die technologische Exzellenz keineswegs in Frage gestellt. ❧ Mona Willrett

Unsere Welt verändert sich immer schneller. Entwicklungen – sowohl technische und wirtschaftliche als auch gesellschaftliche – werden zunehmend vielschichtiger und sind oft schwer vorhersehbar. Wer weiterhin erfolgreich bestehen wolle, müsse deshalb schnell und flexibel agieren und reagieren können, sagt Dr. Stefan Hartung. Laut dem Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH sind bisherige Stärken produzierender Unternehmen in einer agilen, individualisierten Welt keineswegs hinfällig, es bedürfe aber neuer Wege und Herangehensweisen. Für Dr. Jan Michael Mrosik, CEO der Siemens-Division Digital Factory, bildet ein nahtloser Datenfluss zwischen allen Gliedern der Wertschöpfungskette künftig die Basis, auf der Fertigungsunternehmen ihre Innovationsgeschwindigkeit und Produktivität steigern und neue Geschäftsmodelle definieren können. Und mit Blick auf ihr Vortragsthema „Künstliche Intelligenz im Internet of Production“ meint Forscherin Prof. Sabina Jeschke, Technik werde immer komplexer, und das bedeute, dass Systeme künftig in der Lage sein müssten, Probleme selbst zu lösen.
Die Digitalisierung und die Vernetzung schaffen die Voraussetzungen, um die Prozesseffizienz sowohl beim Auslegen als auch beim Umsetzen einer Fertigung deutlich zu steigern. Unternehmen werden künftig Daten nicht mehr nur innerhalb ihrer eigenen Wertschöpfung sammeln und analysieren. „Für Abläufe, die sich schnell verändern und nicht mehr planbar sind, bieten intelligente, datenbasierte Analysemethoden ein enormes Potenzial“, sagt Dr. Thomas Bergs, Geschäftsführer des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT. „Sie können die Komplexität der Prozesse beherrschbar machen, indem sie dem Nutzer geeignete Algorithmen und Visualisierungswerkzeuge als Entscheidungshilfen zur Verfügung stellen.“
Insbesondere in der Fertigungstechnik sei es dabei jedoch erforderlich, die Datenanalyse mit physikalischen Modellen und Simulationen zu verheiraten. „Erst dann wird es gelingen, das Optimierungspotenzial – etwa bei anspruchsvollen Zerspanungsaufgaben – wirkungsvoll zu erschließen.“ So könne beispielsweise ein Hersteller von Werkzeugmaschinen, der anhand von Datenanalysen das Einsatzverhalten seiner Produkte besser versteht und ungenutzte Potenziale erkennt, seinen Kunden beim Optimieren der Prozesse aktiv unterstützen und ihm so einen Mehrwert bieten. Außerdem sei es dadurch möglich, die nächste Produktgeneration noch besser an den Bedarf des Anwenders anzupassen. „Obwohl ein enormes Potenzial darin liegt, Fertigungsprozesse zu optimieren und zu flexibilisieren, tauschen Fertiger und Produktionsausrüster ihre Technologiedaten noch viel zu selten untereinander aus. Hier brauchen wir eine vertrauensvollere und von stärkerer Offenheit geprägte Kooperation zwischen Kunde und Lieferant!“
Technisch liegen laut Bergs schon viele der dafür notwendigen Bausteine vor. Es komme nun darauf an, die Systeme untereinander zu vernetzen und als datenbasierte Services zu verstehen, die in allen Wertschöpfungsstufen produzierender Unternehmen wertvolle Zusatzinformationen liefern können. Eine besondere Herausforderung sieht der Forscher darin, Wege und Modelle zu finden, die diesen gegenseitigen Datenaustausch weiter fördern: „Wir brauchen neue Formen der Kooperation innerhalb der Unternehmen wie auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Die Gestaltung geeigneter Daten-Clouds bildet hier eine elementare Voraussetzung.“
Bergs betont: „Wir müssen schnellstmöglich integrierte Testumgebungen schaffen, um die vielfältigen Soft- und Hardware-Lösungen an konkreten Fertigungslinien zu erproben.“ Hier könnten Forschungsinstitute eine Broker-Funktion übernehmen, um vorwettbewerblich, vor allem aber anwendungsnah die nötigen Entwicklungen in Kooperation mit Produktionsausrüstern und Produzenten voranzutreiben. „Ich bin überzeugt, dass konkrete Anwendungsbeispiele Skeptiker leichter überzeugen und Befürchtungen sowie Ängste – auch bei den Mitarbeitern – ausräumen können.“

Themen und Referenten
Agiles Unternehmen, 18. Mai, 9:30 Uhr
Dr. Stefan Hartung ist als Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH zuständig für den Unternehmensbereich Energy and Building Technology mit den Bereichen Security Systems und Thermotechnology sowie Global Service Solutions.
Digital Enterprise für die diskrete Industrie, 18. Mai, 10:00 Uhr
Dr. Jan Mrosik ist CEO der Siemens-Divison Digital Factory. Der promovierte Elektrotechnik- und Wirtschaftsingenieur ist seit 20 Jahren für Siemens tätig. Vor der aktuellen Position war er CEO der Division Energy Management.
Künstliche Intelligenz im Internet of Production, 18. Mai, 11:00 Uhr
Prof. Dr. Sabina Jeschke ist seit Juni 2009 Direktorin des Cybernetics Lab IMA/ZLW & IfU der RWTH Aachen, Fakultät für Maschinenwesen. Sie ist Vorstandsvorsitzende des VDI Aachen und Mitglied des Aufsichtsrats der Körber AG.
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