Kolumne „Von unten“

CO2-Dilemma am Scheideweg

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Das Kohlenstoffdioxid macht an den Landesgrenzen nicht halt. Schon deshalb wird es die von den Klimaaktivisten gewünschte CO2-neutrale Mobilität nicht geben. Bild: lukelake/stock.adobe.com
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ie völlige CO2-neutrale Mobilität ist eine Utopie. Ein zu schneller und radikaler Technologiewechsel würde mehr zerstören als helfen. Wir braucen vielmehr im Ganzen gedachte Maßnahmen, meint unser Kolumnist.

Alfred Gramling
Experte für Technologie und Kostenanalysen für Antriebstechnik bei einem Automobilhersteller

Täglich schwirren neue Hochrechnungen und Schreckensszenarien zum Thema CO2 durch die Medienlandschaft. Zahlreiche Studien zeigen auf, mit wie viel Gigatonnen CO2-Ausstoß Deutschland das Weltklima belastet und wie man dies egalisieren oder vermindern könnte. Als Bürger kann man schwer nachvollziehen, welche Grundlagen und Annahmen bei diesen Untersuchungen zu Grunde gelegt wurden.

Als Grundübel der Klimaveränderung wird der nun generell als umweltfeindlich deklarierte Verbrennungsmotor hingestellt. Und die für gutgläubige Dieselbesitzer nur schwer nachvollziehbaren Fahrverbote richten für viele Menschen sogar persönlichen und für uns alle auch gesamtwirtschaftlichen Schaden an. Die ideologischen Parolen (von den „bösen SUVs“) schwächen unsere Wirtschaft so sehr, dass Vollbeschäftigung und der darauf beruhende Wohlstand wohl bald der Vergangenheit angehören werden.

Gewiss muss gegen die Klimaveränderung etwas getan werden. Doch diese pauschalen Verurteilungen sind zu einfach und lassen Vieles außer Acht. Die Lähmung oder gar Ruinierung unserer wirtschaftlichen Säulen – zumal bei den weltweit höchsten Standards hierzulande – werden keinen spürbaren Beitrag leisten, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Und auf diese Weise wird es die von den Klimaaktivisten gewünschte CO2-neutrale Mobilität auch nicht geben. Wer das behauptet, ist auf dem Holzweg. Das CO2 wird nicht an den Landesgrenzen haltmachen. Vielmehr brauchen wir im Ganzen gedachte Maßnahmen

E-Auto-Empfehlung ist nicht nachhaltig

Wer ausschließlich auf E-Mobilität setzt und nur diese fördert, begibt sich auf einen folgenreichen Irrweg. Rein batteriegetriebene Mobilität sorgt in Ländern, in denen der Abbau von Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan, Oxiden und weiteren Kathodenmaterialien unter widrigsten Bedingungen stattfindet, für enorme Umweltprobleme. Zerstörte Landschaften und verseuchte Böden werden die betroffenen Länder über Jahrzehnte belasten und zur nächsten umweltpolitischen Katastrophe führen. Soll das die vielgepriesene Nachhaltigkeit sein? Das zu behaupten, ist angesichts der absehbaren Probleme ebenso unverantwortlich wie unmoralisch. Auch der wachsende Batterieschrott, der zum Entsorgen oder Recyceln anstehen wird, bringt eine Belastung der Umwelt mit sich. Hier gilt es, effektive Regelungen und Vorschriften zu erarbeiten, und zwar bevor wir uns in dieses Abenteuer stürzen.

Es kann nicht die einzige Lösung sein, auf die E-Mobilität zu setzen und die Energieversorgung bei uns mit Windenergie zu sichern. Die E-Mobilität wird in bestimmten Bereichen sicher ihren Beitrag leisten, aber das wird nicht flächendeckend sein. Vielmehr müssen auch die anderen alternativen Antriebstechnologien vorangetrieben werden und ihren Low-Carb-Beitrag leisten. Und ich bin fest davon überzeugt, dass selbst der Verbrennungsmotor zu einer umweltfreundlichen Renaissance aufsteigen kann.

Chinas Weg ist nur eine Scheinlösung

China und die USA treiben ein Spiel, das in Sachen Klimawandel und Umweltschutz kontraproduktiv ist. Das Reich der Mitte setzt voll auf E-Mobilität, damit die Luft in seinen riesigen Städten besser werden soll. Zur gleichen Zeit jedoch lässt die chinesische Regierung viele neue Kohlekraftwerke bauen. Vor diesem Hintergrund bildet der chinesische Weg nur eine Scheinlösung, eine Verlagerung des Klimaproblems außerhalb der Scheinwerfer. Und dennoch wird China als Vorbild für uns dargestellt.

Nur eine florierende Wirtschaft verbessert die Klima-Bilanz

Die Themen Klimaschutz, CO2-Grenzwerte, Erderwärmung haben das ökologische Bewusstsein der Deutschen verändert. Dies ist gut so. Doch wir überspannen den Bogen, wenn wir das Auto als Hauptverursacher des CO2 verdammen. Kraftwerke, Billigflieger, Kreuzfahrtschiffe und die Überseefrachter als mit die größten Umweltkiller bleiben im Hintergrund. Dabei sind die heutigen Autos mit ihren modernen Technologien längst nicht mehr „die Bösen“.

Den Ideologen muss ganz deutlich gesagt und erklärt werden: Es ist nicht alles umweltfreundlich, was uns als klimarettend und umweltschonend dargestellt wird. Mit polemischen Darstellungen und einem wirtschaftlichen Einbruch wird Deutschland seine führende Rolle verlieren. Und es ist nicht ersichtlich, dass die dann dominierenden Länder das Klima retten werden.

Was wir brauchen, sind wohldurchdachte Strategien zur Verbesserung der Alltagsmobilität und keine Verbote. Es gilt, behutsam, mit Sinn und Verstand, an der CO2 -Reduktion zu arbeiten, damit wir Marktführer für Autos und Maschinen bleiben und es auch mit den zukünftigen Technologien werden – gerade auch aus ökologischen Gründen.

Die Mobilität der Zukunft wird ganz sicher bunter und vielfältiger werden, doch sie wird nie ganz CO2-neutral sein können. Und der zu schnelle und zu radikale Technologiewechsel würde mehr zerstören als helfen. Deshalb wünsche ich mir, dass nach der aufgeheizten Diskussionsphase nun mit kühlerem Kopf agiert wird, kurzfristig machbare Ziele umgesetzt werden und von allen Seiten gemeinsam an langfristigen Zielen gearbeitet wird – und das, ohne die Arbeitsplätze zu gefährden.

*Der Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder und nicht immer die der Redaktion


Bild: Alfred Gramling

Von unten

Klimawandel, Energiewende und Mobilitätswandel werden heiß diskutiert. Unsere Kolumnisten, vier erfahrene Berufstätige, erleben und beobachten den Wandel, die Pläne und die Panik im Berufsalltag aus nächster Nähe. Heute beschreibt der Antriebstechnikspezia-list Alfred Gramling seine Sicht.

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