Volkswagen, BMW und Porsche investieren in Sachsen

Der alte Automobil-Standort bekommt wieder neuen Schwung

Mindestens 25 000 neue Geländewagen sollen pro Jahr das Montagewerk Leipzig verlassen (Bild: Porsche)
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Die Industrieregion um Chemnitz und Zwickau knüpft an alte Traditionen an. Inzwischen haben die Konzerne aber auch Leipzig und Dresden als Standorte entdeckt.

Stefan Schroeter ist Journalist in Leipzig

Der neue Porsche kommt aus Leipzig: Mitte August startete der Stuttgarter Sportwagen-Hersteller die Fertigung seines sportlichen Geländewagens Cayenne im neuen sächsischen Montagewerk. Die 300 Mitarbeiter sollen jährlich mindestens 25 000 Flitzer fertigen – die Nachfrage ist allerdings viel größer. „Mehr als 100 000 Interessenten aus aller Welt haben bereits ihre Kaufabsicht für den Cayenne bekundet – und täglich kommen weitere hinzu“, sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Erst vor drei Jahren hatte sich die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG entschieden, das neue Werk für insgesamt 127 Mio. Euro in der sächsischen Metropole zu bauen.
Automobilbranche kurbelt die Zulieferindustrie an
Die Standort-Vorteile einer schnellen Verwaltung, einer gut ausgebauten Infrastruktur und qualifizierten Facharbeitern sind auch dem BMW-Konzern nicht verborgen geblieben. Die Bayern errichten einige Kilometer weiter ebenfalls ein neues Autowerk für 1,3 Mrd. Euro und wollen ab 2005 jeden Tag 650 Fahrzeuge ihrer 3er-Reihe fertigen. Die 5500 Arbeitsplätze, die im BMW-Werk direkt entstehen sollen, sind heiß begehrt: Bisher haben sich dafür mehr als 40 000 Bewerber gemeldet. Dazu dürften weitere 5000 Arbeitsplätze bei den Zulieferern entstehen, die sich im weiteren Umfeld ansiedeln. Den Anfang macht die italienische Magnetto-Gruppe, die bei Plauen ein Werk für Türen und Klappen baut.
Während Leipzig als Automobil-Standort derzeit Neuland betritt, reichen die Traditionen der Region um Chemnitz und Zwickau bis 1902 zurück. Damals siedelte sich die Firma Horch in Zwickau an, wenig später folgte Audi in der gleichen Stadt sowie Wanderer in Chemnitz und DKW in Zschopau. Diese vier sächsischen Automobilbauer schlossen sich dann während der Weltwirtschaftskrise 1932 zur Auto-Union AG zusammen. Zwickau und Chemnitz waren auch in der DDR wichtige Standorte der Pkw-Produktion. 1958 entstand in Zwickau der VEB Sachsenring, der den Trabant produzierte. 1983 beschloss die DDR-Regierung der eine Zusammenarbeit mit dem VW-Konzern, wonach in ostdeutschen Betrieben Motoren und Einzelteile für Westautos gefertigt wurden.
Nach der Wende baute VW dann schnell Standorte in Zwickau und Mosel auf, wo mittlerweile 6100 Mitarbeiter den Golf und die Passat-Limousine fertigen. Die Motoren kommen aus dem Werk Chemnitz, wo noch einmal 800 Leute beschäftigt sind.
Mit seiner Gläsernen Manufaktur in Dresden hat der Wolfsburger Konzern schließlich noch ein ausgesprochenes Prestige-Projekt errichtet: In stilvoller Umgebung fertigen rund 800 VW-Mitarbeiter die neue Nobelkarosse Phaeton direkt vor den Augen ihrer betuchten Kundschaft.
Originell gelöst ist auch die Belieferung des innerstädtischen Standorts: Die benötigten Teile und Baugruppen transportiert eine speziell entwickelte Güter-Straßenbahn.
Inzwischen hat sich auch eine starke Zuliefer-Industrie in Sachsen etabliert. So arbeitet beispielsweise Daimler-Chrysler mit rund 150 sächsischen Lieferanten zusammen. VW bezieht Teile im Wert von 1 Mrd. Euro von 128 Firmen in den neuen Bundesländern, von denen 90 % ihren Standort in Sachsen haben.
Zu einem der größten ostdeutschen Zulieferer-Unternehmen ist die Sachsenring Automobiltechnik AG in Zwickau mit fast 1500 Mitarbeitern aufgestiegen. Allerdings ist Sachsenring offenbar zu stürmisch gewachsen und musste im Mai Insolvenz anmelden. Derzeit werden Übernahme-Verhandlungen mit Investoren geführt. Erfolgreichere Beispiele können der japanische Konzern Takata mit seinen Werken in Elterlein und Freiberg oder die Siemens VDO Automotive AG in Limbach-Oberfrohna vorzeigen. Von den Aufträgen der Automobil-Hersteller profitieren nicht zuletzt viele sächsische Maschinenbauer, die Ausrüstungen für die Werke liefern.
Beschäftigungsmotor Automobilindustrie
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind derzeit in Sachsen über 65 000 Beschäftigte in mehr als 350 Unternehmen der Automobilindustrie tätig. Ihr Umsatz liegt bei 7 Mrd. Euro. Die Produktivität stieg seit 1991 um das 20-fache auf 381 000 Euro pro Beschäftigten. sts
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