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Die Produktion in Echtzeit überwachen

BDE-Software übernimmt PPS-Aufgaben
Die Produktion in Echtzeit überwachen

Mittlerweile gibt es BDE-Lösungen, die auf mittelständische Unternehmen zugeschnitten sind. Die Basis-BDE erzeugt Fertigungsaufträge, bietet Schnittstellen zu den umgebenden Applikationen und stellt eine Nachkalkulationsfunktion für die Auftragsbearbeitung bereit.

Marcus Geigle ist Fachjournalist in Aschaffenburg

Aus Kostengründen sehen sich viele Mittelständler gezwungen, ihre Geschäftsprozesse genau zu analysieren und effizienter zu arbeiten, indem sie ihren Betrieb umstrukturieren. Nach einer investitionsintensiven Rationalisierungswelle ist heute zu beobachten , daß die Unternehmen einzelne Prozesse und Abläufe umfassend rekonstruieren. Die IT-Infrastruktur läßt sich effektiv einsetzen, wenn die einzelnen Komponenten vernetzt sind. In der Fertigung ist beispielsweise die BDE an die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) angebunden.
Während Großunternehmen betriebswirtschaftliche Standardsoftware führender ERP-Anbieter wie SAP, Baan oder Peoplesoft im Bereich Human Resources, Finanzen und Fertigung einsetzen, sind solche Lösungen für Mittelständler zu umfangreich und kostenintensiv. So greifen die Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern auf individuelle Lösungen für einzelne Geschäftsfelder zurück. Diese werden meist von spezialisierten Software- und Beratungshäusern angeboten.
Ob betriebswirtschaftliche Standardsoftware oder maßgeschneiderte Lösung: Der Erfolg eines solchen Systems hängt entscheidend von der Qualität und Plausibilität der Datenbasis ab. Produktionsbetriebe stellen deshalb zunehmend eine Frage: Welche Möglichkeiten gibt es, Betriebsdaten zu erfassen und wie kann ich diese in bestehende Applikationen im Unternehmen ohne großen Aufwand exportieren?
BDE-Lösungen sind mittlerweile mehr als nur Erfassungssysteme. Sie bewerten Daten und bereiten sie so auf, daß sie sich leichter exportieren und weiterverarbeiten lassen. Danach werden diese Daten in PPS-Systemen oder ERP-Modulen verwertet. Damit sind Betriebsdaten über alle Prozesse einer Fertigung die Grundlage der Produktionsplanung.
Eine BDE-Software muß aber nicht nur erfaßte Daten exportieren, sondern auch die Möglichkeit bieten, auf Daten anderer Applikationen zuzugreifen. Der Austausch muß in beiden Richtungen sichergestellt sein. In der Produktion sind PPS-Systeme und Fertigungsleitstände (FLS) die wichtigsten Datenempfänger und zugleich Datenlieferanten für eine BDE. Die Lösung der Schnittstellenproblematik entscheidet über Erfolg oder Mißerfolg in der Produktion. Da die Standard-Module von SAP im Fertigungsbereich überall eingesetzt werden, müssen die BDE-Anbieter Schnittstellen zu diesen Modulen bereitstellen. Nur vernetzte Anwendungen für unterschiedliche Geschäftsprozesse stellen sicher, daß die Produktion effizient arbeitet und der Material- sowie Informationsfluß synchronisiert sind. Auf diese Weise lassen sich Bearbeitungs-, Maschinenlauf- sowie Anwesenheitszeiten während einzelner Bearbeitungsvorgänge parallel auswerten. Um durchgängige Datenformate sicherzustellen, setzt SAP auf Partner-Zertifizikate
BDE-Systeme amortisieren sich nach zwei Jahren
Die Verbindung von PPS-System, Fertigungsleitstand und BDE steht für einen produzierenden Betrieb im Vordergrund. Das PPS-System bearbeitet die Prozesse in den Bereichen
Auftrags- und Bestellwesen,
Stücklisten- und Arbeitsplanverwaltung,
Auftragssteuerung mit Kapazitätsterminierung sowie
Materialwirtschaft.
Die Aufgaben eines FLS sind
Reihenfolgeplanung,
Fertigungsauftragsverwaltung,
Zuleitung und Bereitstellung sowie
Statistik und Fertigungscontrolling.
Die BDE ist in diesem Zusammenhang für zwei zentrale Bereiche zuständig: Die Datenerfassung und -auswertung. Ein solches System erfaßt alle zeitabhängigen Buchungen. Dazu zählen Daten zum Start und Ende oder mögliche Unterbrechungen eines Fertigungsauftrags, eine Plausibilitätskontrolle sowie der Auftragsstatus. Hier laufen Zeit- und Mengendaten von Aufträgen, Arbeitsgängen, Kostenstellen, Maschinen und Mitarbeitern auf, die die Software anschließend verarbeitet. Die BDE übernimmt also zunehmend Aufgaben der PPS-Systeme. Gerade die erweiterten Möglichkeiten im Bewerten und Auswerten der erfaßten Daten versetzen die Anwender von BDE-Lösungen in die Lage, Fertigungsaufträge direkt in der BDE zu generieren.
Die Stuttgarter Interflex GmbH hat eine BDE-Lösung entwickelt, die für Unternehmen bis 400 Mitarbeiter zugeschnitten ist. Diese sogenannte Basis-BDE erzeugt nicht nur Fertigungsaufträge und bietet Schnittstellen zu den umgebenden Applikationen, sondern stellt auch eine Nachkalkulationsfunktion für die Auftragsbearbeitung zur Verfügung.
Der Datenaustausch zwischen PPS-Systemen und BDE-Anwendungen ist nach Ansicht von Interflex-Entwicklungsleiter John Dreu heute kein Problem mehr. „Die Anforderungen des Kunden definieren den Zugriff und die Schnittstellen auf den Datenbestand eines PPS-Systems. Es kommt darauf an, welche Auswertungen der Kunde mit der BDE realisieren möchte.“
Die Vernetzung wird technisch durch die Integration von EDI-Standards wie VDA, Odette oder Edifact umgesetzt. Für eine gute Online-Verarbeitung müssen die einzelnen Applikationen direkt angebunden sein. Neben den Fertigungslinien sind auch die umgebenden Softwaresysteme zu berücksichtigen. Sie bilden für den weiteren Planungsverlauf den notwendigen Rahmen.
Eines steht fest: Eine Serienfertigung, in der optimierte Durchlaufzeiten und Kostentransparenz gefordert sind, kommt ohne eine leistungsstarke Betriebsdatenerfassung nicht mehr aus. Die Produktionsbetriebe müssen sich den Anforderungen des Marktes stellen und können nur mit einem BDE-System wettbewerbsfähig bleiben. Zwar scheint die Investition sehr hoch, vor allem für mittelständische Betriebe. Betrachtet man jedoch den Return of Investment, dann amortisieren sich diese Aufwendungen in weniger als zwei Jahren. Erfahrungsgemäß ist ein Zeitraum von 18 Monaten realistisch.
BDE speziell für den Mittelstand: Hermle setzt auf papierarme Fertigung
Bei der Hermle AG, einem Hersteller von Werkzeugfräsmaschinen und Bearbeitungszentren im traditionellen Maschinenbausegment, sorgt eine zentrale Betriebsdatenerfassung für den reibungslosen Ablauf der Produktionsabläufe.
Um seine in Deutschland gefertigten Werkzeugfräsmaschinen und vertikalen Bearbeitungszentren konkurrenzfähig anbieten zu können, hat die Hermle AG in Gosheim auf eine leistungsfähige IT-Infrastruktur gesetzt. Installiert wurde das System SAP R/3 mit den Modulen FI, CO, MM, SD, PP und HR.
Die Anforderungen an die neue Betriebsdatenerfassung waren komplex: Weil alle relevanten Produktions- und betriebswirtschaftlichen Daten in R/3 erfaßt und verarbeitet werden, war die wichtigste Forderung, daß das BDE-System den Datenverkehr zwischen den Systemen sichert. Die Lösung mußte also R/3 zertifiziert sein.
Gefragt war ein Softwarepaket, welches Zutrittskontrolle, Personalzeiterfassung und Betriebsdatenerfassung integriert. Ein Terminal sollte genügen, um alle Daten einzugeben. Die neuen Erfassungsgeräte sollten den Mitarbeitern zudem mehr Informationen als bisher zur Verfügung stellen. Wichtig war die Option, das System für DNC und MDE erweitern zu können. Insgesamt wollte Hermle dem Ziel der „papierarmen Fertigung“ ein Stück näher kommen. Der Mittelständler entschied sich schließlich für den Stuttgarter Anbieter Interflex.
Nach Umstellen der Zutrittskontrolle und der Personalzeiterfassung wurde das BDE-System eingeführt. Während der Implementierungsphase stellte sich heraus, daß bestimmte Daten, die bei Hermle verarbeitet werden, auf dem R/3-System nicht praktikabel abzubilden waren. Zu diesen Daten zählten unter anderem Kurzarbeitsgänge, Sammelaufträge und das Bedienen mehrerer Maschinen.
Das Problem konnte durch das Interflex-System behoben werden, welches die notwendigen Daten über die R/3-Schnittstellen KK1 und KK2 erhält. In der Personalzeitwirtschaft werden monatlich die verdichteten Lohnarten an das R/3 System übergeben. Zudem wurde die Möglichkeit geschaffen, Storno-Datensätze zu erzeugen, die nach der Korrektur eines Arbeitsgangs an das R/3-System überspielt werden. Dies ist entscheidend für die Echtzeitdarstellung der Produktion.
Das BDE-System arbeitet mit industrietauglichen Touchscreen-Terminals. Der Vorteil: Per Menüsteuerung lassen sich Aufträge direkt am Bildschirm starten, unterbrechen oder beenden. Weiterhin können Analysen direkt am Terminal durchgeführt werden. Da sich die Personalzeiten und die Betriebsdaten am gleichen Bildschirm erfassen lassen, reduziert sich der Buchungsaufwand.
Die BDE-Lösung wertet Arbeitsvorgänge, Arbeitsplätze, Abweichungen, Systemparameter und Zeitaufträge aus. Mitarbeiter, Meister und das Produktionscontrolling können sich jederzeit über den aktuellen Stand eines Auftrages informieren.
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 20
Ausgabe
20.2021
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