Verbandsvorstand Lothar Horn über die aktuelle Situation der Präzisionswerkzeug-Branche

„Ende des Jahres wieder 85 Prozent des Auftragsvolumens von 2008.“

„Jetzt profitieren wir davon, dass wir alles getan haben, um unsere qualifizierten Mitarbeiter auch in der Krise zu halten.“
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Die Nachfrage nach Präzisionswerkzeugen ist sprunghaft gestiegen. Woher die Aufträge kommen und wie die Branche sie bewältigt, erläutert Lothar Horn. Er ist Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA und Geschäftsführer der Paul Horn GmbH in Tübingen.

Herr Horn, wie sieht die aktuelle Lage der Präzisionswerkzeug-Branche aus?

Nachdem alle Teilbranchen im vergangenen Jahr massive Einbußen verkraften mussten, erleben wir derzeit einen sehr dynamischen Aufschwung. Der Auftragseingang in den Teilbranchen Zerspanungswerkzeug, Mess- und Prüfmittel und Spannzeuge schrumpfte im letzten Jahr jeweils um 40 bis 50 Prozent. Nun haben die Zerspanungswerkzeuge im ersten Halbjahr um 42, die Messmittel gar um 63 und die Spannzeuge um 29 Prozent zugelegt. Obwohl sich die Lage bereits Ende 2009 etwas besserte, setzte die richtige Nachfragedynamik erst im April ein. Derzeit gehen wir davon aus, dass der durchschnittliche Auftragseingang der Branche bis zum Jahresende etwa 85 Prozent des Wertes von 2008 erreichen wird. Von meinem eigenen Unternehmen kann ich sagen, dass der vergangene August der mit Abstand beste aller Zeiten war.
Wodurch entsteht dieser hohe Bedarf?
Natürlich profitieren wir zum Teil davon, dass speziell die Automobilisten ihre Lager leergefahren haben und jetzt Nachschub brauchen. Noch entscheidender für die aktuelle Nachfrage sind jedoch neue Projekte und Produkte. Stichworte sind hier: neue Antriebssysteme, Energieeffizienz, das Bearbeiten von Leichtbauwerkstoffen oder schnelle Modellwechsel. Für all das werden Werkzeuge benötigt.
Wie lässt sich dieser sprunghafte Anstieg der Nachfrage bewältigen?
Jetzt wirkt sich positiv aus, dass unsere Gesamtbranche alles getan hat, um ihre qualifizierten Mitarbeiter auch in der Krise zu halten. Von rund 77 000 Mitarbeitern haben nur etwa 5000 ihren Arbeitsplatz verloren. Insofern wäre es kein Problem, auf die hohen Zuwachsraten zu reagieren. Was die Sache oft etwas schwierig macht: Auch unsere Zulieferer haben ihre Lager leer gefahren und sind vielfach kaum noch lieferfähig. Unseren Betrieben fehlen dadurch vielfach die Grundmaterialien wie Hartmetall-Rohlinge, Trägerwerkzeuge oder Halbfabrikate. Aber das wird sich im dritten Quartal stabilisieren.
Gibt´s besonders dynamische Märkte?
Die Zuwächse im Ausland sind größer als im Inland. China, Indien und die USA sind überdurchschnittlich. Ein vergleichsweise geringes Wachstum haben wir in Europa.
Welchen Herausforderungen müssen sich Ihre Mitglieder in nächster Zeit stellen?
Die Planungssicherheit über längere Zeiträume ist nicht mehr gegeben. Unsere Kunden fordern immer kürzere Reaktions- und Lieferzeiten und sie rufen immer kleinere Lose ab. Außerdem ist auch eine hohe Servicebereitschaft gefragt.
Welche Erwartungen haben Sie an die bevorstehende AMB?
Ich erwarte eine Supermesse. Das ist das Gute an einer Phase wie im vergangenen Jahr: Man hat die Ruhe und Zeit, Ideen in innovative Produkte umzusetzen. Die Messe wird deshalb sehr viele Neuheiten bieten. Und der Bedarf und das Interesse seitens der Kunden ist auch da.
Wie sieht Ihre Prognose für die kommenden Jahre aus?
Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren ein Wachstum erleben werden, das deutlich über das Niveau von 2008 hinausführt. Wie weit das geht, hängt stark von China ab. Der dortige Markt ist der wichtigste Treiber des Aufschwungs. Die reine wirtschaftliche Entwicklung – ohne Berücksichtigung äußerer Einflüsse wie einer weiteren Finanzkrise – sollte ein gutes Wachstum bis 2015 ermöglichen.
Haider Willrett
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