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Energie sparen – jetzt auch bei Pumpen

Kampagne beziffert Einsparpotenzial auf 1,2 Mrd. Euro im Jahr
Energie sparen – jetzt auch bei Pumpen

Manche Pumpen sind so ungünstig ausgelegt, dass die jährlichen Mehrkosten für ihren Betrieb weit über ihre Anschaffungskosten hinausgehen. Damit sich dies ändert, starten die Deutsche Energie-Agentur und der VDMA eine neue Effizienz-Kampagne.

Von unserem Redaktionsmitglied Olaf Stauß olaf.stauss@konradin.de

Über 16 % des industriellen Strombedarfs der EU gehen auf das Konto von Pumpensystemen, wie aus Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hervorgeht. Weltweit ist der Anteil noch höher. Pumpen und ihre Systemkomponenten verschlingen rund 20 % der global produzierten elektrischen Energie. Das allein wäre Grund genug, bei der Auslegung größte Aufmerksamkeit auf einen sparsamen Betrieb und – noch umfassender – niedrige Lebenszykluskosten der Pumpen zu legen. Dennoch sieht die Realität anders aus. Stefan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur GmbH (Dena), Berlin, machte kürzlich klar: „Bei Pumpensystemen sehen wir ein Stromsparpotenzial von 15 Milliarden Kilowattstunden im Jahr. Nehmen wir einen Strompreis von acht Eurocent an, könnten deutsche Unternehmen jährlich 1,2 Milliarden Euro Energiekosten sparen.“
1,2 Mrd. Euro Einsparpotenzial – das ist mehr als die im VDMA organisierten 130 Pumpenhersteller jährlich im heimischen Markt umsetzen (0,52 Mrd. Euro). Warum dieses immense Potenzial bisher nicht erschlossen wurde, begründet Kohler vor allem mit Informationsdefiziten. Die Dena hat deshalb im Dezember zusammen mit dem VDMA die Kampagne „Energieeffiziente Systeme in Industrie und Gewerbe“ gestartet. Sie richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen und setzt auf Information und Beratung. Die Kampagne ist ein öffentlich-privates Vorhaben. Die Gesellschafter der Dena sind je zur Hälfte die Bundesrepublik Deutschland und die staatliche KfW-Bankengruppe. Auf Seiten der Industrie haben bereits Danfoss, Grundfoss, KSB, Sulzer Pumpen, Wilo und das Deutsche Kupferinstitut ihre Teilnahme zugesagt. Beginnen wollen die Partner mit kostenlosen Initialberatungen für Firmen, dann folgen detaillierte Energieanalysen und bei Bedarf eine konkrete Umsetzungsberatung. Vorbild der Kampagne ist die Aktion „Druckluft-effizient“, die im Frühjahr zum Abschluss kommt.
Christoph Singrün, der am 1. Februar die Geschäftsführung der VDMA-Fachverbände „Pumpen und Systeme“ sowie „Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik“ übernimmt, umriss die Zielsetzung aus Sicht der Industrie: „Beim Betrieb von Pumpensystemen wollen wir ein Energie-Einsparpotenzial von bis zu 30 % erschließen.“ Das setzt für ihn in erster Linie eine neue Herangehensweise bei der Auslegung voraus: „Neu- oder Ersatzinvestitionen sollten in Zukunft mit Hilfe der Lebenszykluskostenbetrachtung vorbereitet werden. Die Energiekosten spielen dafür eine ganz entscheidende Rolle, aber auch Wartungs- und Instandhaltungsdienstleistungen.“
Schon im Jahr 2000 haben das renommierte Hydraulic Institute (USA) und der Verband Europump einen schriftlichen Leitfaden erstellt, der Möglichkeiten zu Kostenreduzierungen aufzeigt und zu diesem Zweck die Life Cycle Costs (LCC) von Pumpen aufschlüsselt. Die Anschaffungs- und Installationskosten tragen dazu nur einen geringen Teil bei – umso mehr aber die Energie- und Wartungskosten. Wieso hat diese LCC-Betrachtung bei der Auslegung bisher so wenig Anklang gefunden? Eine Frage, mit der sich auf dem Pumpen-Anwenderforum 2004 des VDMA eigens ein Workshop befasste. Hans Vogelsang, Chef des niederländischen Unternehmens Pumpsupport, moderierte die Expertenrunde. Teils sei es sehr schwierig, die LCC-Daten korrekt zu erfassen, nennt er eines der Ergebnisse. Zum anderen hätten Funktionsträger wie technische Einkäufer oft nur eine Kostenart im Blick. Der Anbieter gerate in einen Konflikt: „Soll er eine Pumpe mit niedrigen LCC und dafür einem etwas höheren Preis anbieten? Wenn der Kunde nur die Anschaffungskosten im Auge hat, verliert er dadurch den Auftrag.“
Die KSB AG, Frankenthal, versucht das Problem zu lösen, indem sie die neue Betrachtungsweise offensiv an die Betreiber heranträgt. Die Außendienste sind dazu schon seit zwei Jahren mit einem „LCC-Rechner“ ausgestattet, der auf dem Leitfaden von Europump basiert. „Der LCC-Comparator gibt die Kostenseite der technischen Lösungen wieder“, erklärt Dr. Reinald Agethen von KSB. Damit lasse sich die Variante mit den geringsten LCC ermitteln, aufgeschlüsselt nach sämtlichen anfallenden Kostenarten. Der Nutzer sehe beispielsweise auf einen Blick, welche Pumpengröße ratsam sei, ob sich eine integrierte Drehzahlregelung rechne und ob eine zusätzliche Überwachung sinnvoll sei oder nicht. Das Besondere daran: Alle benötigten Betriebsparameter sind in Form durchschnittlicher, repräsentativer Benutzerprofile hinterlegt. Wo der Anwender die Werte nicht kennt oder nicht für wichtig hält, kann er die vorgeschlagenen Parameter übernehmen. „Bei Kunden, denen wir den LCC-Rechner vorgestellt haben, ist er auf große Resonanz gestoßen“, stellt Agethen fest. „Insbesondere bei überschaubaren Anlagen und Strukturen erzielen wir damit Erfolg.“
Pumpenbauer KSB ermittelt Life Cycle Costs vor Ort beim Kunden
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