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Interne und externe Logistik bleiben eng verknüpft

21. Deutscher Logistik-Kongress: RFID ist nicht mehr wegzudenken
Interne und externe Logistik bleiben eng verknüpft

Leistungsfähige Verkehrssysteme nutzen geschickt den Verbund von See-. Luft- und Landverkehr. Werden die Straßen nicht zum alleinigen Verkehrsweg, kann der Lkw auch seinen größten Vorteil ausspielen: die Mobilität (Bild: Schenker)
Die Metro weitet ihren RFID-Einsatz aus, Tchibo erhält den Deutschen Logistik-Preis und unisono werden von den Logistikern Infrastrukturverbesserungen gefordert. Doch ein klares Konzept, wie die Logistik mittelfristig zu planen ist, fehlt noch.

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Corban michael.corban@konradin.de

„Wenn wir jetzt klug agieren, können wir der zentrale Logistikstandort in Europa werden“, zeigte sich Dr. Manfred Stolpe überzeugt. Auf dem 21. Deutschen Logistik-Kongress, veranstaltet von der Bremer Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL), kündigte der Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen an, dass die Bundesregierung hierfür die notwendige Infrastruktur schaffen wolle, insbesondere durch den Straßenbau. Aber auch andere Verkehrsträger wie etwa die Wasserstraßen oder die Eisenbahn sollen dazu beitragen. Stolpe hält allerdings die Verbesserung der europäischen Eisenbahnsituation für die größte Herausforderung.
Die anwesenden Logistiker nahmen dies mit Freude auf. Zweifelhaft ist, ob diese von langer Dauer ist. Denn Dr. Eckhard Cordes, Mitglied des Vorstands der Stuttgarter Daimler-Chrysler AG – und damit Vertreter eines produzierenden Unternehmens –, konstatierte: „In dem Maße, wie die Logistiker in der Lage sind, Vorprodukte termingerecht ans Band zu bringen, wird Automobilproduktion in immer größerem Umfang im Ausland stattfinden.“ Anders formuliert: Je besser die Straßensituation ist, desto weniger wird in Deutschland produziert. Das mag die Logistiker zunächst erfreuen, steigt doch damit ihr Auftragsvolumen. Spätestens aber, wenn die Produktion weitestgehend verschwunden ist, wird auch der Transport von Halbzeugen und Vorprodukten entfallen.
Die externe Logistik bleibt deswegen eng mit der internen oder Intralogistik sowie der Produktionstechnik verknüpft, sie sind voneinander abhängig. „Die Automobilbauer werden wieder insourcen müssen“, berichtete auch Prof. Dr.-Ing. Günther Schuh, Direktor des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen. „Supplier Parks sind Blödsinn, wenn man das Konzept zu Ende denkt. Denken Sie über intelligentere Lösungen nach“, forderte Schuh die anwesenden Logistiker auf. In seinem Vortrag zum Komplexitätsmanagement in Fabriknetzwerken ging er dazu auf zwei für ihn wichtige Punkte ein:
Modularisierung:
Obwohl Fabriknetzwerke die Komplexität senken sollen, steigt diese häufig mit der Anzahl der beteiligten Unternehmen. Trotz stetig wachsender Möglichkeiten im Bereich der Informationstechnologie fehlen heute noch die Instrumente, mit der Schnittstellenproblematik angemessen umzugehen. Schuh: „Die Wertschöpfungseinheiten müssen deshalb zu optimal konfigurier- und beherrschbaren Modulen gebündelt werden.“
Standards:
Um die Potenziale zu nutzen, insbesondere die der Virtuellen Fabriken, müssen Standards für die Auftragsabwicklung geschaffen werden. Im Rahmen des Projekts Open Factory wird hier insbesondere ein Open-Source-Ansatz durch das WZL entwickelt.
Auch das Dortmunder Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) ist mit der Entwicklung des Open-Source-Warehouse-Management-Systems My-WMS in diesem Bereich aktiv, und will genau diese universellen Standards liefern. Daran wird die enge Verknüpfung der Produktion mit der sie begleitenden Intralogistik sowie der externen Logistik sichtbar.
Fehlende Standards wurden auf dem Kongress auch in einem weiteren, innovativen Bereich beklagt, der Radiofrequenz-Identifikation (RFID). Zygmunt Mierdorf, Mitglied des Vorstands der Düsseldorfer Metro AG, berichtete von der bevorstehenden Einführung dieser Technologie in der Metro-Gruppe. Acht Distributionszentren und 200 Märkte sollen zukünftig mit Paletten arbeiten, die einen RFID-Transponder oder kurz Tag tragen. Auf Artikelebene kommen die Tags allerdings noch nicht zum Tragen. Mierdorf verspricht sich vom geplanten RFID-Einsatz eine deutlich höhere Effizienz der Logistikabläufe, „einzig der fehlende Standard ist noch ein Problem.“ Denn nur ein weltweit gültiges RFID-Format sichert diese Effizienzvorteile auch global – angesichts der Globalisierung eine zwingend notwendige Forderung an die Technologie-Entwickler.
Gemeint ist damit vor allem der EPC, der Electronic Product Code, der einen weltweit einheitlichen Schlüssel für die effiziente und einfache Identifikation, Verfolgung und Steuerung von Waren und logistischen Objekten liefern soll.
An der Definition des EPC arbeitet auch die IBM mit, die nicht nur als Technologieanbieter, sondern auch im Rahmen ihrer eigenen logistischen Abläufe als Anwender eben dieser Technologie an einem Standard interessiert ist. Martin Jetter, Geschäftsführer der Stuttgarter IBM Deutschland GmbH und Leiter der Beratungssparte IBM Business Consulting Services (BCS) für Zentraleuropa, wies deswegen darauf hin, dass sein Unternehmen – basierend auf der Erfahrung mit den eigenen Lieferketten – als Dienstleister auftreten könne, wie etwa bei der Metro. Speziell in den Bereichen Transport und Logistik will die IBM zudem ihre Kompetenzen mit der Akquisition der dänischen Dienstleister Maersk Data und DM-Data stärken.
Bei der Beurteilung der RFID-Technik sollte zudem beachtet werden, dass diese im Rahmen des Materialflusses sehr viel mehr kann, als nur den Barcode zu ersetzen. Über ein innovatives Steuerungskonzept, an dem das IML im Rahmen des Projekts Realtime Logistics arbeitet, berichtete der Industrieanzeiger bereits in der Ausgabe 46 auf der Seite 42.
Den deutschen Logistik-Preis erhielt übrigens in diesem Jahr der Kaffeeröster Tchibo, der ja deutlich mehr als nur Kaffee verkauft. Um die hohen Produktmengen umzusetzen, wurde deshalb ein modernes Logistiksystem umgesetzt. Allein im Hochregallager in Bremen werden täglich über 6000 Paletten Waren umgeschlagen.
Automobilbauer werden wieder insourcen müssen

Straßen gibt es genug

Kommentar

Wenn uns schon Lärm und Abgase eines stetig wachsenden Güterverkehrs nicht davon abhalten, die Verkehrsinfrastruktur weiter auszubauen, sollte dies spätestens die damit einhergehende Produktionsverlagerung in das Ausland erreichen. Denn volkswirtschaftlich macht es keinen Sinn, die Straßen zu bauen, auf denen dann die Arbeitsplätze davonfahren.
Dies zu verhindern, ist natürlich nicht allein Sache der Logistik. Die Politik ist zuständig für Steuern und Lohnnebenkosten, die Tarifparteien verantworten Löhne und flexiblere Arbeitszeiten. Logistiker – und hier insbesondere die Intralogistiker – sowie Produktionstechniker müssen aber alles daran setzen, sämtliche Potenziale einer kostengünstigen Fertigung auszuschöpfen.
Sonst droht uns nach dem Verkehrsstau der Kollaps unseres Gesellschaftssystems. Hier klüger zu agieren, ist nicht nur wirtschaftlicher, es kommt auch unserer Gesundheit zu Gute. Das zusammen sollte uns die Sache wert sein. co
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 19
Ausgabe
19.2021
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