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„Investitionen bleiben attraktiv“

Photovoltaik: Prof. Eicke R. Weber zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)
„Investitionen bleiben attraktiv“

Viele Firmen bestücken ihre Büro- und Hallendächer inzwischen mit Photovoltaikanlagen. Das ist rentabel und klimafreundlich. Wie sich die Novelle des EEG auf die Praxis auswirkt, erklärt Prof. Eicke R. Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg.

Herr Prof. Weber, wie funktioniert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)?

Als Weiterentwicklung des Stromeinspeisungsgesetzes von 1991 trat das EEG im Jahr 2000 in Kraft und wurde 2004 novelliert. Es verpflichtet die Netzbetreiber, Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig abzunehmen und 20 Jahre zuzüglich des Jahres der Inbetriebnahme nach festen Tarifen zu vergüten. Dank des EEG kann heute jeder Strom aus erneuerbaren Energien ohne Mengenbeschränkung produzieren und in das öffentliche Netz einspeisen.
Was bringt das den Anlagenbetreibern?
Es bietet jedem die Möglichkeit, etwa ein Photovoltaik-System auf Kredit zu kaufen, den Kredit mit dem Ertrag des erzeugten Stromes abzuzahlen und nach etwa 15 Jahren ein langfristiges Einkommen zu erzielen, oder aber bei Bezahlung des Systems vorab eine sehr attraktive Verzinsung der eingesetzten Mittel nahe 10 Prozent zu erzielen.
Was sind die Ziele des Gesetzes?
Salopp gesagt, sich selbst überflüssig zu machen. Doch im Ernst: Es soll den Übergang in eine nachhaltige Energiewirtschaft auf der Basis erneuerbarer Energien erleichtern. So hat bei der Photovoltaik die durch das EEG ausgelöste Massenproduktion erhebliche technologische Fortschritte und Rationalisierungseffekte ausgelöst. Experten gehen davon aus, dass Solarstrom in den nächsten Jahren günstiger und einige Jahre darauf konkurrenzfähig sein wird. Eine finanzielle Förderung wird dann nicht mehr nötig sein.
Macht es nicht den Strom unnötig teurer?
Das EEG ist ein Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Es reduziert den Einsatz von fossilen Energieträgern und schont damit das Klima. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland. Im Jahr 2006 hat Deutschland Energie für rund 70 Milliarden Euro importiert, einen großen Teil aus politisch instabilen Regionen. Aber während fossile Energieträger immer teurer werden, sind die Kosten für erneuerbare Energien stabil. Auf lange Sicht werden also alle Verbraucher vom EEG profitieren. Nur durch den stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien werden die Stromkosten langfristig stabil bleiben.
Was wird ab 2009 geändert?
Anfang 2009 tritt eine Neufassung des EEG in Kraft, die den Marktanteil von Ökostrom bis 2020 auf 25 bis 30 Prozent steigern soll. Danach soll der Anteil kontinuierlich weiter wachsen. Die wichtigsten geplanten Änderungen bei der Neufassung betreffen nicht nur die Photovoltaik: Die Anfangsvergütung für Offshore-Windenergie wird erhöht, der Anreiz für das Repowering von Altanlagen verstärkt. Auch die kleine Wasserkraft wird attraktiver. Im Bereich der Biomasse ist geplant, die besonders effiziente Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung zu stärken.
Und bei der Photovoltaik?
Bei der Photovoltaik wird die Grundvergütung 2009 wie geplant um 5 Prozent gesenkt. Für Neuanlagen bis 100 Kilowatt Leistung wird ab 2010 die Degression von fünf auf acht Prozent steigen, ab dem Jahr 2011 acht Prozent und 2012 neun Prozent betragen. Für Anlagen bis 1000 Kilowatt gilt 10–10–9, für Megawattanlagen 12–10–9.
Was soll das bewirken?
Die Degression der Vergütung soll die Tarife an den Markt anpassen. Kostensenkungen durch Massenproduktion und technische Fortschritte sowie Ergebnisse aus der angewandten Forschung fließen so in die Vergütungstarife ein. Die Degression soll damit zum Motor der Entwicklung werden, denn dem Absenken der Tarife kann die Industrie Innovationen entgegen setzen. Daher wird erwartet, dass selbst mit diesen erhöhten Degressionssätzen Investitionen in erneuerbare Energie attraktiv bleiben.
Ingo Fleuchaus Journalist in Freiburg

Photovoltaik: Diese Techniken gibt es auf dem Markt
Photovoltaikanlagen bestehen aus zusammen geschalteten Photovoltaikmodulen. Je größer die Anlage sein soll, desto mehr Module werden genutzt.
  • Standard-Siliziummodule Derzeit bestehen 90 % der Solarmodule aus Silizium, entweder aus monokristallinen Zellen oder den etwas preiswerteren multikristallinen Zellen. Sie wandeln 14 bis 16 % des einfallenden Lichts in Strom um.
  • Dünnschicht-Module Die neue Alternative. Sie sind bis zu 100mal dünner als kristalline Standard-Siliziumzellen. Sie gibt es zum Beispiel aus amorphen Silizium a-Si, Kadmium-Tellurid CdTe oder Kupfer-Indium-Diselenid CIS. Die Wirkungsgrade liegen zwischen 6 und 8 %. Die auf dem Markt erhältlichen Module sind pro Kilowattstunde erzeugtem Strom bereits jetzt günstiger als Standard-Solarmodule.
  • Konzentratortechnologie Sorgt für eine besonders hohe Effizienz. Spiegel oder Linsen bündeln die Sonnenstrahlen auf eine winzig kleine Solarzelle mit sehr hohem Wirkungsgrad – bis zu 40 %. Die Technik lohnt sich nur für südliche Länder, da sie bei Bewölkung wenig Strom liefert.
Um einen maximalen Ertrag zu erreichen, empfehlen Experten eine Qualitätssicherung durch Profis. Sie gewährleisten eine gute Planung, hochwertige Komponenten und eine sorgfältige Ertragsüberwachung.
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