Startseite » Allgemein »

Kompressor wächst mit dem Druckluftbedarf

Motorleistung läßt sich von 5,5 bis auf 18,5 kW erweitern
Kompressor wächst mit dem Druckluftbedarf

Reicht dem Betreiber die 5,5-kW-Ausführung des Schraubenkompressors KKA nicht mehr aus, kann er das Aggregat von 700 l/min Liefermenge bis auf das Vierfache ausbauen – allein durch Wechsel des Motors. Zudem ist die Neukonstruktion besonders wartungsfreundlich.

Von unserem Redaktionsmitglied Olaf Stauß

Ludwig Maid geht in die Hocke und zeigt auf die Innenfläche der Gußteile: „Fassen Sie hier rein. Sie spüren, daß alles vollkommen gleichmäßig ist. Die Übergänge sind so angelegt, daß keine Stoßverluste entstehen.“ Vor ihm liegen die Gußhälften des Verdichterblocks, den er von Grund auf neu konstruiert hat. Früher in der BMW-Rennmotorenentwicklung tätig und danach Entwicklungsleiter bei einem Hersteller von Schraubenkompressoren, wollte er „noch einmal eigene Ideen“ umsetzen. Mit 47 Jahren gründete er 1997 das Unternehmen Maid Kompressoren und Systeme in Bamberg. Seine Idee: „Ich möchte dem Anwender einen Schraubenkompressor zur Verfügung stellen, der praktisch wartungsfrei arbeitet und sich leicht erweitern läßt.“
Maid führt das Verdichtergehäuse seines Schraubenkompressors KKA in Form einer Kugel aus. Sie ist das Herz seines Ansatzes. „Von der Festigkeit her gibt es für einen Druckbehälter keine günstigere Form als die Kugel. Dadurch kann ich einen größeren Druck vorsehen und erreiche gleichzeitig eine höhere Betriebssicherheit“, erklärt der Maschinenbauingenieur. Seine Aggregate sind für Betriebsdrücke von 7 bis 16 bar ausgelegt und er denkt bereits an eine Erweiterung bis auf 18 bar. Die Anlage läßt sich somit flexibel auf den vom Betreiber gewünschten Druck einstellen.
Tüftler Maid nutzt die sphärische Form außerdem, um den Ölabscheider direkt in das Druckgehäuse zu integrieren. So verzichtet er auf eine Zusatzkomponente mit eigenem Gehäuse. Im Kugelverdichter wird das komprimierte Öl-Luft-Gemisch an der Wand entlang in Spiralen nach unten geführt. „Dabei entsteht eine Fliehkraft, die das schwerere Öl nach außen abdrillt.“ Weil die Kugel nach unten immer enger wird, sinkt der Radius für die Luftbewegung. Die Fliehkraft steigt und bewirkt eine effektivere Abscheidung. Am Luftaustritt nach der Feinstfilterung messen die Techniker nur noch einen Restölgehalt von maximal 2,5 mg/m³.
Neben dem Ölabscheider sind neun weitere Komponenten entweder ins Gehäuse ein- oder direkt angebaut. Dazu gehören Ansaugregler, Ölfilter, Thermostat, Mindestdruckventil und Druckabscheidebehälter. Das Ergebnis ist ein äußerst kompakter Verdichterblock. Im Anlagengehäuse läßt er so viel Platz, daß der Betreiber auf steigenden Druckluftbedarf leicht reagieren kann: Er muß lediglich mit Hilfe eines passenden Riementriebs einen stärkeren Antriebsmotor einbauen und die Verdichterstufe läßt sich weiterbetreiben. Die Mehrkosten schätzt Maid auf maximal 3500 Mark. Möglich sind Antriebsleistungen von 5,5 kW mit 700 l/min Liefermenge bis zu 18,5 kW mit 2850 l/min Liefermenge, jeweils bei 7 bar Druck. Paul Bacon, der den Vertrieb übernommen hat, vergleicht mit dem Wettbewerb: „Bei niedrigem Druckluftbedarf ist unsere Anlage etwas größer, bei höherem Bedarf dagegen kleiner.“
Für noch wichtiger hält Ludwig Maid, daß sich seine Verdichteranlage leicht warten läßt. „Die Anordnung ist so gewählt, daß der Kunde die Wartung selbst durchführen kann. Dadurch spart er eine Menge Geld.“ Als Anschauungsbeispiel wählt er die Luftentölbox mit dem Feinstfilter, die bei jedem Schraubenverdichter regelmäßig ausgewechselt werden muß. Bei herkömmlichen Maschinen veranschlagt er dafür gut eine Stunde Arbeitszeit: Das Bauteil liegt oft an schlecht zugänglicher Stelle. Leitungen müssen beseitigt, Verschraubungen gelöst, Verkleidungen abgezogen werden. Besonders viel Zeit erfordere meist das Einpassen der neuen Komponente. „Bei unseren Kompressoren ist das im Handumdrehen erledigt“, sagt der Bamberger Erfinder. „Der Betreiber braucht nur den alten Filter ab- und den neuen aufzuschrauben. Das funktioniert so einfach wie beim Pkw und dauert nicht länger als eine Minute.“
Weniger Schlauch- und Rohrverbindungen für mehr Betriebssicherheit
Der Blick unter die Anlagenhaube bestätigt es: Das Feinstölfilter ragt direkt aus dem Block heraus. Selbst von einem Laien ist es auf Anhieb zu finden. Auf die anderen Komponenten kann der Betreiber ebenfalls direkt zugreifen, er muß sie nur kennen (siehe Bild). Auch diese übersichtliche Anordnung verdankt der Kompressor der Kugelform des Verdichters. Maid hat alle Zusatzkomponenten „nach außen“ gebaut, so daß sie vom Gehäuse abstehen. Darin sieht er nicht zuletzt ein Verkaufsargument für Anlagenbauer, die ihre Produkte vorwiegend ins Ausland liefern und Zulieferteile benötigen, die ohne Spezialwissen zu reparieren sind. „Wartungsfreundlicher könnte ich das Aggregat gar nicht mehr bauen“, meint der Ingenieur.
Daß kaum Rohr- und Schlauchverbindungen vorkommen, wertet er als Plus für die Betriebssicherheit. Der Verdichter enthält nur eine Dichtfläche, die zwischen den zu verschraubenden Gußhälften liegt. Die Gefahr von Leckagen ist daher auf ein Minimum reduziert.
Eineinhalb Jahre haben die Entwicklungsarbeiten gedauert. Inzwischen sind die Schraubenkompressoren in Deutschland patentiert und im Ausland zum Patent angemeldet. Maid liegt „genau im Plan“ seiner Financiers. Unter anderem gehört zu ihnen das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, das die Entwicklung zu 30 % mit Mitteln aus verschiedenen Töpfen gefördert hat – „ein Beweis, daß das Produkt hält was es verspricht“, so Maid.
Unternehmerische Unterstützung erhielt der Erfinder von Willi Flottmann, Mitglied der „Aktivsenioren Bayern“ und früherer MAN-Chef in Nürnberg. Dort, im Nürnberger Werk der MAN Nutzfahrzeuge AG, München, läuft seit fünf Monaten ein Feldversuch mit dem Kugelkompressor unter Betriebsbedingungen. Drei weitere Maschinen werden in Feldversuchen bei anderen Unternehmen eingesetzt. Bisher haben sich laut Maid keine Störungen ergeben.
Im Moment zählt das Unternehmen noch drei Mann, zu denen Paul Bacon als Vertriebsleiter und Versuchsingenieur Udo Küchler gehören. Für Vertrieb und Montage wird das Personal demnächst aufgestockt – exakt nach Geschäftsplan.
Druckluft-Kompendium: Online-Version bietet Infos und Formeln
Die Boge Kompressoren GmbH & Co. KG, Bielefeld, hat das im eigenen Hause erstellte Druckluft-Kompendium unter der Adresse www.drucklufttechnik.de ins Internet gestellt. Gegenüber der Version sollen dem Leser zusätzliche Vorteile geboten werden:
Informationen kann er gezielt über Volltextsuche, Index und elektronisches Inhaltsverzeichnis suchen.
Formeln zur Druckluftberechnung werden anschaulich vermittelt.
Für Interessierte steht ein Diskussionsforum zur Drucklufttechnik offen. Fragen und Antworten verfassen sowohl Nutzer der Boge-Seiten als auch Experten der Firma.
Ein separater Bereich ist als schwarzes Brett organisiert und soll zur Informationsquelle für Neuigkeiten rund um die Druckluft werden.
Boge möchte nach eigenen Angaben einen firmenneutralen Informationsservice über die Internet-Adresse einrichten. „Es geht um mehr Traffic für die gesamte Branche“, sagt Geschäftsführer Wolf D. Meier-Scheuven. Im Moment ist die Nutzung noch kostenlos.
Schraubenkompressor: Kompakter Verdichter deckt 2,2 bis 5,5 kW ab
Die Schraubenkompressoren KS sind für die Druckluftversorgung von kleinen Betrieben konzipiert. Sie liefern Volumenströme bis 700 l/min bei Betriebsdrücken bis zu 15 bar. Die KS Kompressoren GmbH, Eurasburg, macht mit diesen Aggregaten die Vorteile der Schraubenkompressortechnik auch für den Leistungsbereich von 2,2 bis 5,5 kW zugänglich, in dem bisher vorwiegend Kolbenkompressoren betrieben werden. Da die Anlagen leise und vibrationsarm arbeiten, lassen sie sich in der Nähe des Arbeitsbereiches aufstellen. Laut Anbieter gleicht der Preis dem schallgedämpfter Kolbenverdichter.
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 19
Ausgabe
19.2021
LESEN
ABO
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Tipps der Redaktion

Unsere Technik-Empfehlungen für Sie

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Aktuelle Whitepaper aus der Industrie

Unsere Partner

Starke Zeitschrift – starke Partner


Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de