Warehouse Logistics in Dortmund: Trend zu Transpondern

Logistik birgt noch nicht erkannte RFID-Potenziale

„Mit RFID entsteht eine unlösbare Verbindung zwischen Material- und Datenfluss“, sagte Prof. Dr. Michael ten Hompel. Der Chef des Fraunhofer-IML erwartet wie seine Kollegen einen regelrechten Boom der Transponder (Bild: Fraunhofer-IML)
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Über 350 Teilnehmer und 50 Aussteller trafen sich zum Austausch auf dem zweiten Warehouse-Logistics-Kongress in Dortmund. Als Trends wurden das Outsourcing von Logistikleistungen und die Veränderungen der Branche durch RFID-Anwendungen diskutiert.

Thomas Preuß ist Journalist in Stuttgart

Steigende Outsourcing-Raten sowie Anwendungen mit Funk und RFID – der Übertragung und Identifikation von Daten per Radiofrequenz – nannte Prof. Dr. Michael ten Hompel die zentralen Themen der Logistik für die nahe Zukunft. Auf dem zweiten Warehouse-Logistics-Kongress, der Anfang Juli in Dortmund stattfand, befassten sich denn auch zahlreiche Redner mit diesen Stichworten.
Ten Hompel, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund, Inhaber des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen an der Universität Dortmund und fachlicher Leiter des Kongresses, skizzierte in seiner Einführung die aktuellen Logistik- und IT-Trends. Während beispielsweise der Markt für Informations- und Telekommunikationstechnik in Deutschland 2002 etwa 2 % verlor, seien im Bereich des IT-Outsourcing europaweit Zuwachsraten von rund 10 % zu verzeichnen gewesen. „Tendenz steigend“, sagte ten Hompel. Besonders in der Logistik sei mit weiterem Outsourcing zu rechnen, belege Deutschland doch mit einem Anteil von derzeit 23 % fremd vergebener Logistikkosten im EU-Vergleich nur einen Platz im Mittelfeld. Führend sei Großbritannien mit über einem Drittel outgesourcter Logistikkosten.
Als weiteren Schwerpunkt hatten die Veranstalter, die Dortmunder Cognid GmbH und das IML, für die 357 Teilnehmer und 50 Aussteller vor allem die Entwicklung rund um das Thema RFID und Transponder ausgesucht. RFID wird zunehmend zur Kennzeichnung und Quellensicherung eingesetzt. „Damit entsteht eine unlösbare Verbindung zwischen Material- und Datenfluss“, erklärte Michael ten Hompel. Zwar seien die Transponder, die die Branche gerne mit dem englischen Begriff „Tag“ abkürzt, derzeit noch teuer. Doch mit dem technischen Fortschritt und vor allem einer EU-Richtlinie, die die Chargenverfolgung aller Komponenten vom Ursprung bis zum fertigen Produkt fordere, sei mit einem regelrechten Boom der Tags zu rechnen.
Andreas Glasmacher, Geschäftsführer und Vorstand der Kölner I.D. Systems AG, prognostiziert dem Transponder bis 2008 eine Verdreifachung der Anwendungen – und damit das schnellste Wachstum aller Identifikationssysteme. Dr. Joachim Schönbeck, Leiter des Geschäftsgebietes Material Handling Automation Europa der Siemens Dematic AG in Nürnberg, erwartet bis 2008 gar eine Vervierfachung des weltweiten Umsatzes. Er vermutet, dass „das Potenzial von RFID heute noch von niemandem wirklich erkannt“ werde.
Schönbeck erläuterte, wie über den Weg, Information an die Ware zu bringen, die Transparenz steige und die Transponder eine dezentrale Steuerung erlaubten. Das ermögliche eine genaue Abbildung der physischen Prozesse entlang der Supply Chain. Bis 2007 könnte die Technik so weit fortgeschritten sein, dass die Leitrechnerebene überflüssig werde, sagte Schönbeck. „Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, in der die Logistiksysteme ihr Gesicht sehr verändern werden!“ Ein Ziel für alle Beteiligten sei, dabei die Kosten zu minimieren. Dazu zählen laut Schönbeck diejenigen Kostenanteile, die keine Wertschöpfung für den Kunden haben. Speziell die Lagerung sei ineffizient; das Ziel müsse lauten, fertige Teile von der Produktion direkt in die Verteilung zu geben.
Einen Trend im Zusammenhang mit RFID sieht der Experte folglich in der Verringerung der Bestands- und Distributionskosten auf Herstellerseite, für den Handel unter anderem in einer höheren Effizienz der Produktverfolgung und Bestandsverwaltung. „Als Konsequenzen werden auf Dauer weniger Läger gebaut, was uns als Anbieter natürlich nicht freut“, gab Schönbeck zu. Da allerdings in der Folge mehr Handling im Lager nötig wird und die Kundenaufträge immer kleiner und zahlreicher werden, brauchen sich die Nürnberger wohl keine großen Sorgen zu machen. Denn diese Trends ziehen eine Robotorisierung der Pickvorgänge sowie automatische Sortiersysteme nach sich – und genau die führt Siemens Dematic auch im Programm.
Dr. Christoph Leßmöllmann, Director SCM Product Marketing der Walldorfer SAP AG, sagte, der Einsatz von RFID amortisiere sich heute nach etwa drei Jahren. Als Beispiel zog er die Metro AG heran, die mit dem Tagging von Kartons und Paletten, also der Ausstattung mit Transpondern, große Schritte in Richtung „intelligentes Regal“ gehe. Dabei steuere der Kunde durch seine Einkäufe die nachgeordnete Logistik viel direkter als heute.
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