„Neue Geschäftsmodelle rücken in den Fokus“
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Fachtagung „Industrie 4.0 und das Internet of Things“ zeigt Best Practises

„Mit Mut entsteht etwas Gutes!“

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Der produzierende Mittelstand ist bei Industrie 4.0 auf dem Weg. Die Praxis zeigt jedoch, dass es für den ersten Schritt keine Wissenslücke gibt, sondern Umsetzungslücken. Umso mehr braucht es den Mut, etwas zu versuchen, auch wenn es nicht gleich perfekt ist, raten der Pilz-Innovationsmanager Klaus Stark und der Bitkom-Experte Wolfgang Dorst zum Aufbruch.

Früher galten IT und Produktion als getrennte Welten. Wie nahe sind sich die beiden Welten heute gekommen?

Dorst: Sie sind sich viel nähergekommen. In der Plattform Industrie 4.0 haben sich erstmals die verschiedenen Verbände aus IT, Automatisierung und Maschinenbau in einem Raum zusammengesetzt und sich beispielsweise über Vokabeln verständigt, die sie jeweils unterschiedlich verwendet haben. Das ist in meinen Augen bereits eine Revolution gewesen.

Können Sie Beispiele nennen für solche Unterschiede, bei denen eine Annäherung notwendig ist?

Dorst: Nehmen Sie zum Beispiel den Begriff der Echtzeit: In der Automatisierung geht es um Millisekunden, in der IT können das auch Sekunden sein oder generell die Zeit, zu der ich etwas erwarte.

Stark: Neben dem Thema Echtzeit ist es auch der Umgang mit der Datenmenge, was die Automation und die IT unterscheidet. Mit Industrie 4.0 und der Vernetzung entstehen ungeheure Datenmengen. Steuerungen heute sind gar nicht dafür ausgelegt, mit diesen Datenmengen umgehen zu können. Andererseits reicht es nicht aus, allein auf leistungsstarke Serverfarmen zu setzen. Man benötigt auch intelligente, dezentral arbeitende Automatisierungssysteme. Heute bereits braucht die Fertigung die IT. Künftig jedoch werden beide Bereiche noch weiter verschmelzen. Das zeigt: Wir brauchen einander.

Aufgrund des Hypes und der damit einhergehenden Kommunikation ist es schwer zu fassen, wie „weit“ man bei I4.0 wirklich ist?

Dorst: Wir haben in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Die Welt der Produktion ist so vielfältig wie die der IT vielfältig ist. Wir sind noch nicht durchs Ziel. Das ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist: Wir sind auf dem Weg!

Stark: Richtig. Industrie 4.0 ist kein Projekt, sondern ein Denkansatz. Es werden noch viele Aufgaben auf uns zukommen.

Das klingt vage. Tun sich deswegen viele Unternehmen schwer mit der Umsetzung?

Stark: Jede Unternehmung muss ihren Weg individuell bedenken und gehen. Die gute Wirtschafts- und Auftragslage ist allerdings nicht förderlich, etwas in Bewegung zu setzen. Aber wir sehen, dass sich Unternehmungen umtun und informieren, erste Projekte starten, sich auf den Weg begeben.

Dorst: Nach unseren Untersuchungen sind es die von Unternehmen erwarteten hohen Investitionskosten für eine smarte Fabrik. Dabei geht es bei Industrie 4.0 nicht nur darum, Kosten zu sparen.

Sondern?

Dorst: Nun, bei der Digitalisierung gibt es zwei verschiedene Wege: Zum einen geht es darum, bestehende Geschäftsprozesse zu digitalisieren, um damit Kosten zu senken, Effizienz zu erhöhen, Produktivität zu steigern. Das machen wir ja bereits, das ist das normale Geschäft.

Der zweite Aspekt der Digitalisierung der Wirtschaft betrifft Geschäftsmodelle: Neue Produkte, die als Leistungsbündel mit Dienstleistungen entwickelt und verkauft werden. Damit können der Umsatz gesteigert oder Marktanteile gewonnen werden. Das ist es, was der Bitkom von Beginn an unter Industrie 4.0 verstanden hat.

Stark: Dieser zweite Aspekt kommt jetzt verstärkt. Das kann ich mit Blick auf uns bei Pilz bestätigen. Neue Geschäftsmodelle rücken in den Fokus. So ist etwa die IT, die klassisch Infrastrukturen aufbaut sowie Soft- und Hardware bereitstellt, jetzt unmittelbar und verantwortlich in unsere Projekte und in die Produktentwicklung eingebunden.

Wie gelingt es, das im Unternehmen zu verankern?

Stark: Das ist eine Frage der Unternehmenskultur. Ich muss Raum geben, um so etwas in Gang zu bringen. Technologie kann man lernen oder kaufen, Motivation eben nicht, die muss vorhanden sein. Es ist ein Change Prozess, der alle abholen muss. Ich muss den Menschen begeistern!

Dorst: Genau. Und Studien des Bitkom zeigen, dass die Akzeptanz bei den Menschen da ist. Das ist ein ermutigendes Ergebnis.

Nochmals zurück zu den Geschäftsmodellen: Was bedeutet Digitalisierung konkret?

Stark: Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Wenn Maschinen künftig Ersatzteile selbst bestellen, dann geht das komplett am Vertrieb vorbei. Und wenn solche Prozesse künftig automatisiert ablaufen, dann muss ich andere Wege finden, um mit dem Kunden in persönlichem Kontakt zu bleiben und um Themen anstoßen zu können.

Dorst: Digitale Plattformen schieben sich mit ihren datenbasierten Mehrwertdienstleistungen zwischen Hersteller und Kunde, brechen damit die eingespielten Beziehungen zwischen ihnen auf. Das kann eine ernsthafte Herausforderung für etablierte Unternehmen sein. Das Ziel muss es sein, mit dem Kunden in Verbindung zu bleiben, wenn er das Produkt im Einsatz hat. Das ist neu für Produzenten, weil sie das bislang nicht gemacht haben, nicht machen mussten.

Wie kann ein erster Schritt in diese Richtung aussehen?

Dorst: Es fängt in den Köpfen an. Diesen ersten Schritt kann man den Unternehmen nicht abnehmen, aber man kann unterstützen. Das tun wir bei Bitkom mit unseren Publikationen, mit Exkursionen im Rahmen der Arbeitskreise oder auch Beteiligungen wie an der Fachtagung „Industrie 4.0 und das IoT“ (siehe Kasten). Der Unternehmer muss etwas probieren, auch wenn der Return on Invest (ROI) noch nicht auf den Cent durchgerechnet ist. Oder in einer Nische, die dann als Beispiel für größere Vorgaben hilft. Patentrezepte gibt es nicht. Man muss etwas wagen.

Lassen sie uns einen Blick in die Fabrikhallen werfen. Was passiert dort mit Blick auf Industrie 4.0?

Stark: Heute herrscht in der Produktion sozusagen Planwirtschaft. Von oben wird strikt vorgegeben was produziert wird. Künftig kann das Objekt selber sagen, welche Bearbeitungsschritte es braucht. Es sind dann selbstorganisierende Systeme möglich, entsprechend den Bedürfnissen und Möglichkeiten. Dass sich Maschinenteile und Prozesse finden, das ist eine der großen Ideen der Industrie 4.0.

Welche Rolle für die Umsetzung spielen Plattformen wie Smart Factory KL?

Stark: Eine große. Denn dort lässt sich vieles prototypenhaft bedenken und testen. Dort sind auch sehr viele IT-Firmen aktiv. Und auch das ist gut. Man setzt sich inhaltlich und pragmatisch auseinander. In den Gruppen findet ein toller Austausch statt, der hilft, über den Tellerrand hinauszuschauen. Vieles, was wir dort probieren, stellt aktuelle Standards und Vorgehensweisen in Frage.

Zum Abschluss: Herr Stark, Herr Dorst: Ihr Rat an den produzierenden Mittelstand in Deutschland?

Dorst: Man könnte sagen: Das Angebot sich zu informieren oder zu beteiligen ist riesig. Eigentlich gibt es für den ersten Schritt keine Wissenslücken, sondern Umsetzungslücken. Was Industrie 4.0 für das eigene Unternehmen bedeutet, und zu entscheiden, was gut ist, das ist und bleibt Aufgabe des Unternehmens. Fakt ist auch: Industrie 4.0 kann keiner alleine: Kein großer Konzern, kein Mittelständler, kein Anwender oder Anbieter. Es geht nur gemeinsam. Darum ist es vorteilhaft frühzeitig Kooperationspartnerschaften mit der Digitalbranche zu bilden.

Stark: In Deutschland haben wir einerseits unsere Ingenieurskunst und unseren mittelständischen Unternehmergeist. Das sind unsere Tugenden. Wenn wir nun noch den Mut haben, etwas zu versuchen, auch wenn es nicht gleich perfekt ist, dann entsteht etwas Gutes.


Mutige Digitalisierer – Wir zeigen Best Practices

So lautet das Motto der Fachtagung „Industrie 4.0 und das Internet of Things“ am 21. und 22. November 2017 an der Technischen Akademie Esslingen e.V. (TAE) in Ostfildern.

Zu erleben sind bedeutende Industrieunternehmen wie Balluff, Bosch, Festo, KUKA, Pilz, Rohde &Schwarz, Schnaithmann, SICK, Siemens, Trumpf und viele weitere aus Maschinenbau, Produktion und IT. Dazu Forschungsinstitute, Hochschulen und Wirtschaftsverbände. Sie alle haben das eine Ziel: Erfolg versprechende Wege für die Umsetzung der Digitalisierung aufzuzeigen und damit die Teilnehmer zu inspirieren und zu ermutigen.

Das ausführliche Programm mit Details zu Referenten, zu Vorträgen und zum Rahmenprogramm ist jederzeit aktuell abrufbar unter www.tae.de/go/iot.

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