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Mit Sicherheit auf dem richtigen Weg

Unternehmensführung: Gesunde Mitarbeiter stärken Wettbewerbsfähigkeit
Mit Sicherheit auf dem richtigen Weg

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Arbeitsunfälle und krankheitsbedingte Fehlzeiten führen zu Produktionsausfällen und kosten richtig Geld. Dennoch unterschätzen viele Unternehmen die Unfallrisiken am Arbeitsplatz und setzen damit ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel. Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz müssen von Anfang an in die Prozesse eingeplant werden.

Als der Industriedienstleister Dekra im Frühjahr sein Sicherheitsbarometer vorstellte, ließen die Ergebnisse aufhorchen: Acht von zehn Unternehmen in Deutschland unterschätzen die Unfallrisiken in ihren Betrieben, so die Kernaussage der repräsentativen Umfrage. „Es ist doch sehr überraschend, dass die wichtige Rolle von Unfallverhütung und Arbeitssicherheit als Erfolgsfaktoren in den Unternehmen so unterbewertet wird“, bilanziert Mark Thomä, Leiter des Geschäftsbereichs Dekra Norisko Industrial.

Thomä hält es für besonders bedenklich, dass der Arbeitsschutz in vielen Firmen grob vernachlässigt wird: „Das geht so weit, dass jedes dritte Unternehmen keine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt hat und somit gegen die geltenden Vorschriften verstößt.“ Und: 40 % der Befragten gaben an, dass sie sich nicht systematisch um die Vermeidung von Arbeitsunfällen und Ausfallzeiten kümmern.
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland knapp 950 000 meldepflichtige Unfälle gezählt. Das sind 1,8 % mehr als 2005. „Einer der Gründe dafür ist der wirtschaftliche Aufschwung“, erklärt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Mehr Menschen hatten im vergangenen Jahr eine Arbeit, und sie haben durchschnittlich auch länger gearbeitet.“ Aufgrund des Beschäftigungszuwachses nahm das Unfallrisiko deshalb ab – auf 26,9 meldepflichtige Unfälle je 1000 Vollarbeiter. Vielleicht sind es auch solche Zahlen, die die Sicherheitsverantwortlichen in den Unternehmen zu einer gewissen Sorglosigkeit verleiten.
Allzu häufig begreifen Unternehmen den Arbeitsschutz noch als reinen Kostenfaktor. „Es wird aber gerade dann teuer, wenn Themen wie Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz nicht von Anfang an in alle Prozesse eingeplant werden“, sagt Eichendorf. So ist es wesentlich teurer, neue Mitarbeiter anzulernen, als die bestehende Belegschaft fit zu halten. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass jeder in den Arbeitsschutz investierte Dollar eine zusätzliche Rendite zwischen zwei und acht Dollar bringt. „Die Qualität der Produkte ist am höchsten, wo die Qualität der Arbeitsplätze hoch ist“, fasst Albracht die globale Erfahrung der ILO zusammen.
Sichere, gesunde und zugleich wettbewerbsfähige Arbeitsplätze sind die Vision der von Sozialpartnern, Sozialversicherungsträgern, Länder, Bund und Unternehmen gegründeten Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) in Dortmund. Auf der Homepage der Organisation finden Unternehmer Rat und Unterstützung.
Eines davon ist die Keulahütte GmbH, eine der ältesten Gießereien Deutschlands mit Sitz in Krauschwitz in der Oberlausitz. Mit seinen rund 200 Beschäftigten ist das 1440 gegründete Unternehmen heute ein moderner Guss- und Armaturenhersteller – auch deshalb, weil die Keulahütte in die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter investiert. Kern der Untersuchung war die Abteilung Gussputzen. „Wir haben festgestellt, dass in diesem Bereich der Krankenstand kontinuierlich angestiegen ist, zudem wurden die Ausfallzeiten immer länger“, erzählt Mario Mackowiak, Geschäftsführer der Gießerei. Auch die Qualität der Arbeit ließ zunehmend zu wünschen übrig – offensichtlich arbeiteten die Gussputzer unter Bedingungen, die ihre Gesundheit nachhaltig beeinträchtigten.
Gemeinsam mit externen Beratern wurde ein Arbeitskreis gebildet, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Ergebnis: Die Arbeitsplätze der Gussputzer waren aus ergonomischer Sicht nicht optimal gestaltet. So mussten sich die Arbeiter bei bestimmten Tätigkeiten zu stark nach vorn beugen. Die Arbeitshöhen bei Schleifarbeiten auf dem Tisch und am Schleifblock ließen sich nicht an die Körpergröße der Mitarbeiter anpassen, und auch die Umgebungsbedingungen waren verbesserungswürdig. Um die Belastungen im einzelnen zu ermitteln, wurden unter anderem die Gussputzer selbst befragt sowie Foto- und Videoanalysen der Handlungsabläufe erstellt.
„Wichtig ist, einen gemeinsamen Weg zu finden“, betont Firmenchef Mackowiak. Um die organisatorischen Veränderungen, die sich aus der Analyse ergeben hatten, umzusetzen, haben sich Geschäftsleitung und Arbeitskreis abgestimmt und einen Arbeitsplan erstellt, in dem Termine und Verantwortlichkeiten festgelegt waren. Die Maßnahmen beinhalteten unter anderem
  • den Einsatz von Hub-/Kipptischen,
  • den Einsatz von Gitterboxen mit besserem Zugriff,
  • Erneuerung der Beleuchtungsanlage,
  • Jobrotation.
„Nach der Einarbeitungsphase konnten wir die physiologischen Faktoren nachmessen und so einschätzen, inwieweit sich die Belastungen verändert haben“, berichtet Mackowiak. Mit Erfolg: Die belastenden Rumpfbeugehaltungen mit Neigungen von mehr als 20° waren nun nahezu vollständig ausgeschlossen, und schwere Lasten wurden jetzt deutlich seltener bewegt.
Der Geschäftsführer ist mit dem Ergebnis zufrieden. Nach etwa einem Jahr wird sich der Arbeitskreis wieder treffen und analysieren, ob der Krankenstand tatsächlich gesunken ist, ob sich die Qualität der Arbeit verbessert hat und ob die Mitarbeiter motivierter sind.
Das Beispiel der Keulahütte zeigt, wie man Probleme des Arbeits- und Gesundheitsschutzes angehen kann. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen ist das keine Selbstverständlichkeit, obwohl die Kosten für Arbeitsunfälle nachweislich hoch sind: Laut Bericht der Bundesregierung schlagen sie mit rund 500 Euro pro Mitarbeiter und Tag zu Buche. Ganz klar: Wer Risiken unterschätzt, zahlt häufig drauf.
Wer Risiken unterschätzt, zahlt häufig drauf
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