Startseite » Allgemein »

Nachbestellungen gehen jetzt vom Behälter aus

Dresselhaus optimiert C-Teile-Management durch Kanbansystem
Nachbestellungen gehen jetzt vom Behälter aus

Anzeige
Mit einem C-Teile-Managementsystem will Schraubenhersteller Dresselhaus Marktanteile sichern. Das System ist für andere Lieferanten offen. Kunden haben nur noch einen Ansprechpartner und bekommen nur eine Rechnung.

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Preuß – thomas.preuss@konradin.de

C-Teile. Schrauben. Muttern. Schellen. Drähte. Dichtungen. Diese kleinen Teile, die auf der A-B-C-Skala das Schlusslicht bilden. In der Schule würden sie sitzen bleiben. Und in Unternehmen werden sie nur widerwillig zur Kenntnis genommen. Mit ihnen will keiner, aber ohne sie geht’s auch nicht.
Was C-Teile so unangenehm macht, ist der logistische Aufwand. In den meisten Betrieben stehen hunderte, wenn nicht tausende von Sichtboxen, in denen die Kleinteile bereitgestellt werden. Im Lager, an Fertigungsinseln, an den Montagestationen. Die Personalkosten, die mit dem Bestellen von C-Teilen und ihrer Bereitstellung am Einsatzort verbunden sind, übersteigen in den meisten Fällen ihren Materialwert um ein Vielfaches.
Der Schraubenhändler Joseph Dresselhaus Befestigungstechnik GmbH & Co. KG macht aus der Not eine Tugend: Unter dem Namen Dresselhaus-Direkt bieten die Herforder der Industrie ein C-Teile-Management an, das offen ist für die Kooperation mit Zulieferern anderer Produkte. Zu Grunde liegt eine Kanbanlogistik. Im Umlauf sind immer nur zwei Behälter je Artikel: ein voller, aus dem heraus montiert oder gefertigt wird, und ein leerer, der zurück zum Lieferanten geschickt wird. Der Lieferant kann das firmeneigene Lager sein oder ein fremdes Unternehmen.
In diesem Falle ist es Dresselhaus. Zum ausgemachten Zeitpunkt holt der Dienstleister beim Kunden alle leeren Behälter ab, befüllt sie und bringt sie beim nächsten Mal wieder mit. Jede Box hat eine eindeutige Kennung, die auf das Produkt und das jeweilige Unternehmen verweist. Bestellscheine sind überflüssig: Der Behälter stößt die Bestellung an. Ein Mitarbeiter von Dresselhaus scannt die Nummer und speist die Daten in das EDV-System ein. Zu jeder Zeit und von jedem Ort können Dresselhaus und seine Kunden übers Internet den Status der Bestellung oder den Bestand erfahren.
Wenn das alles wäre, wäre es nichts Besonderes. Doch „das System lebt“, sagt Dresselhaus-Geschäftsführer Hans Werner Patzke. „Unsere Kunden können klein beginnen und mit der Zeit mehr Produkte hinzunehmen.“ Der Clou ist, dass Dresselhaus nicht nur die eigenen Artikel liefert, sondern beliebige Fremdprodukte: Kunststoffteile, Schlauchschellen, Elektronik-Komponenten. Dazu holen sich die Ostwestfalen die jeweiligen Hersteller ins Boot. Diese liefern ihre Teile nicht mehr direkt an ihre Kunden, sondern stellen die Chargen an den Toren in Herford bereit.
Fast 20 Laderampen erlauben Dresselhaus hohe Flexibilität. Damit nichts durcheinander gerät, bekommt jeder Lieferant seine eigene Farbe. Dresselhaus-Produkte werden in grünen Boxen ausgeliefert, die C-Teile eines Kooperationspartners in blauen, die eines zweiten in gelben. Die „Fehlfarben“ werden gar nicht erst eingelagert, sondern bleiben im Blocklager kurz hinter der Rampe. „Wir verdichten dann die bunten Boxen zu den Lieferungen für die Kunden X, Y oder Z“, erklärt Manager Patzke.
In der logistischen Versorgungskette, neudeutsch Supply Chain, profitieren alle: Der Endkunde hat nur noch einen Ansprechpartner, muss sich also nicht mehr mit drei oder acht C-Teile-Lieferanten herumschlagen, nicht mehr drei oder acht Bestellscheine ausfüllen und nicht mehr drei oder acht Lkw an der Rampe koordinieren. Und er erhält nur noch einen Lieferschein und eine Rechnung von einem Lieferanten. Darauf stehen alle Produktspezifikationen und Mengen aller Partner des Systems. Für den Kunden ist das kostenneutral, verspricht Patzke: „Wer früher zum Beispiel Elektroteile von Fröschle bekam, bekommt sie nun eben von uns. Zum selben Preis.“
Den Zulieferern geht es ähnlich: Statt dass sie an 20 oder 100 Kunden am Tag ihre Schellen, Dichtungen oder Schmiernippel liefern, wickeln sie einen Großteil über Herford ab. Was sie Dresselhaus an Marge überlassen, holen sie durch eingesparte Transporte wieder herein.
Und dann ist da noch Dresselhaus selbst: Durch die Koordination sichert man sich die gute Stellung am Markt. Hans Werner Patzke legt die Latte hoch: „Unser Ziel ist, in naher Zukunft die Hälfte unseres Umsatzes im Industriegeschäft über das C-Teile-Management zu erzielen.“
Einer, der sich seit einiger Zeit über Dresselhaus versorgt, ist Berndt Schultejann, Leiter Einkauf des Melkmaschinenherstellers Westfalia Landtechnik GmbH in Herdecke. „Weil die Ware weniger wert ist als der Prozess“, sagt Schultejann, „haben wir uns nach einem alternativen Versorgungssystem umgesehen.“ Überzeugt hat ihn, dass „die Versorgung behältergesteuert abläuft und Dresselhaus bereit war, Sonderlösungen umzusetzen“. Während Westfalia für die meisten C-Teile früher Halbjahres- oder Jahresbedarfe bestellt und eingelagert hat, wird die Ware heute zeitoptimiert in Wochenbedarfen bereitgestellt. „Das senkt unsere Bestände. Den freien Raum nutzen wir nun zur Expansion“, freut sich Schultejann. Weil alles EDV-technisch abgelegt ist, kann dieselbe Ware auf verschiedene Regale gesteuert werden oder direkt zu den Fertigungsstellen, ohne sie durch den Wareneingang zu schicken.
Und weil das Material so angeliefert wird, wie es die einzelnen Verbraucher benötigen – direkt lose in Schüttbehältern – spart Westfalia Zeit beim Kommissionieren. „Niemand braucht jetzt noch die Kleinverpackungen aufzumachen, um seine Box zu füllen“, sagt Logistiker Schultejann.
Anzeige
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 25
Ausgabe
25.2020
LESEN
ABO
Video aktuell

Greiferintegration leicht gemacht: Die Zimmer Group zeigt, wie es geht.

Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Tipps der Redaktion

Unsere Technik-Empfehlungen für Sie

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Aktuelle Whitepaper aus der Industrie

Unsere Partner

Starke Zeitschrift – starke Partner

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de