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Ringen um die billigste Luft in Halle 27

Druckluft- und Vakuumtechnik: Forum präsentiert Praxislösungen
Ringen um die billigste Luft in Halle 27

Die Kompressoren-Hersteller rangeln schon immer darum, wer die Druckluft am billigsten erzeugen kann. Die Aktion „Druckluft effizient“ hat diesen Wettkampf noch verschärft – und damit dem Betreiber einen großen Gefallen getan, wie sich auf der Messe zeigen wird.

Von unserem Redaktionsmitglied Olaf Stauß olaf.stauss@konradin.de

Der Ausstellungsbereich Druckluft- und Vakuumtechnik der Hannover Messe präsentiert sich mit einem völlig neuen Gesicht. Das hat zweierlei Gründe. Zum einen organisatorische: Erstmals findet die Fachmesse „Surface Technology“ parallel zur ComVac statt und wertet damit die Vakuumtechnik auf. Für Synergien sorgt auch die Fachmesse „Industrial Services & Equipment“. Sie zieht in diesem Jahr zusammen mit der ComVac in die Halle 27 ein. Und nicht zuletzt schafft der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit dem „ComVac Application Center“ ein Forum, auf dem sich die Besucher über die neuesten Technologien anhand von konkreten Industrieanwendungen informieren können.
Viel einschneidender als die neue Messestruktur ist aber, wie sich die Druckluft-Branche selbst in den letzten Jahren verändert hat: Initiiert vom VDMA, dem Fraunhofer ISI und der Deutschen Energieagentur, sorgte die Aktion „Druckluft effizient“ von 2001 bis 2004 für einen Bewusstseinswandel (siehe Interview Seite 70). Sie deckte Einsparpotenziale von durchschnittlich 30 % pro Druckluftstation auf. Gleichzeitig stellte sie Zusammenhänge klar, an denen heute kein Anbieter mehr vorbeigehen kann und die kein Betreiber ignorieren sollte. In zwei Punkten lassen sie sich zusammenfassen:
Erstens: Es geht um viel Geld beim Auslegen oder Erweitern einer Druckluftanlage. Den größten Posten machen mit rund 70 % jedoch die Energiekosten aus, während die Anschaffungskosten „nur“ mit 15 bis 20 % zu Buche schlagen. Oberstes Gebot ist also, die Anlage effizient auszulegen.
Zweitens ist nicht der einzelne Kompressor für die tatsächlichen Druckluftkosten ausschlaggebend. Vielmehr kommt es auf das Gesamtsystem an, mit allen seinen Komponenten bis hin zum Druckstutzen am kleinsten Verbraucher. Was nützt der sparsamste Kompressor, wenn die Energie durch zu eng dimensionierte Rohrleitungen oder hohe Leckageraten verloren geht? Der Betreiber ist daher gut beraten, vor dem Erweitern oder Neuauslegen seiner Druckluftanlage detaillierte Messungen vorzunehmen. Spezialisten können diese Aufgabe für ihn in wenigen Tagen erledigen.
Der „Com“-Sektor in Halle 27 ist geprägt von den Impulsen, die „Druckluft effizient“ gegeben hat: Die Hersteller mühen sich, ihre Produkte effizienter zu gestalten und ihr Angebot auf eine breitere Grundlage zu stellen. „Wir spinnen die Fäden von Druckluft effizient weiter“, sagt Erwin Ruppelt, leitender Projektingenieur der Kaeser Kompressoren GmbH (Stände A31/C26). Die Coburger hatten rund die Hälfte der Messungen der Aktion übernommen. In Hannover planen sie ein „Technologieforum“ im Zentrum ihrer Präsentation, in dem sie die neuesten Analyse- und Druckluftmanagement-Methoden einschließlich Ferndiagnose demonstrieren. Drumherum sollen sich Komponenten und Messeneuheiten gruppieren. „Fest steht, dass nur ein ganzheitliches Druckluftkonzept zu höchstmöglicher Wirtschaftlichkeit führt“, betont Ruppelt. „Ausgehend vom Verbrauch und den Anforderungen des Betreibers muss es alle Systemelemente einbeziehen.“ Als Beleg für den Erfolg dieses Ansatzes nennt er zwei Projektbeispiele, in denen sich Maschinenbauer auf das Optimieren ihres Druckluftsystems mit Kaeser eingelassen haben. So spare der Elektrowerkzeughersteller Hilti in seinem Kauferinger Werk jährlich über 42 000 Euro gegenüber früher ein, der Automobilzulieferer ISE sogar 150 000 Euro.
Die Gasex Industrie Technik Service Nord KG, Bremen, beschäftigt sich als Dienstleister schon lange mit Druckluftoptimierung (Stand C58). Sie stellt ihr Leckagemessgerät Leakagemeter jetzt auch als stationäres Gerät vor, das sich beim Betreiber fest installieren lässt – auch dies ist ein Zeichen für den Bewusstseinswandel in der Drucklufterzeugung.
Die Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH, Essen, hat sich an Druckluft effizient ebenfalls beteiligt (Stand B40). „Die Kampagne hat den Systemgedanken nach vorne gebracht“, resümiert Reimund Scherff, Marketing Manager Ölfreie Druckluft. Zugleich sieht er bestätigt, dass sein Unternehmen als Vorreiter für drehzahlgeregelte Kompressoren auf das richtige Pferd gesetzt habe. „Die Aktion hat gezeigt, dass 88 Prozent der im Volllast-Leerlauf-Betrieb arbeitenden Maschinen nur zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet sind. Hier, im geregelten Bereich, sind unsere drehzahlgeregelten Maschinen optimal.“ Als Konsequenz aus der Kampagne startet Atlas Copco mit einem Dienstleistungsangebot „Air Scan“, bei dem Fachleute das Druckluftsystem des Betriebes inspizieren – inklusive Messungen und Beratung.
Sobald mehrere Verdichter im Einsatz sind, braucht es eine Steuerung, die die Lasten sinnvoll verteilt. Weil es auch hier ums Energiesparen geht, sind sie in Halle 27 ein großes Thema . Die Alup Kompressoren GmbH in Köngen (Stand C25) kündigt eine Verbundsteuerung an, die sich von anderen in einem Punkt prinzipiell unterscheidet: Die Multi Control 3 ermöglicht es, zusätzlich bis zu vier Drucksensoren direkt vor sensiblen Verbrauchern zu installieren. Rainer Haja, zuständig für Product Marketing, erklärt die Vorteile an einem Beispiel: „Sinkt der Druck an diesen heiklen Verbrauchern um 0,2 bar unter den Sollwert, lässt die Steuerung sofort alle Kompressoren 0,2 bar mehr Druck erzeugen. Das ist die Option Sicherheit.“ In der Option „Geld sparen“ dagegen fährt die Steuerung die Verdichter herunter, wenn die Druckverluste geringer werden – etwa weil der Servicemann die Filterpatronen erneuert hat. „Das Besondere daran ist, dass wir von hinten her steuern, vom Verbraucher her“, sagt Haja. „Das ist keine neue Technik, sondern eine in Software umgesetzte Idee, die wir zum Patent angemeldet haben.“
Auch die Boge Kompressoren GmbH & Co. KG, Bielefeld, (Stand B09) wartet mit Steuerungen auf – darunter die Maschinensteuerungen Basic, Ratio und Prime für drei verschiedene „Komfortebenen“ sowie die Verbundsteuerungen Trinity und Airtelligence. Letztere kontrolliert bis zu 16 Kompressoren und schickt Meldungen wahlweise aufs Display, das Telefon, Handy oder den PC. Marketing-Gag in Hannover: „Testen Sie Ihren aQ (airtelligence Quotient)“.
Nach wie vor ist die ComVac die Leistungsschau der Branche. Unter den Neuheiten sind viele Kompressoren, bei denen der Effizienzgedanke im Vordergrund steht. Die Aerzener Maschinenfabrik GmbH stellt die Baureihe Delta Twin aus ölfrei verdichtende, zweistufige Schraubenkompressoren mit Antriebsleistungen von 75 bis 200 kW vor (Stand C16). Durch konstruktive Änderungen sei es gelungen, den Wirkungsgrad um bis zu 7 % im Vergleich zu Wettbewerbsmaschinen zu steigern, sagen die Aerzener. Für die 75- und 90-kW-Modelle stünden auch integrierte Frequenzumrichter im Leistungsschrank bereit.
Die Ingersoll-Rand GmbH, Mülheim/Ruhr bietet ihre drehzahlgeregelten Schraubenkompressoren mit effizientem Hybrid-Permanentmagnet-Motor jetzt auch als ölfrei verdichtende Maschinen an (Stand B47). Die Leistungen liegen zwischen 55 und 160 kW. Zusätzlich gibt es drehzahlgeregelte Kompressoren Unigy mit Kältetrockner für den unteren Leistungsbereich zwischen 5,5 und 11 kW.
Auch Kaeser, Alup, Boge und Gardner Denver warten mit neuen Kompressoren auf. Atlas Copco möchte vor der Messe keine Neuheit preisgeben. Reimund Scherff kann es sich aber nicht verkneifen, wenigstens eine anzukündigen: In Hannover soll der erste mobile ölfreie Verdichter mit Elektroantrieb zu bestaunen sein.
Messungen sind das A und O beim Erneuern von Anlagen

Application Center
Trends aus der Druckluft- und Vakuum-Branche stellen Experten in Halle 27 anhand konkreter Industrieanwendungen vor. „Im ComVac Application Center demonstrieren Profis für Profis praxisnah, wie neue Technologien eingesetzt werden“, verspricht Veranstalter VDMA. Neben der Sonderschau gibt es ein Vortragsforum. Das Programm lässt sich downloaden: http://files.messe.de/cmsdb/001/1283.pdf
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