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„Schneller am Markt sein“

Unternehmer Hans-Dieter Baumtrog über die Lage der Montage- und Handhabungstechnik:
„Schneller am Markt sein“

Die Montage- und Handhabungstechnik wächst derzeit rasant. Hans-Dieter Baumtrog, Vorsitzender der entsprechenden Fachabteilung im VDMA-Fachverband Robotik + Automation und Geschäftsführer von Sortimat in Winnenden, kennt die Herausforderungen für die Betriebe.

Die Montage und Handhabungstechnik steuert wie der gesamte Maschinenbau auf das sechste Wachstumsjahr in Folge zu. Wie lange geht das so weiter?

Das Wachstum wird sicherlich 2008 noch anhalten. Was dann kommt, muss man abwarten. Im Moment ist die Auslastung hervorragend, ja fast zu gut: Es fehlen bekanntermaßen Fachkräfte. Man darf aber darüber nicht vergessen, dass es die vergangenen Jahre nicht in allen Bereichen der Montage- und Handhabungstechnik rund lief. Die Hersteller von Komponenten und Teilsystemen hatten zwar immer ein gutes Wachstum, die Hersteller von Systemen aber lagen die letzten drei Jahre im Minus.
Wo liegt der Grund dafür?
Hersteller von kompletten Montageanlagen sind von bestimmten Branchen abhängig, viele also von der Automobil- und Automobilzulieferindustrie – und dort wurde wenig investiert. Die Komponenten- und Teilsysteme hingegen sind nicht nur in den Montagesystemen enthalten. Deshalb sind diese Hersteller breiter aufgestellt.
Wie gut stehen die deutschen Hersteller international da?
In der Montage- und Handhabungstechnik werden rund 50 Prozent exportiert. International gehören die Deutschen sicher zu den Top-Playern. An der Spitze liegt Europa als Ausfuhrmarkt, gleich gefolgt von den USA. Über Asien wird viel gesprochen, aber die Ausfuhren sind noch begrenzt.
Wie stark macht Ihnen die asiatische Konkurrenz zu schaffen?
Die Konkurrenz ist vor Ort sehr stark. Einfachere Produkte bauen die Unternehmen mittlerweile in guter Qualität nach. Wenn es technologisch in gehobene Klassen geht, hält sich sowohl bei Anlagenherstellern als auch bei Komponentenherstellern die Konkurrenz noch in Grenzen.
Welche Rolle spielen Plagiate?
Illegale Kopien sind natürlich eine Gefahr, da war ich schon mit meinem eigenen Unternehmen betroffen. Dinge, die wir über Jahre entwickelt haben, wurden einfach nachgebaut, was uns viel Geld gekostet hat. Wir sind in China sehr vorsichtig. Nicht zuletzt deshalb betrachte ich für unser Unternehmen Indien als den besseren Markt, zumal wir dort schon seit Jahren über eine Niederlassung verfügen.
Wo liegen die Herausforderungen für die deutschen Hersteller?
Wir müssen, um unsere Position auszubauen, sehr viel in Aus- und Weiterbildung investieren. Wir erhalten am Markt und von den Schulen nicht das qualifizierte Personal, um noch in der ersten Liga mitspielen zu können. Das Projektmanagement und die schnellere Produktentwicklung werden ebenfalls wichtiger, um den Wettbewerbern voraus zu sein.
Wohin geht da die Reise?
Alle Firmen sind gezwungen, moderne Planwerkzeuge einzusetzen. Ziel ist, schon in der Produktentstehung die Prozesse simulieren, um schneller am Markt zu sein. Außerdem müssen wir durch Wissensdatenbanken und PLM-Systeme das Know-how allen Mitarbeitern zugänglich machen, um zu verhindern, dass das Rad zweimal erfunden wird. Die Branche hat schon in den vergangenen fünf, sechs Jahren die Produktentstehungszeiten um 30 bis 40 Prozent verkürzt. Dieser Trend wird sich fortsetzen.
Welche technologischen Entwicklungen erwarten Sie?
Es wird viel über das Thema Mikro-Montage gesprochen, wobei dieser Markt noch relativ klein ist. Die Hybrid-Montage ist ein wichtiger Trend: Wollte man vor Jahren noch am liebsten alles automatisieren, geht die Entwicklung zur angepassten Automatisierung, abhängig vom Prozess und von den Stückzahlen.
In welchen neuen Märkten kann die Branche wachsen?
Der Markt der Photovoltaik wird weiter zulegen, vor allem in den Schwellenländern. Hierzulande wächst die Medizin- und Pharmabranche, die Bevölkerung wird immer älter. Es werden mehr anwenderfreundliche Methoden zur Medikamentenverabreichung und Diagnose entwickelt. In der Verpackungsbranche, vor allem im Lebensmittelbereich, gibt es ebenfalls viele neue Produkte, die montiert werden müssen.
Wie behaupten Sie sich als Mittelständler in diesem Umfeld?
Es zeigte sich in den letzten Jahren, wie wichtig es ist, dass man über eine gesunde Eigenkapitalquote verfügt. Dazu muss man die Mittel in der Firma belassen, um aus eigener Kraft zu wachsen. Ganz wichtig ist das technologische Know-how sowie ein funktionierendes Innovationsmanagement. Wir bei Sortimat zum Beispiel haben uns vor Jahren auf die Fahnen geschrieben, dass wir der Technologieführer sein wollen.
Die Wirtschaft brummt wie schon lange nicht mehr. Hat der Standort Deutschland seine Hausaufgaben erledigt?
Seit der Fußball-Weltmeisterschaft hat sich tatsächlich die Stimmung gewandelt. Wir können da viel von den US-Amerikanern lernen, was Optimismus angeht. Nur leider hat die Politik ihre Hausaufgaben nicht erledigt. Die Konjunktur läuft trotz der Politik gut, nicht wegen der Politik. Ich sehe nicht viele Veränderungen, die den Mittelstand positiv beeinflussen. Und die Steuerreform wird mal wieder fürchterlich bürokratisch und auch nicht mittelstandsfreundlich. Was da immer als Bürokratieabbau angepriesen wird, das sehe ich nicht.
Tilman Vögele-Ebering tilman.voegele@konradin.de

Marktchancen
Der größte Exportmarkt für die deutschen Hersteller von Montage- und Handhabungstechnik sind die Vereinigten Staaten. 31 % der Ausfuhren der Branche gehen in die USA, gefolgt von Italien (18 %) und Frankreich (13 %). Aber: China hat sich mit einem Ausfuhranteil von 11 % bereits auf den vierten Platz geschoben.
Industrieanzeiger
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