Münchner Kreis: Praxis und Forschung für intelligente Stadtentwicklung

Smart Cities: China und Deutschland lernen voneinander

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Chinas im beinharten Wettbewerb stehende Mega-Städte stemmen enorme Modernisierungsprojekte. Was China und Deutschland in puncto Smart Cities voneinander lernen können, verdeutlichte eine Konferenz des Münchner Kreises.

In Deutschland liegt die Herausforderung vor allem darin, die traditionell gewachsenen Städte in ressourcensparende und effiziente Smart Cities zu transformieren. In China hingegen zwingt vor allem das starke Bevölkerungswachstum der Ballungsräume die Stadtverwaltungen dazu, die Organisation und das Zusammenspiel der städtischen Systeme intelligent zu vernetzen, schließlich ziehen dort jährlich 15 Mio. Menschen in die Städte. „Was Deutschland und China eint, ist die Notwendigkeit, Planungs- und Steuerungssysteme zu entwickeln, die die vielen allein operierenden, vertikalen IT-Lösungen in den bevölkerungsreichen Regionen integrieren. Die Verringerung des CO2-Ausstoßes und eine hohe Lebensqualität sind dabei weltweit die wichtigsten Ziele“, sagte Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises, einer gemeinnützigen, übernationalen Vereinigung von Kommunikationsforschern.

Vor rund 140 Konferenzteilnehmern präsentierten Vertreter von IBM, Siemens, SAP und der Deutschen Telekom, wie breit das Feld für ein Engagement global agierender Unternehmen bei der Umsetzung von Smart-City-Projekten ist. Aus den komplexen Anforderungen intelligenter Städte ist längst ein lukrativer Markt für zukunftsweisende IKT erwachsen, auf dem gerade auch deutsche Unternehmen eine gewichtige Rolle spielen können. „Die Entscheidungsträger der Mega-Städte und Ballungsgebiete weltweit sehen sich äußerst komplexen Problemlagen gegenüber. Vertikale IT-Lösungen sind dabei einerseits eine Herausforderung, andererseits sind sie es, die den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in den Städten ebnen“, betonte Klaus Helmrich, Technikvorstand der Siemens AG.
Prof. Zhiqiang Wu von der Universität Tongji stellte Systematiken für die Bewertung des Entwicklungsstandes chinesischer Städte vor. Auf der Grundlage umfangreicher quantitativer und qualitativer Parameter entstand eine Evaluation der einzelnen Lebensbereiche in 50 ausgewählten Städten Chinas. Diese Übersicht dient in der Praxis den Entscheidungsträgern aus Politik, Stadtplanung und Industrie bei der Entwicklung von Smart-City-Programmen. Weltweit existieren allerdings unterschiedliche Systeme zur Zertifizierung der jeweiligen Entwicklungsstände intelligenter Städte. Universelle Kriterien und Ranglisten für intelligente Städte können hieraus noch kaum abgeleitet werden. Und die Debatte über Mittel und Zweck intelligenter Städte bringt verschiedene Strategien für die Integration von IKT in die urbanen Systeme hervor. „Berücksichtigt man, dass jedes Smart-City-Projekt vor dem Hintergrund seiner ganz eigenen Ausgangssituation geplant wird, so wundert es nicht, dass je nach Ansatz von Smart Cities, Intelligent Cities oder Eco Cities die Rede ist“, erklärte Prof. Michael Dowling von der Universität Regensburg und als Vorstandsmitglied des Münchner Kreis verantwortlicher Mitorganisator der Konferenz.
Auf der Konferenz wurde eine Reihe von chinesischen Smart-City-Projekten vorgestellt. So entsteht unweit von Peking mit der Tianjin Eco City eine Stadt für 350.000 Menschen, die als Vorbild für weitere Projekte dieser Art dienen soll. Der Strom wird in der weltweit größten Ökostadt bis 2020 allein aus Wind- und Solarkraft gewonnen und rund 90 % des Verkehrs wird nichtmotorisiert sein. Darüber hinaus sollen 60 % des Stadtwassers gereinigt und wiederverwendet werden. Inmitten der Tianjin Eco City wird ein Industriezentrum für umweltfreundliche Technologien entstehen, die hier und andernorts zum Einsatz kommen sollen. Auch der Bericht aus der nahe Shanghai gelegenen Stadt Ningbo zeigte, wie enorm die Modernisierungsanstrengungen der im harten Wettbewerb stehenden Großstädte Chinas sind.
Mit Blick auf das europäische Smart-City-Engagement betonte Dr. Colette Maloney, Leiterin der Abteilung „Intelligente Städte & Nachhaltigkeit“ der Europäischen Kommission, dass es keine standardisierten Modelle für intelligente Städte gibt und geben kann. „Jede Stadt ist anders und benötigt ihren eigenen Fokus, um die Elemente der Smart City in Einklang zu bringen.“ Die Europäische Kommission legt ihren Schwerpunkt dabei auf den effizienten Einsatz der Energieressourcen, auf CO2-Neutralität und auf Kosteneffizienz. So sieht die „Green Digital Charter“ der Europäischen Union eine 30%ige Reduktion des CO2-Ausstoßes von IKT in Städten bis 2020 vor. Das Statut wurde inzwischen von rund 40 Bürgermeistern europäischer Städte unterschrieben. Die Europäische Union strebt mit diesem Programm aber auch weitere internationale Partnerschaften an, so auch mit China. Bereits im Mai dieses Jahres wurde die China-EU Green Smart Cities Cooperation ins Leben gerufen, in der eine Expertengruppe jeweils 15 Pilotstädte ausgewählt hat, die im Rahmen der Partnerschaft zu intelligenten Städten werden sollen.
Dr. Matthias Flügge vom Berliner Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) zeigte, welch gute Position Deutschland auf dem Gebiet des E-Governments hat. Er gab andererseits zu bedenken, dass die Vernetzung städtischer IKT-Systeme auch einen höheren Grad wechselseitiger Abhängigkeit bedeutet. „Das heißt, dass Fehler und Ausfälle innerhalb eines Teilsystems zunehmend auch einen negativen Effekt für andere Teilsysteme oder sogar für das Gesamtsystem mit sich bringen können.“
Auch Prof. Bernhard Müller vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung wies darauf hin, dass Ziele und Mittel intelligenter Städte sich nicht immer vertragen: „Angesichts der drängenden Probleme der Mega-Metropolen müssen wir uns auch die Frage stellen, ob IKT allein die Lösung der komplexen urbanen Probleme liefern können. Und wir müssen verhindern, dass die Verbesserung der Lebensumstände durch neue Systeme des Städtemanagements weiteren unkontrollierten Zuzug auslöst. Schließlich birgt jedes Smart City Projekt immer auch das Risiko einer Ausweitung der digitalen Spaltung von Stadt und Land.“ dk
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