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Steuerung ist nach einer Minute ausgetauscht

Wechselsteuerung hält Schulungsmaschinen auf Stand der Technik
Steuerung ist nach einer Minute ausgetauscht

Bereits seit Anfang der 80er-Jahre bietet Emco Systeme für die CNC-Schulung an. Zum modular aufgebauten Programm gehören speziell für die Ausbildung konzipierte Maschinen mit austauschbarer Steuerung, Simulations- und Schulungsprogramme sowie diverse Dienstleistungen.

Von unserem Redaktionsmitglied Haider Willrett

Es sei ein gefährlicher Trugschluss, dass keine Facharbeiter mehr gebraucht würden, betont Leopold Zerz. „Der Erfolg eines Unternehmens hängt heute von erstklassigen Fachkräften ab. Sie müssen den ständig wachsenden und wechselnden Herausforderungen des industriellen Alltags gewachsen sein“, unterstreicht der Leiter des Geschäftsbereichs Industrial Training Systems bei der Emco Maier GesmbH mit Stammsitz im österreichischen Hallein.
Zwar werde sich in der Großserienfertigung der Trend fortsetzen, dass angelerntes Personal die Maschinen bedient, oder – treffender gesagt – startet, aber zum Einrichten dieser Anlagen sei hochqualifiziertes Fachpersonal erforderlich. Auch, wenn es zu einem Maschinenstillstand komme, sei ein gut ausgebildeter Mitarbeiter vielfach in der Lage, das Problem kurzfristig zu lösen und Fertigungsausfälle in Grenzen zu halten. Die Bedeutung qualifizierter Kräfte steige vor allem aber auch angesichts schrumpfender Losgrößen und stetig steigender Komplexität der Bauteile enorm. In besonderem Maße gelte das, wenn 5-achsig simultan gearbeitet werden müsse, etwa im Werkzeug- und Formenbau.
Bereits vor gut 25 Jahren kamen die Österreicher zur Überzeugung, dass ein umfassendes Ausbildungssystem unerlässlich ist. Seit den frühen 80er-Jahren gibt es einen eigenen Geschäftsbereich für diese Produkte und Dienstleistungen Alle Module sind aufeinander abgestimmt und sowohl für die schulische als auch die betriebliche und überbetriebliche Aus- und Weiterbildung von CNC-Fachkräften konzipiert.
Um die Ausbildungsmaschinen bei einem ökonomischen Einsatz von Investitionsmitteln stets auf aktuellem Stand halten zu können, sind die Steuerungen wechselbar. „Die eigentliche Steuerung ist auf einem PC nachgebildet. Das Bedienterminal entspricht der Originalsteuerung und lässt sich leicht austauschen“, erläutert Zerz. Dieses Prinzip ermöglicht es, auf derselben Maschine vormittags an einer Siemens-Steuerung zu trainieren und am Nachmittag an einer von GE Fanuc oder Heidenhain. „Der Wechsel ist einer Minute erledigt. Zwei Rändelschrauben öffnen, anderes Bedienfeld einsetzen, passende Software starten. Fertig.“
Der ursprüngliche Hintergedanke war laut Zerz, dass die Mechanik einer Ausbildungsmaschine auch nach zehn bis 15 Jahren noch gute Dienste verrichte, die Steuerung allerdings oft bereits nach kurzer Zeit veraltet ist. Er betont: „Eine effiziente Ausbildung muss auf dem System erfolgen, an dem die Leute anschließend arbeiten.“ Andernfalls müssten die Bediener an der Produktionsmaschine den aktuellen Stand erlernen. Das sei mit Fertigungsstillständen verbunden und heute nicht mehr tragbar. „Die Wechselsteuerung ermöglich es dem Anwender auch, in fünf oder zehn Jahren für wenig Geld ein System nachzurüsten, an das heute noch niemand denkt.“ Pro Steuerung beträgt das Investitionsvolumen derzeit zwischen 2000 und 2500 Euro. Zum Paket gehören die jeweilige Tastatur und die entsprechende Software.
Bei der Konzeption der Ausbildungsmaschinen haben die Österreicher von ihren Industriemaschinen alles Notwendige übernommen und – wo das keinen Einfluss auf die Schulungsqualität hat – durch sinnvolle Einschränkungen bei Leistung und Größe das Investitionsvolumen reduziert. „Die Ausbildung muss nicht auf einer großen Anlage erfolgen, aber auf einer, die technisch up to date ist“, sagt Zerz. Die Angebotspalette von Emco im Bereich Ausbildung reicht von der Tischmaschine für den Laboreinsatz bis hin zu Dreh- und Fräsmaschinen im oberen Leistungsbereich fürs produktive Zerspanen von Stahl. Sämtliche Modelle sind durch die beigestellten oder integrierten Industrie-PC netzwerkfähig. „Der Trend weist in Richtung produktiver Schulungsmaschine, auf der man Präzisionsteile für den Praxiseinsatz fertigen kann“, sagt der Ingenieur.
Das Schulungskonzept von Emco endet jedoch nicht bei der Hardware. Software, Courseware und Consulting Services sind weitere Module. Der Baustein Software teilt sich weiter auf in die Produkte
  • WinNC, der steuerungsspezifischen Software, die Funktionen und Bedienung der Originalsteuerung exakt nachbildet,
  • WinCTS, einer interaktiven NC-Programmierung, die zahlreiche Dialog- und Kontrollfunktionen zwischen Schüler und Lehrer beinhaltet,
  • Win3D-View, einer 3D-Simulation mit deren Hilfe sich Werkzeuge, Rohteil, Spannmittel und Bearbeitungsfolgen realitätsnah darstellen lassen sowie
  • CAMConcept, einem CAD/CAM-Programmiersystem, das die Funktionalität eines professionellen Systems mit den Vorteilen eines speziellen Ausbildungsprogramms verbinden soll.
„All diese Simulationsmöglichkeiten dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass nur etwa 30 bis 40 Prozent der Ausbildung in Trockenübungen erfolgen kann“, betont Zerz. Nichts könne das Gefühl ersetzen, an einer Maschine zu stehen, und beispielsweise ganz praktisch zu erfahren, was es bedeutet, wenn ein Werkzeug rattert, wie sich das aufs Werkstück auswirkt und wie man diesem unerwünschten Effekt begegnen kann. Die Courseware umfasst multimediale, interaktive Lehr- und Lernunterlagen, die das notwendige theoretische Fachwissen vermitteln, und im Bereich Consulting Services begleitet Emco die Kunden auf Wunsch durch den gesamten Projektablauf – von der Planung über den Aufbau bis hin zur Inbetriebnahme einer Ausbildungseinrichtung.
„Leider geht die Investitionsbereitschaft in Sachen Aus- und Weiterbildung in Österreich und Deutschland zurück“, beklagt Zerz. Einen Grund dafür sieht er in der Verlagerung von Fertigungskapazitäten in Billiglohnländer. Nur zu entwickeln, ohne grundlegendes Fertigungswissen zu haben, das funktioniere jedoch nicht.
Emco ist mit seinen Ausbildungssystemen weltweit aktiv. Insbesondere in Osteuropa, Asien und Nordafrika werde derzeit viel in die CNC-Ausbildung investiert. Die Betriebe in diesen Ländern erkennen zunehmend, dass sie qualifizierte Fachleute brauchen, um Aufträge aus den Industrienationen zu bekommen. „Unser Vorteil liegt derzeit noch in der Kontinuität. Qualifiziertes Personal arbeitet meist lange in einem Unternehmen oder zumindest einer Branche und kennt die Erfordernisse bis ins Detail. In Asien beispielsweise werden gut ausgebildete Kräfte häufig abgeworben und fachfremd eingesetzt.“ Neben der reinen Ausbildung verfolgen die Österreicher mit ihrem Angebot noch ein weiteres Ziel: „Das Arbeiten an Werkzeugmaschinen ist vielfach verbunden mit Gedanken an Öl, Schmutz und monotonen Abläufen. Wir wollen zeigen, dass das heute High-Tech-Arbeitsplätze sind. Die künftigen Facharbeiter sind eher Produktionsmanager als Maschinenbediener“, stellt Zerz klar.
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