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Viele flinke Hände für Wettbewerbsvorteile

Standort: Elektronikfertigung in Südchina
Viele flinke Hände für Wettbewerbsvorteile

Im Drei-Sekunden-Takt montieren die chinesischen Arbeiterinnen Fernsteuerungen für Funktelefone und Computerspiele (Bild: IPA)
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Nach der Rückgabe Hong Kongs an China hat sich der Wirtschaftsboom in den angrenzenden chinesischen Provinzen noch verstärkt. Niedriglöhne und das hochentwickelte, technologische Know-how aus Hong Kong bieten deutschen Unternehmen interessante Standortvorteile.

Dr.-Ing. Thomas Wagner ist Mitarbeiter am Fraunhofer Institut Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart

Bereits einige Jahre vor der Rück-gabe von Hong Kong an die Volksrepublik China setzte in der angrenzenden chinesischen Provinz Guangzhou, insbesondere im Gebiet Shenzhen, ein Wirtschaftsboom ein. Hochhäuser, Einkaufszentren, Banken und Industriebetriebe wurden gebaut, so daß sich mittlerweile das Gebiet Shenzhen nur noch wenig von Hong Kong unterscheidet. Unternehmer aus der ehemaligen Kronkolonie weiten ihre Aktivitäten im chinesischen Hinterland massiv aus, zahlreiche neue Fertigungsbetriebe entstanden, die von Hong Kong aus gemanagt werden.
Eine der wichtigsten Branchen ist die Elektronik-Fertigung: Spielzeuge, Tamagotchis, Taschenrechner, Funktelefone und Leiterplatten für Laserdrucker und Antriebssteuerungen enstehen in den neuen Fabriken. Für europäische Unternehmen, die elektronische Produkte in China fertigen lassen wollen, empfiehlt sich zunächst ein Besuch des Hong Kong Productivity Council in Kowloon. Diese Institution erledigt für die chinesischen Unternehmen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten und vermittelt ausländischen Interessenten Ansprechpartner bei chinesischen Firmen. Die Stelle ist in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität angesiedelt und verfügt über moderne Labors.
Die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Fertigungsbetrieb sollte aus Gründen der Qualitätssicherung in mehreren Stufen aufgebaut werden: Einem Leiterplatten-Bestücker beispielsweise werden vorab eine Musterleiterplatte oder ein Musterprodukt sowie Stromlaufpläne, Stücklisten und Zeichnungen zur Verfügung gestellt. Anhand dieser Unterlagen erstellt die Firma ein Angebot. Kommt die Auftrag zustande, beschafft das deutsche Unternehmen die Bauelemente und liefert sie an den chinesischen Fertigungsbetrieb. Dieser bestückt die Leiterplatten und liefert sie zurück. In der zweiten Stufe kauft die chinesische Firma die passiven Bauelemente selbst ein, und in der dritten Stufe beschafft sie selbständig sämtliche Bauelemente direkt aus Asien. Das Test-Equipment für die Prüfung der Leiterplatten und weitere spezifische Einrichtungen werden üblicherweise vom europäischen Auftraggeber gestellt. Die Transportzeit vom Werkstor in China bis zum Kunden in Europa beträgt per Luftfracht etwa drei Arbeitstage, mit Seefracht dauert es drei bis vier Wochen.
Die Materialversorgung der Werke in den chinesischen Provinzen erfolgt meist über Hong Kong. Die Unternehmen beschaffen die benötigten Rohleiterplatten und Bauelemente in Asien und führen sie über Hong Kong in die Provinzen ein. Der Einkauf von Bauteilen in China ist aufgrund mangelnder Qualität nicht üblich. Die produzierte Ware wird nahezu zu 100 Prozent wieder exportiert und weltweit als OEM-Ware verkauft. Das Lohnniveau ist günstig: Die Arbeiterinnen erhalten einen Nettolohn von 150 bis 250 Mark pro Monat. Die Unterbringung und Verpflegung erfolgt auf Kosten des Unternehmens auf dem Werksgelände in sogenannten Sozialgebäuden. Das Gehalt eines Ingenieurs beträgt in China etwa 800 Mark. Im Vergleich dazu erhält ein Ingenieur in Hong Kong rund 4500 Mark für die gleiche Arbeit.
In den Produktionshallen befinden sich überwiegend einfache Montagearbeitsplätze. Dort werden beispielsweise im Drei-Sekunden-Takt Fernsteuerungen für Computerspiele und Funktelefone montiert. Die Arbeitsinhalte sind dabei von kleinem Umfang: Eine Arbeiterin setzt eine Schraube in ein Gehäuseteil ein, die nächste verschraubt die Schraube und eine dritte überprüft die Stabilität. Montagevorrichtungen und -hilfsmittel sind meist nicht im Einsatz. Nur für technologische Prozesse, die eine besondere Einrichtung erfordern, werden mechanisierte und automatisierte Systeme eingesetzt.
Informationen zum Standort
Internet-Adressen:
Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
Auswärtiges Amt, Bonn
Wirtschaftskammer Österreich, Abt. Außenwirtschaft
Bundesstelle für Außenhandelsinformationen (BfAi), Köln
Veranstaltungshinweis:
9. Oktober 1998, München
Tagung: Automatisieren oder Verlagern?
Referenten berichten über die Fertigung in Niedriglohnländern.
Anmeldung: Haus der Technik e. V., Essen Tel. 0201/1803-1,
Fax 0201/1803-280
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