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Zeit für helle Köpfe

Nachwuchsförderung: Kooperationen für Bildung
Zeit für helle Köpfe

Klaffende Lücke: 750 Anfänger haben an der Uni Karlsruhe diesen Herbst einen Studienplatz in Maschinenbau ergattert. Doch nur 150 Absolventen wechseln jetzt in die Praxis Bild: Universität Karlsruhe
Der Nachwuchs mit wenig Technikverständnis, die Ingenieure rar: Während Unternehmen nun in Grundschulen Kinder fördern, bleiben Uni-Absolventen aus der Maschinenbaufakultät noch lange Mangelware. Stipendien könnten mehr Frauen in die Männerdomäne locken.

Es ist nicht so, dass sich die Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG wegen akutem Ingenieurmangel auf achtjährige Talente stützen müsste. Für die Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse der Theodor-Heuglin-Schule in Ditzingen ist der Lasermaschinenbauer denn auch kein Arbeit-, wohl aber Impulsgeber. Hoch motiviert gehen die Grundschüler in den Produktionshallen ans Werk, fertigen ihr eigenes Produkt in Form von Kleiderhaken, entwerfen deren Gestalt, schneiden Bleche und bohren und biegen sie in Form.

Trumpf ist Gründungsmitglied der Initiative Wissensfabrik e. V., deren derzeit 42 Unternehmen sich an rund 400 Bildungskooperationen beteiligen. Auch das sogenannte Leuchtturmprojekt Kiewis (Kinder entdecken Wirtschaft) will dem Nachwuchs bereits in der Grundschule technische und wirtschaftliche Sachverhalte nahe bringen. Die Praxis macht sich auf, Schwächen des Bildungssystems auszugleichen. Je früher Kinder zum Forschen angeregt werden, desto eher tritt ein, was die Wissensfabrik als Ziel abgesteckt hat: „Die nächste Generation fit machen für den globalen Wettbewerb“, betont Dr. Martina von Deessen, die dem Vorstand der Wissensfabrik vorsitzt. Gerade in jungen Jahren ist der Wissensdrang groß. Projekte in Kindergärten wecken die kindliche Neugier und fördern die Sprachentwicklung, die als Schlüsselkompetenz für einen erfolgreichen Bildungsweg gilt.
Eine Wissensfabrik der besonderen Art ist auch die Universität Karlsruhe. Wer als Ingenieurwissenschaftler hier abschließt, erweitert seinen erfolgreichen Bildungsweg mit einem erstrangigen Gütesiegel. Erst kürzlich ist die nordbadische Alma Mater als Elite-Universität aus der Exzellenzinitiative der Bundesregierung hervorgegangen. Aber auch schon vorher punktete sie – wie die RWTH Aachen und die TU München – beim Ausbilden der Nachwuchselite. Nicht ohne Grund sind in diesem Semester 750 Anfänger im Maschinenbau eingeschrieben. Mit der Einführung eines Numerus Clausus wird Rektor Prof. Dr. Horst Hippler wohl „die Notbremse ziehen“ müssen. Bei offiziell nur 500 Anfängerplätzen sieht er „das vor einigen Jahren entstandene Loch mehr als gefüllt“.
Ihren Tiefpunkt erreichten die Anfängerzahlen bundesweit um die Jahrtausendwende. Die Karlsruher Maschinenbaufakultät zählte gerade einmal 150 Erstsemester. Diese Absolventenjahrgänge erreichen nun die Unternehmen, die händeringend Maschinenbauingenieure suchen. Der Branche fehlen laut VDMA mehr als 12 000. Doch die können nicht im Eiltempo gedeihen. Erst in fünf Jahren wird der starke Jahrgang 2006 auf den Arbeitsmarkt drängen. „Solange wird der Ingenieurmangel anhalten“, sagt Hippler.
Den derzeit großen Zuspruch an Studienanfängern schreibt der Rektor weniger der gezielten Ansprache in Form von Seminaren oder Schüler-Tagen zu, mit denen sich viele Universitäten und Fachhochschulen an potenziellen Nachwuchs wenden. Ausschlaggebend ist für ihn, „dass die Wirtschaft gesagt hat, wir brauchen Ingenieure“.
Viele Studierende in den verkürzten Bachelor-Studiengängen auszubilden, dürfte nicht das Allheilmittel sein. Horst Hippler der auch Präsident des Vereins „TU 9 German Institutes of Technology“ ist, betont, dass die TU 9-Universitäten im Masterab-schluss das Ausbildungsziel für ingenieur- und naturwissenschaftliche Studiengänge sehen. Uni-Bachelor-Abschlüsse hingegen seien als eine „Schnittstelle im Studienablauf“ zu sehen, die den Studierenden verschiedene Möglichkeiten eröffneten. Die von den Fachhochschulen angebotenen Bachelor-Studiengänge sieht Hippler „als wichtige Drehscheibe in der Mitte“, die sehr gut sei und auf die die Wirtschaft nicht verzichten könne.
Unverzichtbar hält es der Rektor, den Beruf für Frauen attraktiver zu machen. Gerade einmal 7 % studieren Maschinenbau an seiner Universität. „Eigentlich müsste man sich schämen“, bekennt Hippler. Anreize könnte seiner Meinung nach „ein von der Wirtschaft unterstützter Stipendienfond schaffen, der begabten Frauen die Studiengebühren finanziert“.
Bachelor nicht das Allheilmittel

„Kein Risiko“

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nachgefragt

Die Uni Karlsruhe ist Elite-Hochschule. Nützt das auch der Wirtschaft?
Das Testat garantiert Unternehmen, dass in Karlsruhe Ausbildung und Forschung exzellent sind. Unsere Absolventen sind auf dem Stand der Technik und sie gehören zu den besten Deutschlands. Wer sie einstellt, geht kein Risiko ein. Das ist wie ein Garantiebeweis von „Stiftung Warentest“.
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Hält die Ausbildung Schritt mit dem Tempo der Globalisierung?
Unsere Wirtschaft hält Schritt, die universitäre Forschung allemal – und mit ihr auch die Ausbildung.
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