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Zwei Vorschriften machen sich Konkurrenz

Systeme im Vergleich
Zwei Vorschriften machen sich Konkurrenz

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Beim Einführen eines Umweltmanagementsystems stehen die Entscheider vor der Frage, an welcher Vorschrift sie sich orientieren wollen. Die strengen Kriterien des EU-Umwelt-Audits zu erfüllen, lohnt sich erst, wenn das Zertifikat werbewirksamer wird.

Jens Pape ist Mitarbeiter der Universität Hohenheim und Umweltbetriebsprüfer

Als die EG-Umwelt-Audit-Verordnung (Emas) im Jahr 1993 In Kraft trat, war noch nicht abzusehen, daß kurz darauf ein ähnliches standardisiertes System vorliegen würde: die international gültige Umweltmanagementnorm DIN EN ISO 14001. Vereinfacht ausgedrückt, ist die europäische Vorschrift strenger und erfordert im Unternehmen mehr Aufwand als das Erfüllen der ISO-Norm.
Inzwischen gibt es in allen Ländern der EU mehr ISO-Zertifizierungen als Emas-Validierungen. Lediglich die deutschen Unternehmen weichen von diesem Trend ab und setzen auf die EG-Verordnung. Das ist um so erstaunlicher, als die Öffentlichkeitswirksamkeit und damit ein wichtiger Anreiz für die Teilnahme am EG-Umwelt-Audit bisher weitgehend ausgeblieben ist.
Ein Emas-Zeichen, das sich werblich nutzen läßt, soll helfen und ist für die Revision der Verordnung vorgesehen. Um den „ökologischen Mehrwert“ gegenüber der ISO-Norm herauszuarbeiten, muß die Öffentlichkeit erfahren, was das Umwelt-Audit ist und wem und was es nützt. Dann können Unternehmen die Umwelterklärung als „Informationsgrundlage“ nutzen und zeigen, was sie für den Umweltschutz tun.
Die Systeme unterscheiden sich in den folgenden Punkten:
Beide setzen voraus, daß das Unternehmen geltendes Umweltrecht einhält. Für das Emas-System ist dies aber nicht mehr als eine Mindestanforderung. Der betriebliche Umweltschutz soll darüber hinaus verbessert werden – falls das nicht nachweislich umgesetzt wird, kann die Registrierung entzogen werden. Um ein Zertifikat nach der ISO-Norm zu erhalten, reicht es aus, sich zum Einhalten der Gesetze zu verpflichten.
Während die EG-Umwelt-Audit-Verordnung nur in der Europäischen Union angewendet werden kann, gilt die DIN ISO 14001 weltweit. Dies ist vor allem für Unternehmen von Bedeutung, die sich auf den Weltmarkt ausgerichtet haben.
Die ISO-Norm bezieht sich auf das Umweltmanagement in einer Organisation. Einzelne Funktionsbereiche können zu einer (zertifizierungsfähigen) Betriebseinheit zusammengefaßt werden. Gleiches gilt für Niederlassungen an verschiedenen Standorten. So flexibel ist die EG-Umwelt-Audit-Verordnung nicht. Sie weist einen klaren Standortbezug auf.
Der größte Unterschied zwischen ISO und Emas ist die Umwelterklärung
Um eine Umweltprüfung kommt kein Betrieb herum, der das Emas-System einführen will. Die ISO-Norm legt den Unternehmen lediglich nahe, „in einem ersten Schritt ihre Ausgangssituation durch eine Umweltprüfung zu ermitteln“. Die späteren Betriebsprüfungen unterscheiden sich deutlich. Ein weiterentwickeltes Managementsystem reicht laut ISO aus, um die Verbesserung nachzuweisen. Das Audit betrifft nur das System. Nach Emas hingegen ist spätestens alle drei Jahre der Nachweis fällig, daß das eingeführte System funktioniert und zu einer Verbesserung der Umweltleistung führt (Performance-Audit).
Der bedeutendste Unterschied zwischen beiden Regelwerken ist jedoch in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu sehen. Die DIN ISO 14001 fordert, daß die Umweltpolitik des Unternehmens der Öffentlichkeit zugänglich zu sein hat, das Unternehmen kann einen Dialog mit den interessierten Kreisen führen. Unternehmen, die am Gemeinschaftssystem Emas teilnehmen, müssen demgegenüber eine Umwelterklärung veröffentlichen. Ein externer, unabhängiger Umweltgutachter muß diese für gültig erklären (validieren).
In diesem letzten Punkt liegt das Hauptargument dafür, sich für ein Umweltmanagementsystem nach Emas zu entscheiden. Teilnahme- und Umwelterklärung bieten die Möglichkeit, für das Unternehmen zu werben. Die Öffentlichkeit kann bewerten, ob ein Betrieb im Lauf der Zeit seine Umweltschutzleistungen weiterentwickelt hat und wie er im Vergleich mit anderen abschneidet. So kann ein Wettbewerb um die Vorreiterschaft im betrieblichen Umweltschutz entstehen.
Für die ISO-Norm spricht ihre internationale Gültigkeit. Man könnte in diesem Sinne die ISO-Zertifizierung als globale Pflicht ansehen und das Umwelt-Audit als „europäische Kür“. Darüber hinaus kennen viele Unternehmen bereits Struktur und Aufbau der ISO-Normen, da sie ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9000ff. eingeführt haben. Aufwand und Kosten für das ISO-Zertifikat fallen niedriger aus, da der ökologische Anspruch geringer ist, die teure Umwelterklärung entfällt (die von der Öffentlichkeit derzeit nicht angefordert wird) sowie auch die Validierung durch den Umweltgutachter.
Und schließlich spielt bei vielen Entscheidungen wohl auch die „emotionale“ Komponente eine Rolle: Es fällt leichter, am freiwilligen, wirtschaftsnahen ISO-System teilzunehmen als sich freiwillig einer Verordnung wie der Emas unterzuordnen.
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