Interview mit Sarna Röser, Bundesvorsitzende Die Jungen Unternehmer

„Der Digitalturbo muss gezündet werden“

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Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer“, macht sich für mehr Digitalisierung in Unternehmen stark. Bild: Anne Grossmann
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Sarna Röser aus Baden-Württemberg ist seit März 2018 die Bundesvorsitzen des Verbands die Jungen Unternehmer. Wir haben mit ihr über Unternehmensnachfolge und Digitalsierung im Mittelstand gesprochen.

Alexander Gölz

Sie sind designierte Nachfolgerin im Familienunternehmen Karl Röser & Sohn und sind zugleich die Bundesvorsitzende des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“. Wie teilen Sie sich Ihre Arbeit auf?

Beide Aufgaben sind sicherlich sehr zeitintensiv, aber bereiten mir großen Spaß. Ich pendele seit dem Amtsantritt 2018 zwischen Stuttgart und Berlin und man benötigt auf jeden Fall ein gutes Zeitmanagement. In einer typischen Woche in Berlin habe ich morgens Termine mit Bundestagsabgeordneten, zum Mittagessen treffe ich mich dann mit Unternehmer-Freunden und Bekannten aus dem Verband und danach habe ich Journalistentermine und abends können spontane TV-Auftritte hinzukommen.

Auf welche Themen legen Sie während Ihrer Amtszeit das Hauptaugenmerk?

Ich möchte für das Unternehmertum begeistern. Also junge Menschen motivieren, selbst Unternehmen zu gründen, aber auch mehr junge Nachfolger, die die Möglichkeit haben ein Unternehmen zu übernehmen, zu begeistern, das auch wirklich zu tun. Denn wir haben ein riesen Problem in Deutschland: In den nächsten fünf Jahren steht in 850.000 Unternehmen die Nachfolge an und nicht jedes Unternehmen hat einen Nachfolger. Das liegt zum einen an der jungen Generation, die unendlich viele Möglichkeiten hat. Ich setze mich dafür ein, dass mehr junge Leute sagen, „ich übernehme Verantwortung, ich steige ins Familienunternehmen ein und setze die Tradition fort“.

Was wünschen sich junge Unternehmer vom Standort Deutschland?

Grundsätzlich bedarf es mehr Mut. Wir brauchen innovative Ideen und junge Leute, die sagen, sie möchten etwas Neues aufbauen. Menschen die nicht nur den bequemen Weg gehen, sondern ihre Träume und Visionen verwirklichen möchten.

Was sind im Mittelstand aus Ihrer Sicht die größten Baustellen?

In meiner dreijährigen Amtszeit steht ganz klar die Digitalisierung und der Breitbandausbau oben auf der Agenda. Hier gibt es großen Nachholbedarf. Alle Unternehmen haben verstanden, dass digitale Prozesse etabliert werden müssen und ein Umdenken stattfinden muss. Aber wenn das nicht möglich ist, allein von der Infrastruktur her, dann ist es zum Scheitern verurteilt. Des Weiteren ist der Fachkräftemangel zu nennen. Wir haben in Deutschland einen Akademisierungswahn, alle glauben jeder müsse studieren, obwohl im Bereich Handwerk ein riesen Bedarf besteht. Es gibt leider immer weniger junge Menschen, die eine Ausbildung machen. Hier muss in der Gesellschaft umgedacht werden, sodass Ausbildungsberufe wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Ansonsten bekommen wir ein großes Problem.

Wie ist der deutsche Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung aufgestellt?

Alle Familienunternehmen und Mittelständler wissen, dass sie hier etwas tun müssen. Wir als Digital Natives können gemeinsam mit den Unternehmen die digitale Transformation voranbringen. Bei uns im Verband sind alle Mitglieder bis 40 Jahre und aus dieser Generation. Aber auch hier müssen die Unternehmen mutiger sein. Es ist mehr Mut gefordert, neue Prozesse auszuprobieren, sich an neue Software heranzutrauen und sich mit digitalen Tools auseinanderzusetzen. Wir können beispielsweise sehr viel von Start-ups lernen. Eine Kooperation zwischen Mittelstand und Start-up ist für uns unglaublich wichtig, weil diese innovativen Ideen und Herangehensweisen ganz neue Prozesse mit sich bringen. Aber genauso ist auch die Politik gefordert. Wir haben hier keine Zeit mehr abzuwarten, der Digitalturbo muss gezündet werden. Sonst hängen uns andere Länder noch weiter ab.

Was muss sich Ihrer Meinung nach in der Unternehmenskultur der klassischen deutschen Mittelstandsbetriebe ändern, um zukünftig erfolgreich zu sein und im digitalen Wandel nicht abgehängt zu werden?

Die Unternehmer müssen offen und mutig sein für neue Ideen. Kooperationen mit Start-ups sehe ich hier als sehr wichtig an. Man muss Dinge probieren und keine Angst davor haben, starre Strukturen aufzulösen und nach gescheiterten Projekten wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Insbesondere auch im Marketing sind die Mitarbeiter gefordert, mit dem digitalen Wandel zu gehen, sich neue Tools und Denkmuster anzueignen. Wie gelingt es, hier auch diejenigen Mitarbeiter mitzunehmen, die dieses neue Mindset noch nicht mitbringen?

Die Führungskräfte müssen hier gezielt die Mitarbeiter mitnehmen und offen kommunizieren, warum sich Prozesse ändern und was für tolle Chancen sich dahinter verbergen. Man benötigt die offene Kommunikation ohne Ängste vor der Digitalisierung. In der Vergangenheit gab es auch immer wieder Umstellungen. Hier denke ich an die Umstellung von der Schreibmaschine auf den Computer. Innovation gibt es ja schon seit langem.


Tag der Industriekommunikation

Unter dem Motto „New Business – New Marketing – New Culture“ zeigen renommierte Experten aus der Praxis, welche digitalen Geschäftsmodelle sich in Zukunft auftun und was dies für das Marketing und die Unternehmenskultur im B2B-Bereich bedeutet. Hochkarätige Keynote-Speaker (wie Sarna Röser), Best Cases der Industrie und die Networking-Abendveranstaltung „Nacht der Industriekommunkation“, machen den TIK 2019 zu einem Pflichttermin für alle B2B-Marketer.

Datum: 27. Juni 2019

Ort: Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck (bei München)
Weitere Informationen und Anmeldung unter www.bvik.org/tik_2019


„Der digitale Wandel ist für unsere Gesellschaft eine neue Etappe und eine Herausforderung für uns alle.“



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