Interview Kern-Liebers „Der Erfolg von heute hat eine lange Historie“

Interview Kern-Liebers

„Der Erfolg von heute hat eine lange Historie“

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Kern-Liebers produzierte zu Beginn präzise Zugfedern für die Uhrenindustrie. Heute werden am Hauptsitz im Schwarzwald Präzisionsteile für die Automobil- und Textilindustrie gefertigt. Wir haben mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung Udo Schnell über aktuelle Herausforderungen als mittelständisches, aber auch globales Unternehmen gesprochen. ❧ Alexander Gölz

Was sind die Stärken von Kern-Liebers?

Ein Punkt hier ist der extrem hohe Diversifizierungsgrad und zwar hinsichtlich mehrerer Dimensionen. Zum einen sind es die Produkte, zum anderen die Industriebereiche. So bauen wir beispielsweise Federn für Sicherheitsgurte oder Kabelaufroller, oder im Innenraum für Cupholder oder Seitenfensterrollos, aber genauso Stanzteile für Komponenten des automobilen Antriebsstrangs. Das sind alles hochpräzise Teile und das kommt der Historie von Kern-Liebers zu pass. Das Unternehmen gibt es seit fast 130 Jahren und das Kerngeschäft war es, die Uhrenindustrie mit hochpräzisen Zug-federn zu beliefern. Unsere heutigen Teile haben dieselben Attribute: sie sind hochpräzise, im Mikrobereich und haben extrem enge Toleranzen. Eine weitere Stärke ist, dass wir es über die Jahre hin geschafft haben, Nischen zu entdecken, zu besetzen und zu verteidigen. Darüber hinaus haben wir einen eigenen Sondermaschinenbau. Das ist deshalb wichtig, weil wir sehr stark im Auslegen von innovativen Fertigungsprozessen sind. Und zu guter Letzt sind wir ein Familienunternehmen. Als solches ticken wir ganz anders und sind längerfristig ausgerichtet, was uns bei strategischen Vorhaben zu Gute kommt.
Wie gehen Sie vor, um immer wieder neue Nischenmärkte zu entdecken?
Unsere technischen Produktplanungsbereiche arbeiten sehr eng mit den Entwicklungsabteilungen der Kunden zusammen und so wird die wirtschaftliche Umsetzbarkeit von Ideen bereits in der Produktentstehungsphase immer geprüft.
Investiert Kern-Liebers auch in die Ausbildung von Fachkräften?
Auf jeden Fall. Das ist ein sehr wichtiger Punkt für das Unternehmen. Wir haben aktuell hier am Standort 120 Auszubildende, in ganz Deutschland sind es 200.
Wie gestaltet sich die Nachwuchskräftefindung hier im ländlichen Raum?
Wir haben die Entwicklung, dass die Bewerberzahlen im gewerblichen Bereich signifikant zurückgehen. Im kaufmännischen Bereich werden wir geflutet von Bewerbungen. Im gewerblichen Bereich bekommen wir zum Glück noch ausreichend Bewerbungen, um die Qualität auszuwählen, die wir brauchen. Aber es wird enger und enger. Wenn dieser Trend weiter anhält, werden wir in zwei, drei Jahren größere Probleme bekommen. Oder umgekehrt: uns noch viel stärker um die jungen Leute bemühen müssen. Schon heute gehen wir auf Ausbildungsmessen und stellen die Attraktivität unseres Unternehmens mehr heraus, als dies früher getan wurde. Das Positive an unserem ländlichen Bereich ist, dass das Thema Fluktuation keine große Rolle spielt.
Wie ist Ihr heutiges Kundenportfolio auf-gestellt?
Wir haben ein ganz breites Kundenportfolio und verfügen über 50 Gesellschaften weltweit. Das führt dazu, dass wir die großen Automotivekunden sehr gut begleiten können, weil wir schon da sind. Die großen OEMs fordern, dass die Teile schnell geliefert werden, daher ist local for local heute das Maß der Dinge.
Kern-Liebers erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 661 Millionen Euro. Wie hat sich der Umsatz im letzten Geschäftsjahr verteilt?
Wir erzielten 60 Prozent davon im Automotive-Sektor, 15 Prozent mit Teilen für Textilmaschinen und der Rest verteilte sich auf Bereiche Elektro- und Medizintechnik.
In welchen Regionen wurde der Umsatz erzielt?
Die Hälfte der 661 Millionen Euro wurden im Ausland erzielt. Alleine 100 Millionen Wurden davon in China erwirtschaftet. Wir haben bereits 1975 begonnen, uns zu internationalisieren, dies trägt heute seine Früchte. 2000 unserer 7300 Mitarbeiter weltweit sind in Schramberg und Umgebung verortet. Das zeigt, dass wir auf der einen Seite ein starkes globales Unternehmen, sind aber auf der anderen Seite gleichzeitig eine starke Heimatbasis pflegen und dies auch bewusst tun. Denn wir sind der Überzeugung, dass wir die globalen Standorte nur dann vernünftig unterstützen können, wenn wir eine starke Heimatbasis haben.
Inwieweit spielt für Kern-Liebers das Thema Industrie 4.0 eine Rolle?
Es spielt eine Rolle, aber noch nicht so eine stark gewichtige. Diese Thematik wird sich meiner Meinung nach erst in den großen Konzernen durchsetzen, die noch stärker vernetzte Produktionsprozesse haben. Wir haben zwar auch eine Großserienproduktion, aber das Thema Industrie 4.0 fordert so viele Ressourcen und finanzielle Mittel, dass es für einen Mittelständler wie uns nicht möglich ist, da ganz vorn mitzuspielen. Dennoch gibt es bei uns erste Ansatzpunkte. Wir können zum Beispiel zentral von hier aus alle Maschinen weltweit überwachen und Ferndiagnosen treffen und die Reparatur einleiten. Das funktioniert richtig gut und ist im Kleinen schon eine elektronische Vernetzung. Was wir noch nicht haben ist, dass unsere Maschinen untereinander kommunizieren oder die Logistik gesteuert wird.
Was sind die Zukunftspläne von Kern-Liebers?
Wir wollen weiter profitabel wachsen, unsere Globalisierung weiter vorantreiben. Dies speziell in den Märkten Asien und Mexico. Insbesondere für den Nafta-Raum ist Mexico ein sehr wichtiger Standort für uns. Heute investieren immer mehr asiatische Konzerne wie Toyota, Hyundai oder Kia in Mexiko. Und interessanterweise nehmen japanische und koreanische Automobilhersteller, die im Ausland neue Standorte aufbauen, in der Regel gleich ihre Systemlieferanten mit. Wir haben im letzten Jahr unser Werk in Querétaro in Mexiko erweitert und beschäftigen in Mexiko insgesamt 800 Mitarbeiter, genauso viele wie in China. Zurzeit bauen wir ein neues Werk im Nordosten Mexikos. Darüber hinaus planen wir derzeit ein weiteres Werk in China. Ich denke, hier sieht man gut, dass wir massiv in Produktionsflächen investieren, um das künftige Wachstum darstellen zu können.
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