Wissensmanagement Die besten Berater sind die eigenen Mitarbeiter

Wissensmanagement

Die besten Berater sind die eigenen Mitarbeiter

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Wenn die linke Hand nicht weiß. was die rechte tut: Viele Unternehmen scheitern beim Thema Wissensmanagement an ihrer Größe. Ein Schweizer Start-up will mit Hilfe einer neuen Software, Kollegenwissen besser nutzbar machen.

Michael Sudahl, Der Medienberater, Schorndorf

„Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß“ ist ein gängiges Bonmot. Es spiegelt wider, was für viele Unternehmen ein Problem ist. Die schiere Größe. Rund um den Globus verteilte Mitarbeiter wissen oft nichts voneinander. Sinnstiftende Kollaboration ist trotz E-Mail und Skype oft unmöglich. Firmeninterne Wissenswikis dümpeln vor sich hin, weil Mitarbeiter ihr Know-how ungern teilen. Im schlechtesten Fall haben sie Angst davor, überflüssig zu werden.
Dabei ist Firmen-Know-how oft der Schlüssel, um schneller und effektiver zu arbeiten, Forschungszeiten zu reduzieren und dem Wettbewerb den sprichwörtlichen Schritt voraus zu sein. Das Schweizer Unternehmen Starmind will hier Abhilfe schaffen. Gründer und Technikvorstand Marc Vontobel erklärt das Prinzip: „Die besten Berater sind die eigenen Leute“. Sie hegen oft ein über Jahrzehnte angehäuftes Wissen. „Wir wollen dieses transparent und damit nutzbar machen“, sagt der 31-Jährige. Dafür haben Vontobel und seine 48 Kollegen in Küsnacht eine Software entwickelt. Basis ist die Forschung zur künstlichen Intelligenz an der Universität in Zürich, an der Informatiker Vontobel und sein Kollege, Starmind-Vorstand und Neurobiologe Pascal Kaufmann, forschten. Das Programm funktioniert grob gesagt wie eine Suchmaschine. In einem schlichten Eingabefenster können Mitarbeiter ihre Kollegen quasi „googeln“. „Sie geben ihre Frage samt Schlagworte ein und die Software findet den Kollegen in der Firma, der am wahrscheinlichsten richtig antworten können“, verdeutlicht Vontobel. Hier liegt dann auch der große Unterschied zu offenen Frageportalen im Internet oder firmeninternen Wissenswikis. Denn dort geben die „Experten“ eigenständig an, zu welchen Themen sie antworten können. Mit der Folge: Je größer das Angebot, umso größer womöglich die Nachfrage.
Bei Starmind entwickelt sich das Expertenportfolio hingegen eigenständig. Jeder Mitarbeiter erhält zu Beginn fünf Themen, die er nicht beantwortet, sondern nur angibt, wen er im Unternehmen dazu befragen würde. „So entsteht eine Grundstruktur“, erklärt Vontobel. Weil die Software lernfähig ist, merkt sie sich von da an jede Frage-Antwort-Aktion sowie die entstehenden Verbindung zwischen den Kollegen. Bei denen kommt das Frage-Antwort-Spiel gut an. Die meisten reagieren innerhalb eines Tages. Sie sind stolz, gefragt zu werden. Der Frager beurteilt anschließend die Qualität der Antwort nach einem Fünf-Sterne-Prinzip. Je mehr Sterne, desto besser war die Hilfe. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Fragen anonym gestellt werden. „Das ist vor allem für Kollegen aus dem asiatischen Raum wichtig“, sagt Vontobel. Denn durch die Anonymität kann der Fragensteller sein Gesicht wahren. „Er muss sich nicht als ahnungslos outen“, so der Technikchef. Der Antwortende hingegen wird sichtbar. „Starmind funktioniert wie ein Gehirn, es legt eine Wissenslandkarte an“, weiß der Gründer. Auf ihr kristallisiert sich heraus, wo im Unternehmen die Hidden Champions sitzen.
Seit der Firmengründung vor fünf Jahren nutzen Starmind mehr als 30 Unternehmen mit jeweils mehr als 500 Mitarbeitern. Die Ergebnisse: Mehr als die Hälfte der Fragen wird binnen zwei Stunden beantwortet. Knapp 93 % der Fragen konnten bislang gelöst werden. Mehr als zwei Drittel der Antworten kommen aus einem anderen Land. Interessant ist zudem, dass das Programm etwa 60 % der Fragen mit der Zeit automatisch beantwortet, weil sie so oder so ähnlich schon einmal gestellt wurde. Wie bei einer Suchmaschine, schlägt die Software beim Eintippen bereits Lösungen vor. In Summe spart ein User pro Frage im Schnitt rund drei Stunden Zeit ein. •
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