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Deutsche Exporte nach Asien-Pazifik auf der Überholspur

Exportwirtschaft
Handel mit Asien-Pazifik nimmt Fahrt auf

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Im ersten Halbjahr 2021 lieferten deutsche Exporteure Waren im Wert von mehr als 100 Mrd. Euro gen Fernost – 13,3 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Bild: Kalyakan/stock.adobe.com
Die Region Asien-Pazifik ist für Deutschland ein wichtiger Handelspartner. Der Warenhandel hat bereits wieder Vorkrisen-Niveau erreicht. Rasch erholt haben sich vor allem die Exporte von Kraftfahrzeugen, Maschinen und chemischen Produkten. Sorgen macht den deutschen Exporteuren jedoch die Entwicklung in China, das sich weniger abhängig von Einfuhren machen will.

» Dietmar Kieser, stv. Chefredakteur Industrieanzeiger

Ungeachtet der Lieferengpässe und Materialknappheit wird nach dem Corona-Schock wieder eingekauft, als gäbe es kein Morgen. Die deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau liegende Nachfrage lässt sich auf das veränderte Konsumverhalten aufgrund der Lockdown-Maßnahmen ebenso zurückführen wie die Aversion gegen Risiken. Überdies ist die chinesische Industrieproduktion seit Anfang 2020 um fast 5 % gestiegen und hat die globale Erholung spürbar angekurbelt. Hiervon haben nicht nur asiatische Industrieländer wie Südkorea profitiert, sondern die gesamte Region Asien-Pazifik, die für den deutschen Außenhandel weiter an Bedeutung gewonnen hat. Südkorea kaufte 2020 zum zweiten Mal mehr Waren Made in Germany als Japan und stieg damit zum zweitgrößten Abnehmer deutscher Produkte im Großraum Asien auf.

Laut der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) sanken zwar die deutschen Ausfuhren in die asiatisch-pazifische Region im Coronajahr 2020 um 5,3 % gegenüber dem Vorjahr auf fast 190 Mrd. Euro. Doch der Rückgang fiel moderat aus, verglichen mit dem Minus von 9,3 %, das die deutschen Gesamtexporte im selben Zeitraum verzeichneten. Doch bereits im ersten Halbjahr 2021 lieferten deutsche Exporteure laut der vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Waren im Wert von über 100 Mrd. Euro gen Fernost – 13,3 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Nach Regionen betrachtet schnitt Asien-Pazifik nach Angaben der GTAI-Statistiker besser ab als etwa Afrika, Nahost sowie die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) samt Südosteuropa. Nur die deutschen Ausfuhren in die Schlüsselmärkte EU und Amerika liefen noch besser.

USA, China und Frankreich wichtigste Abnehmerländer

Wichtigstes Abnehmerland deutscher Waren im Jahr 2020 waren laut dem Statistischen Bundesamt wie bereits in den Vorjahren die Vereinigten Staaten. Güter im Wert von 103,5 Mrd. Euro wurden von Deutschland in die USA exportiert. Auf den Plätzen zwei und drei der bedeutendsten deutschen Exportländer lagen die Volksrepublik China (95,8 Mrd. Euro) und Frankreich (90,9 Mrd. Euro).

Deutlich zugelegt im ersten Halbjahr 2021 haben mit 23,4 % vor allem die Exporte nach Indien, einem Markt mit 1,4 Mrd. Einwohnern. Der Subkontinent schickt sich an, in diesem Jahrzehnt China als das weltweit bevölkerungsreichste Land abzulösen. China wiederum war bereits im Vorjahr im Zuge der Coronakrise zum zweitwichtigsten Abnehmer deutscher Waren aufgestiegen. Mit einem Exportzuwachs von 19 % in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verfestigt sich dieser Rang nochmals.

Allerdings schwächelt der chinesische Binnenmarkt seit wenigen Monaten. Aufgrund der seit September andauernden Energiekrise mussten wegen Stromausfällen in mehreren Provinzen etliche Produktionen gedrosselt werden, was die Abnahme von Gütern auch aus Deutschland hemmt. Wie den Handelszahlen des Zolls in Peking zu entnehmen ist, sind die Importe aus Deutschland im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,1 % gesunken.

Vietnam in ASEAN treibende Kraft für deutsche Waren

Einen kräftigen Erholungsverlauf nahmen die Ausfuhren nach Australien (20 %) und in die südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN (8,8 %). Innerhalb der Zehn-Staaten-Region, mit der Europa Ende letzten Jahres ein Freihandelsabkommen geschlossen hat, verzeichnete Vietnam zwischen Januar und Juni 2021 ein Wachstum von rund 36 %. Der Export deutscher Waren von 1,9 Mrd. Euro dorthin sei sogar ein neuer Rekord für ein erstes Halbjahr, weiß die GTAI-Expertin Katharina Viklenko. Als Treiber der Entwicklung gilt die Ausfuhr von Flugzeugen und zugehöriger Ausrüstung, auf die fast 20 % der Exporte nach Vietnam entfielen. Die stark gestiegenen Warenlieferungen nach Vietnam, Thailand (18,9 %), Kambodscha (13,8 %) und Singapur (8,5 %) konnten laut der GTAI-Statistik die Rückgänge der Ausfuhren nach Laos (-43,9 %), Myanmar (-33,8 %), Brunei (-31,2 %), in die Philippinen (-14,1 %) sowie nach Indonesien (-6,4 %) mehr als kompensieren.

In der ersten Jahreshälfte legten laut Angaben insbesondere deutsche Exporte von Luftfahrzeugen, Kraftfahrzeugen, chemischen Erzeugnissen, Arzneimitteln sowie Mess- und Regeltechnik zu. Vom Aufschwung in allen wichtigen Handelsregionen in Asien-Pazifik profitierte insbesondere die Autoindustrie. Ihre Gesamtexporte dorthin kletterten um ein Viertel gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Besonders stark zugenommen haben die Kfz-Lieferungen nach Hongkong (64,5 %), in die ASEAN-Region (36,2 %), nach Australien (33,2 %) und China (29,6 %).

Maschinenbauexport in China mit zweistelligen Zuwachsraten

Im Maschinenbau stiegen die Lieferungen laut GTAI-Angaben in den zweitgrößten Absatzmarkt China um einen zweistelligen Prozentsatz. Noch stärker legten die Exporte nach Taiwan, Australien und Indien zu. Gleichzeitig gab es Rückgänge im zweistelligen Bereich bei den deutschen Ausfuhren in die Philippinen, nach Hongkong sowie Japan. 

Eine explosionsartige Steigerung hätten Luftfahrzeuge erlebt, betont Katharina Viklenko. Während Ausfuhren nach Thailand, Vietnam, Singapur und China im hohen dreistelligen Prozentsatz zugelegt hätten, habe Japan hier sogar ein vierstelliges Wachstum verbucht. Die GTAI-Expertin weist aber auch darauf hin, dass die Exporte von Luftfahrzeugen sehr volatil wären, sodass Steigerungsraten bei einzelnen größeren Bestellungen stark nach oben ausschlagen würden. Warenausfuhren aus Deutschland im Bereich der Mess- und Regeltechnik nach Indien, Thailand, Taiwan und China wären überproportional gewachsen.

In China selbst dürften exportorientierte Unternehmen auf Sicht vor besonderen Herausforderungen stehen. Auf Basis des 14. chinesischen Fünfjahresplans (2021 bis 2025) verfolgt die Volksrepublik das Ziel, die Wertschöpfungsketten zunehmend im eigenen Land zu integrieren, um eine höhere Wertschöpfung sicherzustellen. Damit will sich das Land weniger abhängig von Einfuhren machen, was manche Firmenchefs heute schon mit Sorge betrachten.

Kontakt:
gtai – Germany Trade & Invest
Friedrichstraße 60
10117 Berlin
Tel. +49 30 2000990
www.gtai.de

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