Blockchain und Supply Chain: Liebe oder Zweckehe?

Blockchain und Supply Chain

Liebe oder Zweckehe?

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Je mehr Anwendungsbeispiele für die Blockchain verfügbar sind, desto mehr Firmen wenden sich der Technologie zu. Bild: sdecoret/Fotolia
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Blockchain ist momentan eines der heißesten Themen überhaupt. Auch die Medien berichten mittlerweile, wenn auch überwiegend über Kryptowährungen, die auf Blockchain basieren. Von der Marktreife ist die Technologie allerdings noch entfernt. Es mangelt an Erfolgsgeschichten.

Greg Kefer
VP Corporate Marketing, Infor

Zwar zweifeln Auguren wie Gartner noch am großen Erfolg der Blockchain. Geht es nach den Marktforschern, so ist das Gros der Pilotprojekte für die kommenden 24 Monate zum Scheitern verurteilt. Die Industrie scheint das nicht zu beeindrucken. Sie zeigt weiterhin ein enormes und nachhaltiges Interesse an der Technik, die für andere Marktbeobachter bis 2025 auf mehr als 176 Mrd. Dollar anwachsen könnte. Hinter Blockchain verbirgt sich voraussichtlich also eine Zukunftstechnologie, die reifen und kommerziell einsetzbar sein wird. Unklar ist, wie, wann und wo.

Eines dieser Anwendungsfelder ist die Supply-Chain-Automatisierung mit dezentralen Prozesse bei der Beschaffung, Herstellung und dem Versand von Waren. Das gilt unter anderem in den Bereichen Asset Tracking, Payment und Smart Contracts. Doch wird eine Marktreife von Blockchain in der Lieferkette noch auf sich warten lassen. Gartner rechnet mit einer großflächigen Implementierung in frühestens zehn Jahren.

Dabei sind Parallelen zu den Anfängen der Cloud-Technologie unverkennbar. Die Möglichkeit, Programme nicht lokal auf dem Rechner, sondern online zu nutzen, führte zu massiven Investitionen in Unternehmen. Unzählige Cloud-Start-ups tauchten auf, Werbespots liefen zu besten Sendezeiten und immer neue Konzepte entstanden: Ein regelrechter Hype um die Cloud kam auf, bevor nach der Jahrtausendwende Investoren und Unternehmer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden. Die meisten damaligen Projekte scheiterten, die Cloud schien in die Bedeutungslosigkeit abzudriften. Die Reaktion darauf: Geschäftsmodelle wurden verfeinert, Early Adopters begannen, sich an Cloud-IT-Projekten zu beteiligen – die Technologie wurde salonfähig.

Ähnlich wie die Blockchain stellte auch Cloud-Computing eine immense Chance für internationale Lieferketten dar. Sie waren global geworden; Hersteller produzierten und versandten Waren in alle Welt. Dafür wurden Systeme benötigt, die ganze Ökosysteme beteiligter Unternehmen technologisch zusammenführen konnten – etwas, das Software-Systeme bis dato nicht leisten konnten.

Frühe Adaption ist der Schlüssel zum Erfolg

Trotz ganz offensichtlicher wirtschaftlicher Vorteile dauerte es ein ganzes Jahrzehnt, bis Cloud-Computing die Marktreife für einen Einsatz in der Lieferkette erreicht hatte. Hauptgründe hierfür waren sowohl die Komplexität der Technik als auch Sicherheitsbedenken seitens der Unternehmen. Vor allem der Gedanke, erfolgskritische Prozesse von der Sicherheit des eigenen Ökosystems in die Cloud zu verlagern, war für die meisten CIOs beunruhigend.Im Zuge eines technologischen Reifeprozesses entstanden dennoch überzeugende Anwendungsbeispiele. Diese zeigten der Industrie: Die Verbindung von Handelspartnern durch ein gemeinschaftliches Cloud-Netzwerk schafft einen enormen Mehrwert.

Eine Vorreiterstellung in der Supply-Chain-Automatisierung erfordert nicht nur zunehmend fortschrittlichere Software, auch das Partner- und Kundennetzwerk ist von essenzieller Bedeutung. Plattformen wie das GT Nexus Commerce Network haben in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich ein Netzwerk von Käufern, Verkäufern und Partnern aufgebaut, die sich aktiv in den größten Lieferketten der Welt engagieren. Bevor Blockchain dort Fuß fassen kann, muss sie ähnliche Prozesse durchlaufen.

Unternehmen werden sich nach und nach an einer Vielzahl neuer Projekte beteiligen, die gemeinsam mit neuen Anbietern entstehen. Je mehr Anwendungsbeispiele verfügbar sind, desto mehr Firmen wenden sich der Technologie zu. Eine großflächige Einführung von Blockchain wird wahrscheinlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als vergleichbare Entwicklungs- und Implementierungsprozesse in der IT der Vergangenheit. Grund ist die Komplexität moderner Lieferketten. Für den Erfolg ist es unabdingbar, dass Projekte in Verbindung mit neuesten, netzwerkbasierten Lösungen durchgeführt werden. Diese wiederum müssen flexibel genug konzipiert sein, um die vielschichtigen Zusammenhänge in Lieferketten bearbeiten zu können. Ebenfalls wird erwartet, dass sie parallel zu neuen Technologien operieren.

Marktreife von Blockchain nicht abwarten

Gleichermaßen fortschrittliche Innovationen wie das Internet der Dinge und selbstlernende Maschinen sind bereits heute Teil moderner Lieferketten und mit Cloud-Supply-Chain-Plattformen vernetzt. Gründe genug, warum die Blockchain Teil dieser Entwicklung werden kann. Unternehmen sollten die Entwicklung und Marktreife von Blockchain nicht abwarten. Vieles was Blockchain verspricht, existiert bereits in ähnlicher Form. So besteht etwa die Möglichkeit, eine Lieferkette mit einer „Single source of truth“, also einem gemeingültigen Datenbestand, zu verbinden. Auch sind bereits die Voraussetzungen gegeben, den Zugriff auf Waren zu überwachen und jeden Schritt in der Lieferkette nachzuvollziehen – und das überall und jederzeit über das Internet. Eine moderne Lieferkette kann als strategischer Vorteil genutzt werden. Unternehmen die sich jedoch nicht aktiv am Wandel beteiligen, geraten in Gefahr, ins Abseits zu gelangen, bevor die „Supply-Block-Chain“ den Massenmarkt überhaupt erreicht hat.

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