Startseite » Management » Finanzen »

Wenn das klassische Trendszenario nicht mehr reicht

Unternehmensplanung
Wenn das klassische Trendszenario nicht mehr reicht

Wenn das klassische Trendszenario nicht mehr reicht
Im aktuellen Marktumfeld mit seinen dynamischen und unvorhersehbaren Rahmenbedingungen ist es schwer, die Ergebnis- und Liquiditätssituation im Unternehmen zu überschauen. Bild: runzelkorn/stock.adobe.com
Die Insolvenzen im Maschinenbau stiegen im ersten Halbjahr 2022 um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und die Kosten für Energie und Rohstoffe steigen weiter. Wer derzeit keinen Überblick zur Ergebnis- und Liquiditätssituation hat, gerät schnell in Schieflage. Die Lösung ist die Erstellung von Szenario-Rechnungen im Rahmen der Unternehmensplanung.

» Wolfram Lenzen ist Partner im Bereich Restrukturierung bei der Unternehmensberatung Falkensteg

Die Geschäftsführung eines Unternehmens ist verpflichtet, fortlaufend über Entwicklungen zu wachen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden. Man spricht hierbei von Krisenfrüherkennung und Krisenmanagement, welche die Risiken erkennen und abwenden sollen. Die Verpflichtung gilt dabei nicht erst im Falle einer Zuspitzung der Ergebnis- und Liquiditätslage, sondern grundsätzlich.

Ein wesentlicher Bestandteil eines solchen Überwachungssystems ist die integrierte finanzwirtschaftliche Unternehmensplanung. Sie besteht aus Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanzplanung und Cashflow- oder Liquiditätsplanung. In einem Umfeld mit sich nur langfristig und langsam verändernden Rahmenbedingungen lässt sich eine solche Unternehmensplanung relativ einfach aufbauen und abstimmen. Je nach Ertragslage und Ausrichtung des Unternehmens reicht es in der Regel aus, die mittelfristige Unternehmensplanung basierend auf historischen Zahlen fortzuschreiben. Ferner können Maßnahmen zur Verbesserung der strategischen Ausrichtung oder operativen Effizienz in die Planung einfließen. Man spricht dann von einem Trendszenario.

Im aktuellen Marktumfeld mit seinen äußerst dynamischen und unvorhersehbaren Rahmenbedingungen reicht ein solches Trendszenario jedoch nicht aus. So haben sich die Preise für Rohstoffe und Vormaterialien in einem kurzen Zeitraum deutlich erhöht, die Energiepreise haben sich sprunghaft vervielfacht, die Frachtraten verharren auf hohem Niveau, geopolitische Spannungen und Sanktionen behindern je nach Absatzmarkt den Export oder die Lieferketten. Um auf unterschiedliche Entwicklungen vorbereitet zu sein und kurzfristige Maßnahmen zur Abwehr der Bestandsgefährdung treffen zu können, sind deshalb Szenario-Rechnungen erforderlich.

Üblicherweise wird eine finanzwirtschaftliche Planung im Sinne eines Basisszenarios oder Trendszenarios aufgebaut. Dieses gilt typischerweise als das Szenario mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit. Jedoch lassen sich die derzeitigen dynamischen Veränderungen durch das klassische Trendszenario nicht mehr abbilden, denn sie sind praktisch nicht prognostizierbar. Mögliche Entwicklungen lassen sich aber als Annahmen in Szenarien einbauen. Dabei werden die Treiber der Szenarien allerdings nicht willkürlich gewählt. Die Szenario-Planung verläuft vielmehr in einem systematischen Prozess, der sowohl die Auswahl der wesentlichen Einflussfaktoren und ihrer Wechselwirkungen als auch die Beschreibung der daraus resultierenden Schlussfolgerungen und Maßnahmen umfasst.

Die systematische Szenario-Planung umfasst mehrere, aufeinander aufbauende Prozessschritte. Die wesentlichen Schritte sind die Analyse der Einflussfaktoren, die eigentliche Projektion sowie die Konsequenz-Analyse.

Im ersten Schritt werden die Faktoren mit dem größten Einfluss auf die Unternehmensplanung untersucht. Danach folgt die Analyse, mit welchen kurz- und mittelfristigen Unsicherheiten diese behaftet sind. In der aktuellen Situation können dies insbesondere die Umsatzerlöse sein. Eine Investitionszurückhaltung, hervorgerufen durch die allgemeine geopolitische und wirtschaftliche Lage, sanktionsbedingte Handelsbeschränkungen oder fehlende Lieferkapazitäten, können die Entwicklung stark beeinflussen. Andere Einflussfaktoren können zurzeit im Bereich der Kostenentwicklung bei Einsatz- und Rohstoffen oder deren Verfügbarkeit liegen. Auch ein starker Anstieg der Frachtraten kann zurzeit relevant für die Szenario-Planungen sein. Andererseits sind staatliche Hilfs- und Unterstützungsmaßnahme zu berücksichtigen.

Allein diese kurze Aufzählung zeigt, dass sich die Einflussfaktoren entweder gegenseitig verstärken oder gegebenenfalls auch aufheben können. Demzufolge ist es in der Praxis sinnvoll, sich auf eine begrenzte Anzahl von Einflussfaktoren zu beschränken.

Im zweiten Schritt, der Trendprojektion, erfolgt die eigentliche Prognose. Es werden mehrere mögliche Entwicklungspfade für die identifizierten Einflussfaktoren beschrieben. Da es viele Entwicklungspfade geben kann, bietet es sich in der Regel an, die Unternehmensplanung in drei Szenarien darzustellen – einem Basisszenario, einem optimistischen Szenario (Best Case) und einem pessimistischen Szenario (Worst Case).

Das Basisszenario schreibt den bisherigen Trend fort. In der aktuellen Situation mit den volatilen Rahmenbedingungen kann es je nach Planungshorizont sinnvoll sein, von diesem Ansatz abzuweichen. Hier könnte etwa der aktuelle Status quo der Umsatzentwicklung oder der Preisentwicklung der Einsatzstoffe als Basisszenario dienen. Das optimistische Szenario wäre dann die Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Im pessimistischen Szenario verschlechtern sich nochmals die Einflussfaktoren bis zu einem möglichen Totalausfall der Produktion oder Lieferung.

Die Unternehmensplanung zeigt nun auf, wie sich die Ertrags- und Liquiditätssituation in den unterschiedlichen drei Szenarien entwickeln kann. In der Konsequenz-Analyse wird daher untersucht, welche Chancen und Risiken sich aus den Ergebnissen der Szenario-Analysen ergeben. Daraus müssen dann Maßnahmen und Handlungsoptionen erarbeitet werden. Je nachdem, welchem Szenario sich die tatsächliche Entwicklung annähert, kann so frühzeitig eine Bestandsgefährdung für das Unternehmen erkannt werden. Dies ermöglicht die Umsetzung von bereits in der Konsequenz-Analyse erarbeiteten Gegenmaßnahmen.

Kontakt:
Falkensteg GmbH
Zeil 127
60313 Frankfurt am Main
www.falkensteg.com

Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 1
Ausgabe
1.2023
LESEN
ABO
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Tipps der Redaktion

Unsere Technik-Empfehlungen für Sie

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Aktuelle Whitepaper aus der Industrie

Unsere Partner

Starke Zeitschrift – starke Partner


Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de