Kameradrohnen: „Für mich wird es nie ein Fertig geben“

Kameradrohnen

„Für mich wird es nie ein Fertig geben“

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Erst 22 Jahre und bereits Chef dreier Firmen: Alexander Helbings Exabotix GmbH baut kundenspezifische Kameradrohnen für optische Inspektionen und Messungen auch im industriellen Umfeld.

Katrin Schreiter
Freie Journalistin in Leipzig

Der Weg zum Erfolg ist mitunter ein ungewöhnlicher. Bei Alexander Helbing verlief er durch die großelterliche Wohnung, eine Treppe hinauf und direkt auf den Dachboden seines Elternhauses. Dorthin führte der Jungunternehmer seine ersten potenziellen Kunden zu Beginn seiner Karriere. „Ich glaube, das Umfeld hat damals einige abgeschreckt“, sagt der 22-Jährige rückblickend. „Das war eindeutig nicht repräsentativ genug.“

Heute empfängt Helbing seine Kunden als Geschäftsführer auf seinem Firmengelände in Bad Lauterberg: Kunden aus Dänemark, Österreich und den USA, die in den Harz reisen, um seine Flugroboter und Flächendrohnen zu begutachten, um in der firmeneigenen Halle Testflüge zu starten und um mit ihm Verträge abzuschließen.

Weit muss sich der junge Mann an seinen Karriereanfang nicht zurückerinnern: Die Zeit, als er seine erste Auftragsdrohne auf dem Dachboden gebaut hat, ist gerade einmal sieben Jahre her. Damals hatte ihn ein befreundeter Fotograf aus dem gemeinsamen Modellflugverein gebeten, für seine Kamera ein gut steuerbares Fluggerät zu konstruieren. „Die Technik gab es bereits fürs Militär – sie war allerdings sehr teuer. Also habe ich ein wenig getüftelt und ein paar Platinen zusammengelötet – hat funktioniert.“ Helbings erster Mulitcopter war startklar.

Ohne Eigenkapital gestartet

„Es dauerte nicht lange und die nächsten Anfragen trudelten ein“, erzählt Helbing, der bereits während seiner Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik sein erstes Unternehmen Helbing-Drones gegründet hatte. Frühmorgens um vier Uhr ist er damals aufgestanden und als Azubi zur Schicht gegangen, nachmittags als sein eigener Chef auf den Dachboden. „Ich habe es mir am Anfang leicht gemacht“, erinnert er sich. „Die Leute wollten was von mir – und ich habe ihnen gesagt, sie müssten im Voraus zahlen.“ So habe er für den Start kein Eigenkapital benötigt, erklärt der Gründer, der für seine ersten Fluggeräte zwischen 5000 und 12 000 Euro verlangt hat.

Der Dachboden war schnell Geschichte. 2015 hat er das Einmann-Unternehmen Helbing-Drones in die Exabotix GmbH überführt, Räume gemietet und Mitarbeiter eingestellt. „Seitdem mache ich das hauptberuflich“, sagt der Drohnenentwickler, der sich ganz auf professionelle Flugobjekte konzentriert, die im zivilen Bereich zum Einsatz kommen. „Wir bauen die Geräte aus etwa 700 Optionen zusammen – wunschgerecht und passgenau“, erklärt er das Vorgehen. „Speziell auf die jeweilige Anwendung angepasst.“ Anfangs überwiegend für das optische Inspizieren von Windrädern, Industrieanlagen und Denkmälern, heute auch für Vermessungen aus der Luft und für Messungen in der Luft, wenn es um Schadstoffe geht.

Mittlerweile hat Helbing die Exabotix GmbH mit der Firma BBL Elektronik & Aeromet GmbH und die UFO Anwendungs- und Zerspanungstechnik zu einer Holding zusammengeschlossen. An allen drei Firmen ist er zu 50 % beteiligt – denn seit einem Jahr hat er eine geschäftsführende Partnerin, die nicht zuletzt den kaufmännischen Bereich abdeckt. „Ich bin an einen Punkt gekommen, wo ich mich gefragt habe, ob ich das noch alleine schaffen kann. Und die Antwort war: ,Nein‘“, erinnert er sich an seinen Entschluss im vorigen Jahr, Anteile zu verkaufen. „Ich möchte wieder Zeit haben, um mich mehr um die Entwicklung zu kümmern.“

Holding macht konkurrenzfähiger

Der Zusammenschluss der Firmen zur Unternehmensgruppe „macht uns noch konkurrenzfähiger“, erklärt der junge Mann, der zurzeit 17 Mitarbeiter vollzeitbeschäftigt. „Es geht um Synergien der Partnerfirmen, für die wir Kapital benötigen und um Know-how.“

Den chinesischen Markt müssten er und sein Team nicht fürchten. „Denn dort wird vorrangig für den Hobbybereich hergestellt.“ Auch auf dem deutschen Markt gäbe es derzeit keine ernst zu nehmende Konkurrenz. Stichwort Customizing: „Zum einen wird bei uns das Produkt individuell gemäß des Kundenwunschs konfiguriert, zum anderen gibt es bei uns auch Einweisung und Flugschulung. Da heben wir uns von anderen Unternehmen in der Branche ab“, glaubt Helbing, der für dieses Jahr 1,4 Mio. Euro Umsatz anpeilt.

Eine rasante Entwicklung: „Da blieb eigentlich nie Zeit, Angst vor der eigenen Courage zu haben“, schaut der 22-Jährige zurück. „Bei meiner ersten Drohne war ich schon noch etwas unsicher. Da habe ich mich gefragt: Will der Kunde das jetzt so, wie ich es umgesetzt habe? Aber es hat alles genau gepasst.“

Sich in den Kunden hineinversetzen und mitdenken, welche Anforderungen das Gerät erfüllen muss – das sind Eigenschaften, die Helbing auch an seinen Mitarbeitern schätzt. „Wir brauchen hier nicht zwingend Ingenieure – lieber flexible Freidenker mit einer starken IT-Ausrichtung, die sich mit der Elektrotechnik auskennen“, sagt er. „Für diese Arbeit benötigt man Motivation, kein Zeiterfassungssystem, bei dem der Auftrag liegen bleibt, weil man pünktlich ausstempelt.“

Traum vom perfekten Mulitcopter

Der Markt wachse schnell: „Es geht um Digitalisierung, um innovative Lösungen für die Industrie 4.0. In der Luftfahrt herrscht dagegen noch eine Dinosauriertechnik“, sagt Helbing, der sich auf einem ständigen Wachstumskurs sieht. „Ich habe kein endgültiges Ziel, für mich wird es nie ein ,Fertig‘ geben“, erläutert er. „Klar, träume ich von dem perfekten Multicopter – ein Fluggerät mit einer zuverlässigen Antikollisionserkennung und sehr langen Akkulaufzeiten.“

In der Weiterentwicklung der Fluggeräte sieht er eine konsequente Fortführung seines Hobbys auf einem deutlich höheren Niveau. „Mit dem Modellflug hat es alles angefangen. Damals hat es einfach Spaß gemacht, nach Lösungen zu suchen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.“

Mittlerweile sei natürlich mehr Ernsthaftigkeit dabei. Da gehe es nicht zuletzt um gutes Haushalten. „Bei vielen Start-ups, die am Anfang sehr viel investieren, läuft es am Ende schief. Für mich ist es jetzt vor allem wichtig, dass wir das halten können, was wir aufgebaut haben und dass die Firma weiter wächst. Das Unternehmen muss größer werden, um am Markt langfristig bestehen zu können. Da ist es von großem Vorteil, dass wir nicht von Subventionen leben.“

Wie das Unternehmen in 20 Jahren aussieht? Helbing schaut optimistisch in die Zukunft: „Da haben wir vielleicht schon 250, 300 Mitarbeiter“, sagt er und lächelt fast entschuldigend. Nach Spontaneität oder gar Planlosigkeit klingt das nicht – das hat er eher für sein Privatleben abonniert: „Mal gucken, was passiert“, sagt der junge Mann, der am besten abschalten kann, wenn er mit dem Rasenmäher stundenlang auf dem Flugplatz rumfährt. Zeit für die Familienplanung habe er ja noch genug, sagt der erfolgreiche Gründer, der gerade einmal seit vier Jahren volljährig ist.

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