Werkzeugbau: Hersteller nehmen neue Geschäftsmodelle ins Visier

Werkzeugbau

Hersteller nehmen neue Geschäftsmodelle ins Visier

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Insgesamt 18 Werkzeughersteller und Forschungseinrichtungen entwickelten in zwei Innovationsworkshops Ideen zum Thema „Werkzeug der Zukunft“. Sie haben das Potenzial, die gesamte Branche und sogar die Fertigungsprozesse völlig umzukrempeln.

Syra Thiel
Journalistin in Tübingen

Das Format „Innovationsworkshop“ ist zwar nicht neu – doch wenn bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien in der Welt der Fertigung Industrial Designer und nicht Ingenieure den Hut aufhaben, dann sind „die Ergebnisse grundlegender“, so die Erfahrung von Anja Groß, Success-Designerin und Moderatorin etlicher in diesem Jahr durchgeführter Innovationsworkshops unter dem Titel „Werkzeug der Zukunft“. Initiator der Workshops ist der Maschinendesigner Jürgen R. Schmid von Design Tech.

Mitveranstalter des Events waren die Landesnetzwerk Mechatronik BW GmbH und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH. Gunther Rieger, Leiter der Geschäftsstelle Verein Manufuture-BW der Wirtschaftsförderung Stuttgart, erklärt das eigene Engagement mit der Chance für die teilnehmenden Werkzeugbauer, „zu ganz neuen Sichtweisen und Lösungen beziehungsweise Geschäftsmodellen im Umfeld von Industrie 4.0 zu kommen“.

Eine Einschätzung, die auch die Teilnehmer teilten. Der Leiter Forschung und Entwicklung eines Schleifwerkzeugherstellers hob beispielsweise hervor, dass anders als bei den sehr homogen zusammengesetzten Veranstaltungen des Schleifmittelverbandes diesmal nicht alle Teilnehmer dieselbe Fachbrille auf hatten und die einzelnen Gruppen daher zu überraschenden Ergebnissen kamen. Ein Ansatz, den Design Tech bei allen Innovationsworkshops verfolgt, um den „Blick über den Tellerrand zu bekommen“, wie Schmid betont.

Aus der Action-Welt in die Fertigungswelt

In den Workshops „Werkzeug der Zukunft“ beschäftigten sich die Teilnehmer daher jenseits von derzeit zu realisierenden technischen Parametern zunächst intensiv mit der Frage, was das Werkzeug der Zukunft idealerweise für seine jeweiligen Kunden leisten müsste. Kein Selbstläufer, wie Anja Groß betont, die diese Fokussierung immer wieder einforderte. Denn erfahrungsgemäß kommt im Alltag die intensive und vor allem strukturierte Beschäftigung „mit den Zielen und Bedürfnissen der Kunden zu kurz“. Eine Einschätzung, die auch der Inhaber von Design Tech, Jürgen R. Schmid, teilt. Für ihn ist die „viel zitierte kundennahe Lösung eine Illusion, mit der sich die Unternehmensverantwortlichen oft selbst täuschen“.

Um Ideen abseits des Mainstreams zu generieren, forderte Groß zudem von den Teilnehmern, „das gesamte Umfeld mit all seinen Einflussfaktoren zu betrachten“. Ein Vorgehen, das „die gesamten Möglichkeiten und Chancen ans Tageslicht befördert“, so die Industrial Designerin. Wie offen die Gedanken damit werden, zeigen die Ergebnisse der Workshops.

Eine Idee „mit revolutionären Auswirkungen“, so Schmid, ist beispielsweise ein Werkzeug, das sich dem jeweiligen Bearbeitungsauftrag individuell anpasst – ähnlich wie die menschenähnlichen Action-Roboter, die sich, wenn nötig, ruckzuck in ein Auto oder einen Hubschrauber verwandeln können. Um die Analogie der immanenten Anpassung an die anstehenden Aufgaben aufzugreifen, bezeichneten die Industriedesigner ein derartiges Werkzeug dann auch folgerichtig als Transformer-Werkzeug. Die Workshop-Teilnehmer halten es für möglich, ein solches Bearbeitungswerkzeug zu entwickeln, das modular aufgebaut ist und dadurch für jeweils individuelle Bearbeitungsschwerpunkte spezialisiert werden kann.

Ein Szenario mit großer Auswirkung für die Kunden der Werkzeughersteller. Denn anstatt wie bisher eine riesige Menge an Werkzeugen vorhalten zu müssen, brauchen sie dann nur noch wenige Bearbeitungswerkzeuge, um den gesamten Herstellungsprozess eines Produktes vom 3D-Druck über die mechanische Feinbearbeitung bis hin zur Logistik abzudecken. Ein Ansatz, mit dem die Fertigungsunternehmen sich laut Schmid „viel Zeit und Geld ersparen könnten, was letztlich natürlich ihre Wettbewerbsfähigkeit stärkt“.

Plattformen überzeugen

Die Reaktionen der Werkzeughersteller, denen die verdichteten Ideen aus den Workshops präsentiert wurden, bestätigen die Einschätzung Schmids, dass die Ideen eine hohe Innovationsstärke aufweisen. „Ich finde es grandios, was vorgestellt wurde“, brachte es beispielsweise Rainer Bachmann, Vertriebsleiter von Elabo MTS, auf den Punkt. Ihm helfen die Ideen, „mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und so zu erfahren, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen“.

Angeregt von den Ergebnissen zeigte sich auch Johannes Glaser, Leiter Innovationsmanagement der Hawe Hydraulik SE. Er wird seinen Kollegen mit Sicherheit davon erzählen und „mittelfristig prüfen, welchen Impact die Ideen auf das eigene Unternehmen haben“. Überrascht zeigte er sich nach der Präsentation davon, dass sich so viele Fachexperten beim Thema „Werkzeug der Zukunft“ auch über Plattformen Gedanken machen.

Die Teilnehmer der Workshops hatten die Idee von einem Marketplace entwickelt, der konsequent die Bedürfnisse der Kunden verfolgt. Nach der Vorstellung der Fachexperten, wäre es ideal, wenn Kunden ihren Auftrag einfach über einen solchen Marktplatz abwickeln. Dafür speisen sie ihre Anforderungen – beispielsweise wann, wo und zu welchen Konditionen sie welches Produkt produziert haben möchten – auf diese Plattform ein. Aufgrund dieser Spezifikationen und abhängig von der Maschinenauslastung würde dann der jeweilige Produktionsstandort gewählt. Für die Fertigung seiner Produkte zahlt der Kunde dann lediglich eine Nutzungsgebühr (Pay-per-use). Das heißt, er müsste weder Maschinen noch Werkzeuge kaufen – er würde damit nur noch für die Nutzungszeit der Geräte zahlen.

Für die Produzenten und Kunden hätte das enorme Vorteile. Sie müssen für die Umsetzung ihrer Produktideen nicht mehr in Vorleistung zu gehen, um beispielsweise in einen Maschinenpark zu investieren. Dies würde das unternehmerische Risiko enorm reduzieren. Darüber hinaus würden sie schneller und flexibler agieren können. Selbst eine „Losgröße eins“ ließe sich laut Schmid so profitabel produzieren. Die Umsetzung der dargestellten Ideen ist dabei nicht nur für die Industrial Designer machbar. Auch die Unternehmensvertreter, denen im Juli 2017 die Ergebnisse präsentiert wurden, halten wie Peter Schweiger, Leiter Innovationsmanagement bei Mayer & Cie. „die Konzepte vom Prinzip her für realistisch“.

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