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Industrie 4.0: Indiens IT-Industrie treibt Wandel des Maschinenbaus voran

Industrie 4.0 in Indien
Indiens IT-Branche treibt Wandel im Maschinenbau voran

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Im globalen Vergleich steht Indien bei der Industrie 4.0 zwar noch am ganz am Anfang – aber das Potenzial ist gewaltig. Allerdings gilt es auch, erhebliche Hindernisse zur Seite zu räumen.

Oliver Schulz
Freier Redakteur in Reinbek

Indien galt lange als wichtiges globales Zentrum für die Softwareentwicklung. Um die Jahrtausendwende entwickelte sich fast schon ein Klischee vom sprichwörtlichen IT-Inder. Zuletzt ist es ein bisschen ruhig geworden um diese Branche in dem Land, das jedes Jahr zehntausende von IT-Experten an seinen Hochschulen hervorbringt und in dessen Technologiezentren wie Hyderabad und Bangalore bis heute internationale und natürlich auch deutsche Unternehmen produzieren und entwickeln.

So ruhig wie traditionell ist eine andere Branche, die in der Ökonomie des Landes zwar eine zentrale Bedeutung hat – aber in der Öffentlichkeit weit weniger beachtet wird: die verarbeitende Industrie. Beide Geschäftszweige zusammen erfahren nun einen Schub, der sich durch die Coronakrise noch einmal verstärken dürfte: Industrie 4.0 ist ein Zukunftskonzept, das für die Wirtschaft Indiens besonders aussichtsreiche Perspektiven bietet.

Derzeit belegt Indien Platz sechs unter den größten Industrienationen. Das verarbeitende Gewerbe hinkt im Vergleich zu China und den südostasiatischen Ländern klar hinterher. Zwar sind die jährlichen Anlageinvestitionen seit 2015 um rund ein Drittel auf zuletzt 135 Mrd. US-Dollar gestiegen. Auch haben die indischen Maschinenbauexporte in den letzten Jahren um 10 % zugelegt, aber im Vergleich zu den Exporten etwa des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) – und auch weltweit – stagnierten sie in den vergangenen 10 bis 15 Jahren bei 0,8 bis 1 %. Der Grund ist, dass die meisten Maschinenbauer niedrige oder höchstens mittlere Qualität liefern. Gleichzeitig mangelt es an schierer Masse.

Initiative „Make in India“ beschleunigt Modernisierung und Automatisierung

Indiens Industrie muss effizienter werden – und gleichzeitig die Produktqualität in vielen Sparten deutlich erhöhen, um sich auf dem internationalen Markt besser zu behaupten. Genau das ist auch das erklärte Ziel der vor rund fünf Jahren von der Regierung gestarteten Initiative „Make in India“: In ihrem Rahmen soll das Land bis 2022 zur Nummer fünf weltweit unter den Industrienationen werden, der Anteil der verarbeitenden Industrie am Bruttoinlandsprodukt soll von heute 17 auf 25 % hochgeschraubt werden.

Dafür setzt New Delhi auf Modernisierung und Automatisierung. Besonders deutlich wird dies in der Elektronikbranche, wo die Regierung die Rahmenbedingungen schafft, um die Herstellung von Hightech-Produkten stärker zu fördern. So wurden etwa die Beteiligungsgrenzen für ausländische Direktinvestitionen in der Branche ebenso abgeschafft wie die Einfuhrzölle auf 35 Schlüsselbauteile für die Handyproduktion. Eine Reihe internationaler Hersteller hat mittlerweile nach Angaben von German Trade and Invest (GTAI) Fertigungsstandorte in dem Land eingerichtet – etwa die taiwanischen Auftragsproduzenten Foxconn und Wistron, die dort unter anderem Mobiltelefone für Nokia, Xiaomi und Apple fertigen. Bis 2025 soll die Elektronikfertigung in Indien nach dem Plan New Delhis von heute 60 Mrd. auf 400 Mrd. US-Dollar steigen.

Volkswirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie ist immens

Besonders unter Modernisierungsdruck stehen die Autobauer. Als größte Herausforderung für die Branche gelten hohe Investitionsausgaben, unzureichendes Know-how, mangelnde Infrastruktur und fehlende angemessene Cyber-Sicherheitsnormen. „Mit sieben Prozent des nationalen Bruttoinlandsproduktes leistet die indische Automobilindustrie einen wichtigen Beitrag zu unserer Wirtschaft“, betont Vinnie Mehta, Generaldirektor der Automotive Component Manufacturers Association (ACMA). „Aus Sicht der Automobilindustrie wäre wesentlich für den weiteren Erfolg der Branche, wie die OEMs den Wandel in der gesamten Wertschöpfungskette durch geeignete Ausrichtung und Handhabung vorantreiben und leiten könnten.

Ob Autobau und Elektronik – oder auch Maschinenbau und Metallindustrie: Die indische IT-Branche wird in Zukunft genau diesen Wandel weiter vorantreiben. Speziell für den Industriesektor hat die indische Regierung im Rahmen ihrer Digitalstrategie die Initiative Samarth/Udyog Bharat 4.0 ins Leben gerufen. Sie soll als Plattform für Unternehmen und Industrieverbände zur Entwicklung und Implementierung Lösungen für das Internet der Dinge (IoT) dienen. Ziel ist, die indische Fertigungsindustrie durch Demonstrationszentren für Industrie 4.0 zu sensibilisieren. Derzeit gibt es vier Zentren im Land.

Im Bereich IoT sind auch deutsche Player aktiv. So hat Siemens 2019 im südindischen Bangalore ein „Digital Experience and Application Center“ (DEX) eröffnet. In dem Showroom werden Industrie-4.0-Lösungen speziell für den Einsatz in Werkzeugmaschinen präsentiert. Simuliert werden dort Drehen und Fräsen, um optimale Ergebnisse für Werkstück und Maschine. „Die Top-CNC-Maschinenbauer in Indien, die Dreh-, Fräs- oder 5-Achs Werkzeugmaschinen herstellen, profitieren vom DEX in Bangalore“, sagt Dominik Riehle, verantwortlich für die weltweiten DEX im Bereich Motion Control bei Siemens.

Schwerpunkte verlagern sich auf das Thema Digitale Fabrik

So nutzen die CNC-Hersteller das Center auch, um neue Sinumerik-Softwarestände zu validieren, oder um ihre mechanische und elektrische Konstruktion zu optimieren. Von Inbetriebnahme-, Service- oder Anwendungsspezialisten über Werkzeugmaschinenherstellern, Händlern und Endkunden – etwa Automobil, Aerospace, Formenbau – bis hin zu Ausbildern seien so gut wie alle Bereiche im Umfeld der CNC Sinumerik vertreten: „Wir sehen jedoch eine klare Verlagerung der Schwerpunkte auf das Thema Digitale Fabrik, in der Design, Planung, Arbeitsvorbereitung und Produktion optimiert werden, um den besten Produktionsprozess zu definieren und somit die gewünschten Zerspanungsergebnisse zu erhalten“, so Riehle. Er sei davon überzeugt, dass die Digitalisierung nicht ausschließlich für den großen Endkunden und Maschinenbauer Chancen birgt, sondern auch speziell für die kleinen und mittleren Unternehmen in Indien: „Siemens bietet daher modulare Digitalisierungskonzepte, möglichst reibungslos die Fertigungsebene mit der IT-Infrastruktur verbinden und erweitern.“

Und das könnte entscheidend für die Zukunft sein. Durch die Coronakrise ist insbesondere Indiens Maschinenbauindustrie stark unter Druck geraten. Investitionen wurden zurückgehalten, die Nachfrage ging zuletzt gegen Null. Ebenso hat die Autoindustrie durch sinkende Nachfrage einen massiven Dämpfer erhalten. Zu den Profiteuren gehören auch in Indien der E-Commerce, IT und Telekommunikation. Digitale Lösungen dürften in Zukunft in Indiens Industrie noch mehr gefragt sein als vor der Pandemie. Industrie 4.0 kann jetzt schon als Krisengewinner betrachtet werden.

Kontakt:

Siemens AG
Frauenauracher Str. 80
91056 Erlangen
Tel. +49 913198–0
www.siemens.com

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