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Automatisierung: „Industrie 4.0 spielt SMC in die Karten“

Automatisierung
„Industrie 4.0 spielt SMC in die Karten“

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Kundenindividuelle Lösungen sind die Spezialität von SMC Deutschland. Damit erfüllt der Spezialist für Automatisierungstechnik bereits ein Kennzeichen der Produktion nach Industrie 4.0-Maßstäben. Wie sich die Egelsbacher positionieren, erläutert Christian Ziegler, Leiter Marketing & Product Management. ❧

Das Interview führte Dietmar Kieser

Herr Ziegler, SMC Pneumatik firmiert seit Juni als SMC Deutschland GmbH. Warum die Umbenennung?

Wir wollen uns im Firmennamen nicht mehr auf nur eine Technologie einschränken. Unser Portfolio ist seit Gründung der deutschen Tochtergesellschaft vor knapp 40 Jahren deutlich breiter geworden. So führen wir neben der pneumatischen und elektrischen Automatisierungstechnik beispielsweise auch Kühl- und Temperiergeräte sowie Ionisierer im Programm. Daraus generieren wir Lösungen für sechs industrielle Kernbranchen von Automobil und Elektronik über Lebensmittel/Verpackung und Life Science bis hin zu Robotik/Handling und Werkzeugmaschinen.

Welchen Anteil am Produkt-Portfolio hat die Pneumatik?

Über 70 Prozent. Die Pneumatik wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Obgleich öfters die Frage nach ihrer Substitution aufkommt, belehrt diese Technologie ihre Kritiker immer wieder eines Besseren. Über die letzten zehn bis 15 Jahre hinweg läuft die Pneumatik in Deutschland vielen Technologien beim Wachstum den Rang ab. So erwartet der Branchenverband VDMA für dieses Jahr ein Plus von rund zehn Prozent. Das liegt auch daran, dass die Pneumatik validiert und gut einsetzbar ist.

Mit welcher Strategie ist der weltgrößte Pneumatikhersteller in Deutschland unterwegs?

Die Strategie ist, dem Kunden die richtige Lösung anzubieten. Das kann eine pneumatische Lösung ebenso sein wie eine elektrische. Wird etwa eine Klappe einmal oder wenige Male am Tag geöffnet und wieder geschlossen, dann ist die Pneumatik sicher die bessere und kostengünstigere Lösung, dazu extrem robust und überlastfähig. Muss hingegen eine Klappe 60 Mal in der Minute bewegt und dabei extrem genau und unterschiedlich positioniert werden, dürfte die elektrische Antriebstechnik gesetzt sein. Je nach Anwendungsfall empfehlen wir die geeignete Lösung. Deshalb entwickeln wir die Pneumatik weiter und bauen die elektrische Automatisierungstechnik, wie schon in den letzten Jahren, weiter aus. Da wir auch die Lineartechnik im Portfolio haben, liefern wir komplette elektromotorisch betriebene Achsen. Das reicht bis hin zu Greifern in pneumatischer wie auch elektrischer Ausführung, und das oft bei gleichen Einbaumaßen.

Der deutsche Automatisierungsmarkt ist stark besetzt. Wie differenziert sich SMC?

Mit der pneumatischen und elektrischen Automatisierungstechnik sowie der Lineartechnik bieten wir drei Technologien. Damit sind wir im Vorteil, wenn Kunden die Zahl ihrer Lieferanten verringern und Aufträge bündeln, um Skaleneffekte zu erzielen. Zweitens schaffen wir kundenindividuelle Lösungen. Sollte sich trotz unserer 12 000 Basismodelle und 700 000 Produktvarianten keine kundenspezifische Baugruppe erstellen lassen, entwickeln und designen wir diese in unserem Technical Center in Egelsbach in direkter Abstimmung mit dem Kunden. Allein hierfür engagieren sich 84 Entwickler, Konstrukteure und Designer. Als drittes Differenzierungsmerkmal entsenden wir vertriebsorientierte Ingenieure mit mobilen CAD-Stationen zum Kunden, um vor Ort das passende Design für die Lösung zu finden. Werden die Daten eines so definierten virtuellen Prototyps an unseren 3D-Drucker gesendet, erhält der Kunde in kurzer Zeit ein erstes Muster an die Hand.

Dann bestimmt eher die kleinere Losgröße Ihr Tagesgeschäft?

Ein Montageauftrag beinhaltet in der Regel weniger als zehn Einheiten eines Produktes. Das zeigt, dass unsere mehr als 100 Produktionsmitarbeiter in Egelsbach vorwiegend Sonderlösungen in kleineren und deshalb zahlreicheren Losen fertigen. Aufgrund der Variantenvielfalt ist unsere lokale Produktion mit rund 40 modernen Produktionsmaschinen und Bearbeitungszentren auch nicht vollautomatisiert. Anders sieht es in unserem weltweiten SMC-Produktionsnetzwerk aus, in das auch unsere deutsche Produktionsstätte eingebunden ist. So laufen beispielsweise in großen Werken in Japan oder Tschechien Standardkomponenten aus automatisierten Fertigungs- und Montagelinien vom Band.

Das deutet auf eine hohe Fertigungstiefe hin…

…. die wir auch weiterhin erhöhen werden, um möglichst viele Glieder in der Wertschöpfungskette direkt beeinflussen zu können. Das macht uns einerseits unabhängiger von Zulieferern, andererseits können wir sehr früh in die Prozesse eingreifen und bei Bedarf Änderungen vornehmen, ohne sie zeitaufwendig mit Lieferanten abklären zu müssen. Da wir die Produktion selbst steuern, lässt sich eine spezifische Lösung sehr zeitnah realisieren.

An welchen Trendthemen richten sich die Entwicklungen von SMC Deutschland aus?

Das sind ganz klar die Themen Energieeffizienz, Sicherheit und Industrie 4.0. Vor allem die digital vernetzte Produktion mit ihrem Ziel, individuelle Produkte zu Kosten einer Massenproduktion herzustellen, spielt uns als SMC Deutschland in die Karten. Als Anbieter richten wir unseren Fokus überwiegend auf die kundenspezifische Lösung. Deshalb arbeiten wir daran, Komponenten intelligenter und einfacher vernetzbar zu machen, bis hin zur Auslegung als Cyber-physikalisches System und die Umsetzung als digitaler Zwilling.

Können Sie dies konkretisieren?

In puncto Kommunikation bei schneller Vernetzung zeichnet sich der Standard OPC UA und dessen echtzeitfähige Erweiterung, Time Sensitive Network oder kurz OPC UA TNS genannt, ab. Auf der Shopfloor-Ebene in Richtung Sensorik ist IO-Link ein spannendes Thema. Zum Thema IO-Link-Produkte haben wir in unserem Industrial Application Center einen Demonstrator aufgebaut. Konkret handelt es sich unter anderem um eine Ventilinsel und einen neuen Positionssensor mit IO-Link-Technologie. Eingesetzt etwa in einer Montagelinie, lassen sich dadurch Produkte flexibel in verschiedenen Varianten zusammenbauen. Oder eine mit Webserver integrierte Ventilinsel könnte eine Wartung vorausschauend und damit ausfallsicher machen. Beim Thema Mensch-Roboter-Kollaboration wird der Safety-Aspekt immer wichtiger. Vor allem von der Sicherheit des Roboters versprechen wir uns als SMC einen Schub. Gerade in der Sicherheitstechnik nach ISO 13849 und entsprechend validierten Produkten und Komponenten sind wir sehr gut aufgestellt, um den Performance Level PL zu erreichen.

Wie sehr beeinflusst Industrie 4.0 die Innovationstätigkeit bei SMC?

Die Richtung, in die wir entwickeln, ist stark davon beeinflusst. Die Investitionen der SMC-Gruppe in Forschung und Entwicklung in Höhe von 160 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr unterstreichen diesen Trend.


Vita Christian Ziegler

Christian Ziegler verantwortet bei SMC Deutschland das Marketing wie auch Product Management. Ausgebildet als Energieelektroniker, studierte er anschließend Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Aschaffenburg. Seine berufliche Laufbahn startete Ziegler bei Bosch Rexroth als technischer Assistent. Nach einer Projektleitung übte er verschiedene Aufgaben in leitender Funktion aus. Zuletzt war der passionierte Radrennfahrer dort für den Bereich Industrie Marketing in der Business Unit Industrial Applications verantwortlich.

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