Siegwerk setzt in der Produktentwicklung auf einheitliche IT-Plattform

Bunte Vielfalt nur bei Druckfarben

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Siegwerk, Hersteller von Druckfarben für Publikationen und Verpackungen aller Art, hat mit Unterstützung von Adesso seinen kompletten Prozess der Produktentwicklung überarbeitet. Eine neue IT-Plattform schafft harmonisierte und vernetzte Abläufe.

Wenn Dr. Jörg Prust von Produktentwicklung spricht, denkt der promovierte Chemiker nicht in Wochen oder Monaten. „Bei Siegwerk haben wir häufig nur ein paar Tage Zeit, um für unsere Kunden eine neue Druckfarbe zu entwickeln“, beschreibt der Leiter Business-Prozesse „Product Lifecycle Management“ die Situation in seinem Unternehmen. „An unseren Standorten in aller Welt kommen so täglich mehrere hundert neue Farben zusammen.“ Entsprechend groß ist die Bedeutung, die dem Prozess der Produktentwicklung und -einführung zukommt.

Zu viele lokale Lösungen für einen zentralen Prozess
Von Lotus Notes bis Microsoft Excel setzten die IT-Experten an den Standorten eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Anwendungen ein. Auf wichtige Informationen wie Rezepturen oder Produktionsverfahren konnten die Beteiligten bis dahin nur lokal zurückgreifen; eine Siegwerk-weite Datenbank stand ihnen nicht zur Verfügung. Nicht die besten Voraussetzungen, damit Informationen ungehindert fließen können. „Der Erfahrungsaustausch zwischen Anwendern ist für uns die Kernkompetenz im Bereich Forschung und Entwicklung“, bringt es Prust auf den Punkt. „Genau der war mit der Vielfalt der unterschiedlichen Abläufe aber kaum zu erreichen.“
Deshalb sollten einheitliche Prozessabläufe durch eine gemeinsame IT-Lösung unterstützt werden. „Ein für uns so zentraler Prozess wie die Produktentwicklung wurde lokal ganz unterschiedlich gehandhabt“, erläutert Prust. „Was an den einzelnen Standorten gut funktioniert, ist aber nicht zwingend der richtige Weg für das ganze Unternehmen.“ Das sogenannte „InkPortal“ soll nun Abhilfe schaffen: Ziel des Projektes ist es, mithilfe einer neuen Plattform harmonisierte und vernetzte Abläufe zu schaffen – keine einfache Aufgabe bei mehr als 30 Landesgesellschaften und über 200 000 Produkten.
Solch ein umfangreiches Projekt muss möglichst breit in einem Unternehmen verankert sein, wenn es zum Erfolg führen soll. Entsprechend stellten die Verantwortlichen bei Siegwerk auch das Projektteam auf: Nicht nur Kollegen aus den Laboren – die klassische Zielgruppe beim Thema Produktentwicklung – wurden einbezogen, sondern auch Kollegen aus Verkauf, Einkauf und Produktion. Am Tisch saßen Chemiker, Bereichsleiter, Abteilungsleiter oder Global-Verantwortliche. Über 35 Mitarbeiter aus allen Siegwerk-Regionen arbeiteten an der Entwicklung des „InkPortals“ mit.
Einfach in der Bedienung, ansprechend für das Auge
Eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Projektes spielte die anwenderfreundliche Umsetzung des Portals. Prust beschreibt das so: „Uns war von vornherein klar: Die Akzeptanz des „InkPortals“ steht und fällt mit seinem Design. Einfach in der Bedienung und ansprechend für das Auge – das war für uns die Maßgabe.“ Gleichzeitig mussten die technischen Grundlagen stimmen. Siegwerk setzt in vielen Bereichen des Unternehmens auf Lösungen von Microsoft. Entsprechend bevorzugten die Entscheider eine Lösung, die sich in die Infrastruktur integriert. Als Entwicklungsplattform nutzt Siegwerk das Microsoft .NET Framework, als Datenbanksystem Microsoft SQL Server und Microsoft Internet Information Server als Webserver.
Für die Umsetzung der Anforderungen wurde ein passender IT-Dienstleister gesucht. Im Rahmen eines umfangreichen Ausschreibungsprozesses konnten sich die Experten von Adesso durchsetzen. Die Entscheidung für Adesso fiel im Sommer 2013. „Bei Adesso überzeugten uns sowohl die IT-fachliche Kompetenz als auch die Designfähigkeiten. Wir haben auf der einen Seite Experten, die sich um die Entwicklung und Struktur der Software kümmern. Auf der anderen Seite sorgt ein Team dafür, dass diese Lösungen anwenderfreundlich aufgebaut sind und modern aussehen“, so der Projektverantwortliche Prust.
Gemeinsam gingen Siegwerk und Adesso daran, den ganzen Prozess der Produktentwicklung zu überarbeiten. Dabei setzten sie auf Scrum, eine Projektmethodik, die zügig Erfolge verspricht.
Scrum bei Siegwerk: Agilität trifft Realität
Um das „InkPortal“ wie geplant zu entwickeln, musste das Projektteam zahlreiche Abläufe neu überdenken. Als Beispiel nennt Prust den sogenannten Scale-up-Prozess: Ein Produkt (beispielsweise eine neue Druckfarbe) wird im Labor entwickelt und anschließend übertragen die Experten die Vorgaben an die Produktion. Aber: Rezepturen, die im Labor das gewünschte Ergebnis liefern, müssen im großen Maßstab der Fertigung nicht zwingend zum gleichen Ergebnis führen. Labor und Produktion müssen gegebenenfalls nachjustieren. Bisher wurden diesem Scale-up-Prozess an den einzelnen Standorten unterschiedliche Kriterien zugrunde gelegt. Jetzt entwickelten die Beteiligten im Rahmen des Projektes einen einheitlichen und schlanken Anforderungskatalog. Diese Checkliste ist Teil des „InkPortals“. So lassen sich Erfahrungen, die an einer Stelle im Unternehmen gemacht werden, an anderer Stelle nutzen.
„Von diesen Prozessen gab es einige Dutzend, die wir uns im Detail anschauen mussten“, erläutert Prust. Um der Vielfalt der Prozesse und Anforderungen Herr zu werden, arbeitete das Team auf Basis der Scrum-Idee. Bei der klassischen, sogenannten Wasserfall-Methodik setzten die Beteiligten das ganze Projekt in einem großen Wurf um. Bei Scrum arbeiteten sie die Themen in kleineren, agilen Schritten ab. Ein fundamentales Umdenken, das große Auswirkungen auf die Geschwindigkeit des Projektteams hatte. „Bevor wir auf Scrum setzten, benötigten wir drei bis vier Tage pro Workshop. Jetzt haben wir nach einem Tag Ergebnisse, mit denen wir arbeiten können“, fasst der Projektverantwortliche zusammen.
Ein Vorteil: Die Arbeitsverteilung ist im Projekt klar geregelt: Die Siegwerk-Experten steuern ihr Geschäfts- und Prozesswissen bei, die Adesso-Fachleute entwickeln auf dieser Basis die Elemente des „InkPortals“. Zudem wurde im Laufe der letzten Wochen aus der klassischen Kunde-Dienstleister-Beziehung ein „Wir-sind-ja-ein-Team“-Gefühl. Eine positive Entwicklung, die laut Prust auch auf den Scrum-Projektansatz zurückzuführen ist: „Wir arbeiten deutlich enger zusammen und das während des gesamten Projektzeitraumes. Das schweißt natürlich zusammen.“ Norbert Schoog, Projektleiter und Scrum-Master bei Adesso, ergänzt: „Durch das iterative Vorgehen mit kurzen Feedbackzyklen befinden wir uns im kontinuierlichen Austausch. Wie auf einer Segeltour wissen wir genau, welchen Hafen wir erreichen wollen, entscheiden aber je nach Situation, welche Segel wir setzen müssen, um unser Ziel zu erreichen.“
„Wir haben an Mobilität von Anfang an mitgedacht“
Ziel des Projektes war eine attraktive Plattform, die agil entwickelt wird und die möglichst überall eingesetzt werden kann. „Für uns war das Thema Mobilität nicht etwas, was wir am Projektende auch noch irgendwie berücksichtigen wollten. Wir haben beim Thema Mobilität von Anfang an mitgedacht“, erläutert Prust den Stellenwert. Egal ob Desktop, Tablet oder Smartphone, ob am Schreibtisch, im Labor oder beim Kunden: Nicht der Anwender sollte sich dem „InkPortal“, sondern die Plattform dem Anwender anpassen.
So wurde eine Lösung auf Basis von Microsoft .NET MVC 5 und dem MVVM-Framework AngularJS von Google entwickelt. Die Anwender können so auf einen Blick sehen, welche Aufgaben anstehen. Die Lösung fasst die wichtigsten Informationen auf Dashboards zusammen und zeigt, welche Informationen sich mit der Maus oder den Fingern bedienen lassen. „Sehen, Klicken, Handeln war für uns die Maßgabe der Entwicklung“, beschreibt Norbert Schoog die Zielsetzung. „Das bedeutet, im „InkPortal“ Anwendern im richtigen Moment genau die Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, nicht weniger und, genauso wichtig, nicht mehr.“
Im Sommer 2013 entwickelte das Adesso-Team um Software-Architekt Dr. Gregor Segschneider und UX-Spezialistin Nella Klopotek von Glowczewski herum einen Prototyp. So konnten sich alle Beteiligten im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon machen, was gestalterisch sinnvoll und technisch möglich ist. Viele Elemente der späteren Lösung waren bereits in dieser frühen Version zu finden. Das eigentliche InkPortal-Projekt startete im Dezember desselben Jahres und wird voraussichtlich bis Oktober 2014 laufen. Die Lokalisierung des Portals sowie die Rollouts in den Regionen sollen im Anschluss folgen. „Zwei Drittel der Wegstrecke bei der Entwicklung liegen hinter uns“, fasst Prust zusammen. „Am Ende werden zirka 1000 Anwender mit der neuen Lösung arbeiten.“ •
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