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„Der einzelne Mensch ist wichtiger geworden“

Gfos-Chef Burkhard Röhrig will den MES-Hebel bei der Personaleinsatzplanung ansetzen
„Der einzelne Mensch ist wichtiger geworden“

„Die Unternehmen im produzierenden Bereich haben die Bedeutung des Faktors Mensch/Personal erkannt und reagieren darauf.“
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Die Bedeutung von Personal nimmt auch in der Produktion immer weiter zu. Intelligente MES-Lösungen unterstützen diesen Trend. Zum wichtigen Effizienzposten Personal, aber auch zur Standardisierung und Mobile-Tools befragten wir Gfos-Chef Burkhard Röhrig.

Auf welche Schwerpunkte konzentriert sich Ihr Unternehmen mit welcher Strategie und mit welchem Erfolg?

Wir arbeiten im Bereich Workforce Management und im Bereich MES branchenübergreifend und zählen in beiden Segmenten zu den Marktführern. Wir sind immer dicht am Markt und produzieren das, was der Kunde wirklich braucht. Außerdem haben wir – in aller Unbescheidenheit – ein gutes Gespür für wichtige Trends wie beispielsweise „Mobile“.
Die gesteigerte Nachfrage nach unseren Produkten und Dienstleistungen im Jahr 2011 bestätigen das. Wir haben mehr als 25 Prozent Wachstum im Umsatz und 50 Prozent im Auftragseingang. 2011 war damit das erfolgreichstes Jahr seit Firmengründung.
Maschinenbau, Chemie, Serienfertiger, Einzelfertiger usw. – welche Zielgruppe adressieren Sie?
Wir sind in allen von Ihnen erwähnten Branchen erfolgreich tätig. Aber genauso könnten Sie die Logistik, die Nahrungsmittelindustrie, die Metallerzeugung und -verarbeitung nennen. Auch im Bereich MES wollen wir mit unserer Software ein Plattformprodukt vorhalten und ständig an die sich neu ergebenden Anforderungen ausrichten. Daher stellen Investitionen in die Weiterentwicklung für uns eine Selbstverständlichkeit dar.
Wie ist der Stand bei der Definition von welchen Standards für Kennzahlen?
Wir sind Gründungsmitglied einer Initiative, die sich durch die maßgebliche Unterstützung des VDMA und der Obmänner Andreas Kirsch, Guardus Solution AG in Ulm, und Dr. Robert Patzke, MFP GmbH in Wunstorf, erfolgreich bemüht, die gemeinsam erarbeiteten MES-Kennzahlen nun zum ISO-Standard zu erheben. Natürlich ist das international ein Thema, bei dem viele mitreden wollen, deshalb nimmt der Prozess viel Zeit in Anspruch. Die zu diesem Thema verfassten VDMA-Einheitsblätter, auf deren Grundlage die ISO-Zertifizierung erfolgt, gehören zu den erfolgreichsten des VDMA überhaupt.
Bringt nicht auch eine proprietäre, aber optimal an das Unternehmen angepasste Software den entscheidenden Wettbewerbsvorteil?
Es geht ja gar nicht immer nur um Software. Software, egal von wem, ermöglicht einen Weg zur Optimierung des Fertigungsgeschehens. Die mit der Software bereitgestellten Ergebnisse müssen natürlich entsprechend schnell auch in Veränderungen, Reaktionen und Organisationsmaßnahmen einfließen. Wichtig ist es, dass man sich dabei zunächst auf das Wesentliche konzentriert und vor allem die Machbarkeit im Auge behält. Ein Betrieb darf nicht überfrachtet werden mit Einführungsvorhaben oder Umorganisation. Es muss verkraftbar sein. Langfristig betrachtet ist Standardsoftware, die womöglich weitestgehend auf die individuelle Anforderungen des Kunden parametriert werden kann, also nicht individuell angepasst werden muss, die preiswertere, weil pflegeleichtere Alternative. Unsere Softwarefamilie gfos hat den Vorteil, dass es sich dabei um eine Standardsoftware handelt, die durch diverse Parametrierungen perfekt an die besonderen Bedürfnisse von Kunden angepasst werden kann. Darüber hinaus bieten wir auch spezielle Branchenlösungen an, wie beispielsweise gfos.Food für die Lebensmittelindustrie. Im Segment der deutschen Nahrungsmittelindustrie sieht sich die Gfos mit ihrer MES-Lösung als Marktführer.
Lässt sich auch die Bedeutung der Mitarbeiter in Kennzahlen fassen?
Ob sich die Bedeutung von Mitarbeitern in Kennzahlen fassen lässt, da habe ich meine Zweifel. Generell lässt sich in Bezug auf die Produktion sagen, dass durch den eingeleiteten Prozess einer zunehmenden Automatisierung und Rationalisierung die zu erledigenden Arbeiten von weniger Menschen und von diesen meist mit höherer Verantwortung wahrgenommen werden. Dadurch allein schon ist der einzelne Mensch wichtiger geworden. Hinzu kommt, dass durch die zunehmende Automatisierung auch die Anforderungen an die Qualifikation des betroffenen Bedieners sehr häufig gestiegen sind. Folge hiervon ist, dass Aus- und Weiterbildungen immer wieder erforderlich sind.
Zum Beispiel wurden aus Mechanikern Mechatroniker. Aber häufig ist auch eine stärkere Spezialisierung zu beobachten. Die Maschinenfähigkeit bezieht sich nicht mehr nur auf bestimmte zu verwendende Materialien, sondern auch auf das häufig hoch spezialisierte Bedienpersonal wie auch Instandhalter. Daher ist es wichtig, durch geeignete Maßnahmen das sehr gut ausgebildete und erfahrene Personal möglichst an das Unternehmen zu binden. Wir haben dies auch schon in der letzten Wirtschaftskrise feststellen können, dass sehr viele Firmen versucht haben, ihr Personal trotz zu geringer Auslastung zu halten, was letztlich auch eine Konsequenz hieraus ist.
Die Anforderungen der Märkte an die Unternehmen steigen. Wie können diese darauf im Hinblick auf ihre Mitarbeiter reagieren?
Betriebe und Unternehmen müssen sich heute zunehmend als attraktive Arbeitgeber beweisen. Für gut ausgebildetes und räumlich flexibles Personal haben wir in Deutschland gefühlt Vollbeschäftigung. Das heißt, dass diese Mitarbeiter überall arbeiten können und es daher erforderlich ist, ihre Identifikation mit dem Unternehmen, in dem sie arbeiten, zu festigen. Unternehmen aller Art haben daher erkannt, wie wichtig es ist, ihre Mitarbeiter zu halten und neue zu bekommen. Die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität ist in vielen Unternehmen zu einer wichtigen Grundsatzfrage geworden. Hierzu gehört auch, dass in vielen Unternehmen versucht wird, die Arbeitszeiten der Mitarbeiter bestmöglich auf die Verfügbarkeiten und Wünsche der Mitarbeiter auszurichten, genauso wie die Work-Life-Balance zu berücksichtigen. Dienst- oder Schichttauschbörsen gehören genauso dazu wie individuelle Teilzeitmodelle.
Der Fachkräftemangel ist ein wichtiges Thema – was raten Sie den Unternehmen?
Letztendlich hängt vieles von der individuellen Situation des Unternehmens ab. Hier in NRW gibt es beispielsweise eine Initiative, bei der die Unternehmen einen sogenannten Demographie-Scout in Anspruch nehmen können, um die Auswirkungen des demographischen Wandels in Bezug auf das eigene Unternehmen analysieren und sich ebenfalls entsprechende Handlungsempfehlungen geben zu lassen.
Wir haben schon seit einiger Zeit einen Arbeitnehmermarkt und die Unternehmen, denen das klar geworden ist, versuchen eben vieles für ihre Mitarbeiter zu tun. Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz, Weiterbildungsprogramme, Tipps zur Ernährung, Freizeitprogramme, Firmenveranstaltungen oder auch nur einfach eine sehr gute Kantine zu attraktiven Preisen und natürlich auf die Mitarbeiterbelange ausgerichtete Arbeitszeitmodelle schaffen häufig eine Motivation und Bindung, die eine ausgesprochene Gehaltserhöhung überdauern.
Wenn ein Arbeitgeber so gar nicht weiß, was er wo verbessern kann, dann sollte man es vielleicht einmal mit einer anonymen Mitarbeiterbefragung oder einer Plattform für Verbesserungsvorschläge im Intranet versuchen. Wir selbst haben damit sehr gute Erfahrungen gesammelt.
Zurück zur Technik: wie wichtig ist Web-Fähigkeit für mobile Anwendungen bei MES?
Sehr wichtig. Ich zähle mal die Einsatzmöglichkeiten der mobilen MES-Lösung auf: Produktionskennzahlen als mobiles Dashboard, mobile Detailauswertungen mit Fehleranalysemöglichkeiten, Alarmmanagement als mobiler Workflow, mobiler Workflow auch zur Personaleinsatzplanung sowie mobile Datenerfassung, vor allem auch genutzt in der Instandhaltung und Kopplung des MES mit externen Apps.
Was bedeuten SOA, Cloud oder On Demand in diesem Zusammenhang?
Sicherheit wird bei Gfos immer groß geschrieben. Die mobil genutzten Daten werden mittels https verschlüsselt und erst bei Erreichen der Datenbank entschlüsselt. Eine Datenmanipulation wird so von vornherein ausgeschlossen. Die Daten liegen zentral bei uns oder beim Kunden, aber immer auf einem gesicherten Server. Derzeit fehlt beim Thema Cloud noch die Akzeptanz, so dass sich die Cloud, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren durchsetzen wird. Mit unserem MES werden aber in der Realität IST-Fahrdaten oder auch IST-Rezepturen administriert und visualisiert. Diese Informationen machen die Kernkompetenz der jeweiligen Unternehmen aus. Glauben Sie, dass diese Informationen in fremde Hände gegeben werden?
Wie entscheidend sind Funktionsumfang, CRM, Dokumentenmanagement, hohe Interoperabilität oder umfassende Kommunikationsmöglichkeiten?
Heute funktionieren die Systeme weitestgehend vernetzt. Interoperabilität, automatisch erzeugte Dokumente und deren Verwaltung, horizontale und vertikale Integration, ein Funktionsumfang, der in allen Belangen den Kundenanforderungen genügen muss, stellen heute Eingangsvoraussetzungen dar, um überhaupt bei Kunden ein Projekt beginnen zu dürfen.
Sind Open-Source-Lösungen marktreif?
Hierzu will ich mich nicht äußern und die Beantwortung hängt sicherlich maßgeblich von der Einfachheit der Aufgabenstellung ab. Aber wenn es darum geht, hochkomplexe Prozesse zu überwachen und deren Fehlerarmut zu dokumentieren, Chargen auf alle Inputmaterialien rückverfolgen zu können, kann ich mir nicht vorstellen, dass es hierzu kostenfreie Lösungen zum Download gibt.
Was ist Ihr Highlight auf der Fachmesse IT & Business?
Natürlich stellen wir auf der IT & Business das gesamte Produktportfolio rund ums Thema MES vor. Besonders wichtig wird sicherlich unser Mobile-Modul sein. Ebenfalls werden natürlich immer wieder laufende Verbesserungen an SW-Modulen vorgestellt, wie parametrierbare Optimierungsregeln für die Personaleinsatzplanung und die Fertigungssteuerung.
Gfos auf der IT & Business: Halle 3, Stand C51
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