Fertigungssoftware: „ERP braucht ein offenes Datenhaltungskonzept“

Fertigungssoftware

„ERP braucht ein offenes Datenhaltungskonzept“

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Uwe Kutschenreiter, Mitglied der Geschäftsführung bei AMS.Solution, sprach mit uns über zukünftige Anforderungen an ERP-Software im Rahmen einer Industrie-4.0-Produktion. Bild: AMS
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Eine künftige Industrie-4.0-Fertigung schreibt auch die Rolle klassischer Business-Software wie ERP neu. Welche Anforderungen Anbieter künftig erfüllen müssen und was der Varianten- und Auftragsspezialist AMS bietet, erklärt Uwe Kutschenreiter, Mitglied der Geschäftsführung. ❧

Nora Nuissl

Herr Kutschenreiter, AMS.Solution bietet seit 30 Jahren ERP-Systeme speziell für Einzel-, Auftrags- und Variantenfertigung. Welche Rolle spielt die Software künftig mit Blick auf eine Industrie-4.0-Fertigung?

Moderne ERP-Systeme werden das Rückgrat des industriellen Internets bilden. Zusätzlich zur internen Betriebswirtschaft – dem ERP-Kern – decken sie das Management der Kundenbeziehungen, die Koordination der verlängerten Werkbank und das Servicemanagement ab. Somit stellt das ERP die zentrale Integrationsplattform für alle Vertriebs-, Entwicklungs-, Produktions-, Logistik- und Kundenprozesse dar, die es bei Industrie-4.0-Lösungen zu steuern gilt.

Welche Voraussetzungen muss ein modernes ERP-System erfüllen?

Um die Informations- und Materialflüsse durchgängig zu organisieren, braucht das ERP ein offenes Datenhaltungskonzept. Wir bieten eine objektorientierte Systemarchitektur, in die sich Drittsysteme per Web-Service einbinden lassen. Dies erlaubt den multidirektionalen Austausch der Stamm- und Bewegungsdaten, die für die jeweiligen Prozesse relevant sind. Da die Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen, sind jederzeit Ad-hoc-Analysen möglich.

Cloud Computing in Deutschland boomt: Bis 2020 prognostizieren IDC-Experten Umsätze von rund 9 Mrd. Euro. Auch im ERP-Umfeld steigt die Nachfrage nach as-a-Service- und Private-Cloud-Lösungen. Was bietet AMS hier?

Cloud Computing ist ein extrem weites Feld. Relevant für unsere Kunden sind derzeit vor allem das Hosting ihrer Unternehmenssoftware in externen Rechenzentren und der Einsatz von Web-Services zur Prozessoptimierung. Für beide Anwendungsfelder bieten wir passende Lösungen. Bislang konzentriert sich die Nachfrage vor allem auf die Web-Services. Beim Hosting herrscht immer noch große Zurückhaltung.

Warum?

Aus Sicht unserer Kunden wiegt der Nutzengewinn die Risiken noch nicht auf. Dies gilt insbesondere für das Thema Datensicherheit. Dafür muss man verstehen: Diese Unternehmen produzieren Investitionsgüter und stehen als Ausrüster am Anfang der industriellen Wertschöpfungskette. Wer Zugriff auf die Auftrags- und Konstruktionsdaten unserer Kunden bekommt, erfährt viel darüber, mit welchen Produkten ihre Auftraggeber in naher Zukunft an den Markt gehen wollen. Entsprechend restriktiv sind die Geheimhaltungsvereinbarungen, die unsere Kunden gegenüber ihren Kunden unterzeichnen müssen. Deshalb wägen die die Verantwortlichen genau ab, welche Daten sie nach außen geben und welche nicht.

Trotzdem gibt es auch schon Bewegung in die Cloud. Sie sprachen Web-Services an. Worauf konzentriert sich die Nachfrage?

Gerade im Aftersales-Geschäft unserer Kunden führt der Einsatz von intelligenten Web-Services zu neuen Angeboten. Denn statt wie bisher nur reaktiv die Service-Anfragen der Betreiber abzuarbeiten, können Ausrüster nun Konzepte einer vorbeugenden Instandhaltung umsetzen. Web-Services liefern ihnen die hierzu erforderlichen Informationen in Echtzeit.

Welche Funktionen erfüllt Ihr ERP im Servicemanagement genau?

Zur mobilen Kommunikation mit der Zentrale nutzen Servicetechniker unsere Lösung ‚ams.mobile‘. Via Tablet greifen sie auf alle Anlagen- und Auftragsinformationen zu, die ihnen das ERP für die Einsätze bereitstellt. Zudem bucht das System abgeschlossene Einsätze, angefallene Reise- und Arbeitszeiten, die Ersatzteilteilentnahme und Tätigkeitsberichte ohne Zeitverzug ein und rechnet diese ab. Parallel dazu aktualisiert das ERP die technische Auftragsdokumentation der gewarteten Produkte.

Wo in diesem Szenario findet sich die vorbeugende Instandhaltung wieder?

Sie ist den Service-Einsätzen vorangeschaltet. Ich verdeutliche das am Anwendungsbeispiel unseres Kunden Hoffmann Maschinen- und Apparatebau: Dieser hat eine Software für seine Anlagen entwickelt, die servicerelevante Betriebsdaten ausliest und über dedizierte Leitungen in eine gesicherte Cloud-Umgebung übermittelt. Die bereitgestellten Daten wertet das ERP stetig aus, um sie auf Anomalien zu prüfen. Zusätzlich fließen Informationen zum Anlagenstamm, den Vertragsinhalten und den Leistungsmerkmalen der Maschinen in die Analyse ein. So lassen sich die erforderlichen Wartungseinsätze in Echtzeit vorbereiten.

Wie gewährleisten Sie Datensicherheit bei ihren Cloud-Lösungen?

In unserer ERP-Lösung sorgen wir für eine konsistente Systemarchitektur, eine wasserdichte Vergabe der Zugriffsrechte und Verschlüsselungsmöglichkeiten nach dem aktuellen Stand der Technik. Dafür stehen wir als Softwarehersteller ein. Die eigentliche Security-Schlacht findet aber in den Rechenzentren der Cloud-Dienstleister statt.

Wie sieht aus Ihrer Sicht der ERP-Markt in zehn Jahren aus?

Wir erwarten nicht, dass es in Zukunft nur noch Software-as-a-Service-Angebote geben wird. ERP-Kunden müssen weiter zwischen Cloud- und On-Premise-Angeboten wählen dürfen. Unser Zielmarkt ist überwiegend mittelständisch geprägt, die Firmen befinden sich oft in Familienbesitz. Vielerorts bedarf es erst eines Generationswechsels auf der Entscheiderebene, bevor die Cloud ihr Potenzial entfalten kann. Wir als ERP-Anbieter fahren daher zweigleisig: Je nach Business-Anforderung können Kunden unsere Lösungen auf den eigenen Servern betreiben oder aus der Cloud beziehen.

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