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Nur Topperformer liegen in puncto BPI nah am Optimum

Studie: Mittelständische Fertiger verbessern Prozesse und setzen stärker auf moderne IT
Nur Topperformer liegen in puncto BPI nah am Optimum

Spitzenmäßig organisieren mittelständische Fertigungsunternehmen ihre Prozesse leider noch nicht. Aber sowohl diskrete als auch Prozessfertiger sind auf einem guten Weg. Das zeigt die Langzeitstudie „Business Performance Index Mittelstand D/A/CH 2012“ Fertigung des Kasseler Beratungsunternehmens techconsult, die soeben in der 2. Auflage erschienen ist.

An der aktuellen Untersuchung, an der 841 Unternehmen teilnahmen, zeigt sich auch, dass die Fertiger öfter auf innovative IT-Lösungen setzen und Software zu 19 % im SaaS-Modell (Software as a Service) beziehen. Die diskreten schnitten etwas besser ab als die Unternehmen der Prozessfertigung.

Insgesamt beinhaltet die techconsult-Studie neben dem Hauptindikator Business Performance Index (BPI) mit dem IT-Unterstützungsgrad, dem Reifegrad innovativer IT-Lösungen und dem Unternehmenserfolg bzw. Prozesserfolg drei weitere Indizes. Keine der Kennzahlen hat sich gegenüber der ersten Studie verschlechtert, die im März 2011 veröffentlicht wurde.
Der wichtigste, von techconsult ausgewiesene Index ist der Business Performance Index (BPI). Er setzt sich aus zwei Werten zusammen, die in mittelständischen Unternehmen (5 – 500 Mio. Euro Umsatz) in Form von computergestützten Telefoninterviews mit Geschäftsführern, Controllingverantwortlichen und Leitern Finanzen für die wichtigsten Prozesse abgefragt wurden: Prozessrelevanz und Zufriedenheit mit der Prozessausführung. Aufgetragen auf einer Skala von 0 – 100 erreichen die Fertigungsunternehmen durchschnittlich einen BPI von 72 Punkten. (2011: 71 Punkte) Die diskreten Fertiger, kamen hier auf einen Wert von 72, die Prozessfertiger, die rund 20 % der Befragten ausmachten, erreichten 71 Indexpunkte. Damit besteht zwar noch Luft nach oben, aber die Fertigungsunternehmen liegen mit ihrer Performance eindeutig im oberen Drittel.
Das Bild ist uneinheitlich
Der Vergleich der Fertigungstypen offenbart ein heterogenes Gesamtbild (siehe Grafik 1). Offensichtlich ist die Performance bei Mischfertigern (76 Punkte) tendenziell besser als bei Prozess-, Varianten- und Projektfertigern. Sehr nah an den hohen BPI-Werten der Mischfertiger sind die Serienfertiger (75 Indexpunkte). Beide Fertigungstypen schneiden in den für sie wichtigen Unternehmensbereichen Produktion, Materialwirtschaft/Einkauf und Finanzen/Controlling gut ab. Lediglich in der Produktentwicklung haben Mischfertiger gegenüber den Serienfertigern das Nachsehen, können dafür aber in der Produktion klar punkten, indem die Umsetzung wichtiger Prozesse im Einklang mit den Anforderungen zu stehen scheint.
Prozessfertiger liegen insgesamt auf einem ähnlichem Niveau wie Variantenfertiger mit Defiziten in dem für diesen Fertigungstyp bedeutenden Unternehmensbereich Qualitätsmanagement. Obwohl Mischfertiger verschiedenste Techniken der Produktion unter einem Dach vereinen, ist maßgeblich der hohe Anteil der Serienfertigung für das gute Ergebnis des Fertigungstyps verantwortlich.
Dagegen liegen Projektfertiger wertetechnisch noch im akzeptablen Bereich – Service als gewinnbringendes Geschäftsfeld ausgeschlossen –, können jedoch scheinbar durch die projektgetriebene und demnach häufig wechselnde Unternehmensausrichtung gerade im Einkauf, Controlling und dem Personalwesen nur eine unterdurchschnittliche Business Performance aufweisen.
Der Grad der IT-Unterstützung (siehe Grafik 2) bewegt sich bei den mittelständischen Fertigern auf dem gleichen Niveau wie 2012. Der Index, mit dem ermittelt wird, wie stark die einzelnen Tätigkeiten, aus denen sich ein Prozess zusammensetzt, mit IT unterlegt sind, stieg um einen auf 68 Punkte.
Unternehmen setzen stärker auf innovative IT
Der Index „Reifegrad innovativer IT-Lösungen“ (siehe Grafik 3) beschreibt die Relevanz und Umsetzungszufriedenheit mit neuartigen IT-Anwendungen – zum Beispiel integrierte Echtzeitanalysen oder die mobile Unterstützung des Verkaufs – in mittelständischen Fertigungsunternehmen. Er hat in der 2. Auflage des BPI Fertigung am stärksten zugelegt und stieg von 58 auf 68 Indexpunkte. Diese starke Steigerung führt techconsult-Studienleiter Heiko Henkes auf zwei mögliche Ursachen zurück: „Zum einen fördert die seit Längerem anhaltende positive konjunkturelle Entwicklung die Investitionsbereitschaft in neue IT-Lösungen und zum anderen führte ein größerer Konkurrenzdruck dazu, dass mittelständische Fertiger sich intensiver als noch vor einem Jahr mit innovativen IT-Lösungen befassen.“ Dafür spreche auch, dass bereits knapp ein Fünftel der Fertiger mit Software as a Service (SaaS) eine relativ neue Form des Softwarebezugs nutzen.
Der Unternehmens- beziehungsweise Prozesserfolg, bei dem die befragten Verantwortlichen angaben, wie relevant die effiziente Gestaltung eines Prozesses für den Unternehmenserfolg ist, verbesserte sich bei den diskreten Fertigern um satte 13,8 % auf 73 Punkte (siehe Grafik 4). Die Prozessfertiger konnten sich hier dagegen mit einem Plus von 3,2 % nur auf 70 Punkte verbessern.
Die techconsult-Studie weist nicht nur die Durchschnittswerte aus, sondern zeigt auch, wie die zehn besten Unternehmen im Vergleich zum Durchschnitt performen (Grafik 5). Sie liegen in Sachen BPI mit 96 Punkten nahe am Optimum. Auch IT-Unterstützungsgrad, der Reifegrad innovativer IT-Lösungen und der aktuelle Unternehmenserfolg liegen bei 94 bzw. 95 Punkten – von 100 möglichen wohlgemerkt. Der Abstand zwischen durchschnittlichen Performern und den Topleistungserbringern vergrößert sich. Lag er im vorigen Jahr bei rund einem Fünftel, schnitten die Topperformer in diesem Jahr um rund ein Viertel besser ab als die durchschnittlichen Unternehmen. „Die Schere öffnet sich wahrscheinlich in Zukunft noch weiter. Den Unternehmen in der Spitze wird zunehmend bewusst, dass sie ihre Topposition nur halten können, wenn sie weiterhin investieren. Dieser Verantwortung folgen sie und vergrößern damit den Abstand zum Rest der Fertigungsindustrie“, erklärt techconsults Managing Director Peter Burghardt.
Die Gegenüberstellung von BPI, IT-Unterstützung und Unternehmenserfolg zeigt eine eindeutige Abhängigkeit beider Messgrößen. Hohe Geschäftsprozessperformance geht demnach – bis auf einige Ausreißer – immer auch mit hohen Werten der IT-Unterstützung einher.
Unternehmen mit hohen BPI-Werten verzeichnen demnach in der Regel auch einen besseren Unternehmenserfolg bzw. sind in den Kernprozessen erfolgreicher als andere. Die Hypothese „Ein hoher BPI führt zu hohem Unternehmenserfolg“ gilt im Detail für die Fertigungsindustrie 2012 genauso wie für das Jahr 2011.
Outsourcingquote steigt auf knapp 31 %
Die Outsourcing-Quote der Unternehmen nahm im vergangenen Jahr dem BPI-Bericht Mittelstand Fertigung 2012 zufolge durchschnittlich um 4,6 % auf 30,7 % zu. Dabei liegt die diskrete Fertigung mit 31 % rund 4 % über der Quote in der Prozessindustrie (siehe Grafik 6). Innerhalb der diskreten Fertigung ist der Maschinen- und Anlagenbau mit einer Outsourcing-Quote von 40 % Spitzenreiter im Subbranchenvergleich. Die geringsten Werte verzeichnen Unternehmen in der Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren. In der Prozessindustrie dominieren Unternehmen der Kosmetikbranche mit 40 % die Outsourcing-Rangliste. Dagegen setzt in der Nahrungsmittelbranche gerade einmal jedes fünfte Unternehmen auf die Auslagerung von Unternehmensbereichen.
Die überraschend hohe Outourcing-Quote kommentiert Studienleiter Heiko Henkes folgendermaßen: „Auch Mittelständler können und wollen sich der weiter zunehmenden Arbeitsteilung und der Zerschlagung der Wertschöpfungsketten nicht mehr entziehen. Exemplarisch sieht man das am Fahrzeugbau. Hier liegt die Outsourcing-Quote mit 35 % im Bereich Produktion am höchsten. Die Autohersteller selbst leben das so vor und verlangen ähnliche Strategien von ihren Zulieferern.“
Fast jeder Fünfte nutzt SaaS
Im Gegensatz zu landläufigen Vorurteilen verhalten sich Mittelständler gegenüber dem Thema Software as a Service erstaunlich aufgeschlossen. 19 Prozent nutzen diese Art des modernen Softwarebezugs (siehe Grafik 7). Die diskrete Fertigung ist auch in diesem Punkt mit 20 % SaaS-Einsatz ein Vorreiter, verglichen mit der Prozessindustrie, die einen SaaS-Einsatzgrad von 16 % vorweisen kann. Die Elektrotechnik- und High-Tech-Industrie setzt in der diskreten Fertigung mit 25 % am häufigsten auf diese Bezugsart. In der Kosmetik-Branche dagegen konnte zwar eine hohe Affinität zum Outsourcing von Prozessen nachgewiesen werden, jedoch trifft diese Affinität nicht für den artverwandten SaaS-Einsatzgrad zu. In dieser Branche findet gar kein Softwarebezug aus der Cloud statt.
Zentral gemanagte Mobil-Devices auf dem Vormarsch
Im diesjährigen BPI Fertigung wurde zum ersten Mal nach der Mobility-Strategie gefragt (siehe Grafik 8). Demnach nutzen mehr als 20 % der Mitarbeiter zentral verwaltete Laptops. Auch die Smartphone-Nutzung ist mit knapp 20 % hoch. Gut zwei Drittel von ihnen werden ebenfalls zentral gemanagt. Der Durchdringungsgrad von Tablets und Slates ist mit 2,5 % dagegen noch gering. Auch von ihnen werden 55 % zentral verwaltet, aber weil wahrscheinlich viele Mitarbeitende ihre privaten Geräte im Unternehmen nutzen, ist der Grad an zentralem Management hier deutlich geringer als bei den anderen mobilen Gerätetypen
Der BPI ist langfristig angelegt
Mit dem Business Performance Index hat techconsult eine langfristig angelegte Studienreihe aufgelegt, mit der Prozessleistungsfähigkeit, IT-Unterstützung und der Reifegrad innovativer IT-Lösungen in mittelständischen Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht werden. Dabei werden die Indizes neben der Fertigungsindustrie auch für die Branchen Dienstleistung und Handel erhoben. Außerdem werden die Branchenergebnisse in einer umfassenden Gesamtstudie dargestellt und bewertet, die im März 2013 zum zweiten Mal erscheint. In diesem Jahr werden noch die Branchenstudien Dienstleistung (September) und Handel (Dezember) erscheinen. Weitere Informationen über Ergebnisse, Methode und die Zusammensetzung der Indizes im Einzelnen erhalten Sie unter www.business-performance-index.de.
Neben den Branchenreports bietet der BPI Unternehmen außerdem die Möglichkeit, sich selbst auf die genannten Leistungsindikatoren zu prüfen und die eigenen Ergebnisse mit ähnlichen Unternehmen aus der gleichen Branche zu vergleichen. Interessierte Unternehmer können über die BPI-Webseite direkt am Performance-Check teilnehmen. Auf Wunsch können sie außerdem von einem professionell geführten Workshop profitieren.
Ermöglicht wurde die gesamte Langzeiterhebung durch die Unterstützung der Software-/Beratungshäuser SAP Deutschland AG & Co. KG, itelligence, Info AG, TDS AG (a Fujitsu company), cormeta und Trias. Inhaltlich und ideell wird der BPI vom Software-Auswahlberater Trovarit aus Aachen sowie insbesondere vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) unterstützt.
Christoph Witte Journalist in München
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