Singapur: Platz für Industrie 4.0

Digitalisierung

Singapur: Platz für Industrie 4.0

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In Singapur geht der Staat in puncto Digitalisierung mit gutem Beispiel voran: Die Verwaltung funktioniert nahezu papierlos. Auch werden Digitalisierungsprozesse hin zu Industrie 4.0 gezielt gefördert. Bild: ake1150/Fotolia
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Die Fertigungsindustrien im Tigerstaat kämpfen mit starkem Wettbewerb und leiden unter begrenztem Platz. Die Regierung steuert mit umfangreichen Maßnahmen dagegen. Die Einführung von Industrie 4.0-Konzepten steht erst am Anfang, ist aber im Vergleich zu den Nachbarstaaten bereits weit fortgeschritten. ❧

Viele Länder im ASEAN-Raum verlagern Ihre Industrieflächen an die Ränder der Metropolen. Dieser Weg ist Singapur verbaut: Kurz hinter der Stadtgrenze kommt gleich die Landesgrenze. Eine Herausforderung für die reale wie auch die virtuelle Welt.

Die verarbeitende Industrie erwirtschaftet in Singapur ein Fünftel des Bruttoinlandsproduktes und soll nach Plänen der Regierung weiter ausgebaut werden. Das Lohnniveau ist mit Europa vergleichbar und steigt bei einer Arbeitslosenquote von nur 1,7 % – also bei Vollbeschäftigung – kontinuierlich weiter. Eine weitere Herausforderung: Die zur Verfügung stehende Fläche ist begrenzt; der Stadtstaat ist kleiner als Hamburg. Hier leben auf einer Fläche von 710,2 Quadratkilometer knapp 6 Mio. Einwohner. Damit ist die Bevölkerungsdichte zwanzigmal höher als der deutsche Vergleichswert. Deshalb ist Landgewinnung wichtig. Das Erdmaterial dazu wird aus anderen Ländern importiert, vom Meeresboden gesaugt oder von den eigenen Bergen gebaggert. Mit Erfolg: Seit den 60er Jahren ist Singapur über 100 km² gewachsen. Bis zum Jahr 2030 soll das Neuland nochmals verdoppelt werden.

Land im Meer

Auch im Bereich Digitalisierung will Singapur Land gewinnen. Industrie 4.0, bzw. das singapurianische Pendant „Advanced Manufacturing“, ist vom staatlichen Komitee als Schlüsselsektor für die Wirtschaft der Zukunft definiert worden. Dazu zählen namentlich das Internet der Dinge, Robotertechnologien und adaptive Fertigungsverfahren.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die starke Konkurrenz im asiatischen Umfeld sowie die wachsenden Löhne zwingen zur Effizienzsteigerung. Abhilfe soll die Einführung von Industrie 4.0-Konzepten bringen. Die Voraussetzungen dafür stehen gut: Das Land verfügt über eine exzellente digitale Infrastruktur; dazu kommt eine technikaffine Bevölkerung. Darüber hinaus sorgen die beiden Universitäten, die zu den 13 besten der Welt zählen, sowie zwei Dutzend Forschungsinstitute für weitere gut ausgebildete Arbeitskräfte.

Im Netz liegt die Kraft

Der Staat geht in puncto Digitalisierung mit gutem Beispiel voran: Die Verwaltung funktioniert nahezu papierlos. Das ist auch einer der Gründe, warum die Bürokratie in Singapur so effizient arbeitet. Die Ausstellung eines Arbeitsvisums dauert beispielsweise längstens zwei Wochen, in dringenden Fällen nur drei Tage. Der Staat unterstützt die Wirtschaft, ihm auf diesem Weg zu folgen: Im Rahmen des Haushaltes von 2016 lancierte die Regierung den „Research, Innovation and Enterprise 2020 Plan“. Mit 3,2 Mrd. Dollar unterstützt dieser die Forschung rund um den digitalen Workflow. Dabei liegt der Fokus auf KMUs: Im Haushalt 2017 wurden 80 Mio. Dollar allein für die Beratung von kleineren und mittleren Unternehmen zur Verfügung gestellt und als erster Schritt zwölf Beratungszentren eingerichtet.

Die Förderpolitik der Regierung setzt gezielt bei den Hemmnissen im Digitalisierungsprozess an. So ist für die vielen kleinen und mittelständischen Firmen in Singapur Industrie 4.0 bis auf wenige Ausnahmen noch Zukunftsmusik. Sofern diese überhaupt an der Digitalisierung arbeiten, setzen sie auf Insellösungen. Ein führender deutscher Maschinenhersteller beschrieb den Status in metallverarbeitenden Betrieben einmal so: „Die Anlagenbediener wandern weiterhin mit USB-Sticks von einer Maschine zur anderen.“ Ein weiteres Hemmnis auf dem Weg zu Industrie 4.0 ist das fehlende Bewusstsein bezüglich der konkreten Vorteile. Mangelndes Know-how bei den Entscheidungsträgern und Maschinenbedienern sei das Hauptproblem, konstatieren europäische Anbieter von Industrie-4.0-Architekturen. Hinzu kommt die Erwartung, dass sich Investitionen innerhalb von rund drei Jahren amortisiert.

Was zu beweisen wäre

Um Best Practises zum Anfassen zu zeigen, hat die staatliche „Agency for Science, Technology and Research“, kurz A*Star, den Bau zweier Modellfabriken initiiert. Die erste mit einem Investitionsvolumen von 35 Mio. Dollar wird zusammen mit einem Konsortium von Industriepartnern am Advanced Remanufacturing and Technology Centre (ARTC) gebaut. Die zweite entsteht am Singapore Institute of Manufacturing Technology (SIMTech). Dabei arbeiten ausländische Maschinenbauer und Technologielieferanten auch aus Deutschland mit.

Zielgruppen für die geplante Digitalisierung gibt es viele. Besonders interessant und interessiert ist allerdings die Halbleiter- und Elektronikbranche. Zum einen, weil das der führende Industriebereich in Singapur ist, zum anderen, weil in dieser Branche die Digitalisierung schon am weitesten fortgeschritten ist.

Das Potential

Der Markt für Industrie 4.0-Anwendungen ist in Singapur im internationalen Vergleich relativ klein. Gemäß der Studie „Asia Pacific Industrial IoT Cloud Platforms 2016“ von Frost & Sullivan werden 2020 im asiatisch-pazifischen Raum 86 % der Ausgaben für cloudbasierte IoT-Anwendungen auf die China, Japan und Korea entfallen. Bleiben 14 % für alle anderen Länder der Region – darin eingeschlossen Singapur. Das ist aber immer noch ein großes Stück des Gesamtkuchens, der im Jahr 2020 auf 15,5 Mrd. Dollar geschätzt wird. Singapur wird einen überproportionalen Anteil an den Industrie-4.0-Ausgaben auf sich ziehen. Schließlich gilt der Stadtstaat als beliebtes Testfeld mit Vorbildfunktion für ganz Südostasien. (mg)

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