MES

Stihl Tirol setzt auf Cronetwork von Industrie Informatik

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Stihl Tirol setzt auf die MES-Software Cronetwork von Industrie Informatik. Der Forst- und Gartengerätehersteller profitiert von transparenten Fertigungsprozessen und einer Qualitätsdatenerfassung im Produktionsprozess.

Tino M. Böhler
Freier Journalist in Dresden

Eine Werkserweiterung und steigenden Anforderungen ließen bei Stihl Tirol den Ruf nach einer neuen MES-Lösung laut werden. Harald Ganster ist als Abteilungsreferent für die Shopfloor-IT unter anderem für alle fertigungsnahen Hard- und Softwaresysteme verantwortlich. Er erinnert sich: „Ziel war es, unsere Fertigungsprozesse dahingehend zu optimieren, dass automatisch umfangreiche Informationen zu den produzierten Geräten erfasst werden. Zudem wollten wir mehr Transparenz für weitere Optimierungsmaßnahmen erreichen. Bei 23 Montagelinien und hoher Produktdiversifikation ist es zudem notwendig, dass ein MES flexibel an die Gegebenheiten in der Fertigung anpassbar ist. Wir setzten damals auf eine Lösung, die diesen und anderen Anforderungen nicht gerecht wurde und so machten wir uns auf die Suche.“ Fündig wurde man beim oberösterreichischen MES-Anbieter Industrie Informatik. ,,Industrie Informatik überzeugte allen voran mit uneingeschränkter Konnektivität innerhalb der Systemlandschaft. Darüber hinaus waren wir von der umfassenden Parametrierbarkeit innerhalb des Standards von Cronetwork MES überzeugt“, begründet Ganster die Entscheidung.

Erster Schritt: Prozessdatenerfassung

2016 startete der Pilotbetrieb an den ersten zwei von 23 Montagelinien. Die vollständige Aufrüstung erfolgte anschließend Schritt für Schritt. Im Praxisbetrieb ergaben sich noch kleinere Optimierungsbedarfe, die bereits im Zuge der Ausrollung realisiert wurden. „Cronetwork MES unterstützt uns bei der Erfassung und Verarbeitung wichtiger Prozessdaten. Ein Beispiel dafür sind Drehmomentwerte, mit denen ein Messer am Rasenmäher befestigt wird. Einerseits kontrollieren wir schon am Arbeitsplatz die korrekte Assemblierung und andererseits sind wir gegenüber unseren Kunden jederzeit auskunftsfähig, was wichtige Fertigungsparameter betrifft“, sagt Ganster. Weitere Einsatzmöglichkeiten entstanden im Laufe der Zeit. So werden etwa bei Akkugeräten Seriennummern von Akku, Ladegerät und Maschine miteinander verheiratet.

Des Weiteren bietet die MES-Software Cronetwork laut Stihl vor allem Vorteile mit der Maschinen- und Betriebsdatenerfassung. Die automatische Mengenzählung inklusive Rückmeldung ans SAP gibt den Mitarbeitern an der Montagelinie den nötigen Weitblick für verschiedene Optimierungsmaßnahmen. Das „Zwischenlagerwesen“ innerhalb der Fertigung konnte dahingehend verbessert werden, dass die Bestände an den Linien heute möglichst niedrig gehalten werden können, das benötigte Material aber trotzdem jederzeit am richtigen Ort zur Verfügung steht.

Automatische Meldungen entlasten Werker

Ganster führt weiter aus: ,,Für uns war es auch wichtig, unsere Vorarbeiter weitgehend von der manuellen Terminalbedienung zu entbinden und Zeit und Raum für ihre Kernaufgaben zu schaffen. Wenn heute zum Beispiel eine Störung an einer Linie auftritt, erkennt die Anlage dies und geht automatisch auf Störung. Ähnliches trifft auf die Bemeldung von Folgeaufträgen zu. Sobald der aktuelle Auftrag beliefert ist, wird der Folgeauftrag automatisch bemeldet, die Linie stellt auf Rüsten um und wechselt erst wieder den Status, wenn das erste Gerät des Folgeauftrags verpackt ist.“

Die neu gewonnene Transparenz durch Maschinen-, Betriebsdaten- und Prozessdatenerfassung wollte man bei Stihl Tirol nicht nur dem Management, sondern auch den Mitarbeitern am Shopfloor bereitstellen. Als Informationsquelle dienen Bildschirme – sogenannte Andon-Boards – an jeder Montagelinie. ,,Bestanden die Informationen früher aus einem Konglomerat aus sechs verschiedenen Quellen mit veralteten Daten, so können wir heute dank der Cronetwork Portaltechnologie individuelle Dashboards generieren und Informationen gesammelt aus Cronetwork MES nahezu in Echtzeit bereitstellen“, so Ganster, der noch weiter ausführt: ,,Zudem haben die Montagemitarbeiter auch ihre aktuelle Leistungskennzahl je Montagelinie im Auge. Diese ist einer der Einflussfaktoren für die Bonifikationsberechnung, die zu 100 % mit Daten aus Cronetwork MES erfolgt.“ Das Management nutzt die Software vor allem für Auswertungen und regelmäßige Reports über verschiedene Zeithorizonte.

Eine umfangreiche Erfassung von Qualitätsdaten war eine weitere Anforderung an das MES-System. ,,Im Bereich der Qualitätsdatenerfassung musste noch Arbeit in dessen Weiterentwicklung gesteckt werden. Wir selbst haben auch schon von Entwicklungen anderer Industrie Informatik Kunden profitiert, da diese in den Standard eingeflossen sind. Dieses Geben-und-Nehmen-Prinzip der Cronetwork-User-Community hat uns absolut überzeugt“, beschreibt Ganster die Entscheidung, hier in die Entwicklung zu investieren. Die Anlage und Abarbeitung der Prüfvorgaben ist heute zu 100 % in Cronetwork MES integriert. Je Auftrag und Schicht wird per Zufallsprinzip ein Gerät entnommen und im Stihl internen „Produkt-Audit“ geprüft. Funktionale, optische, sicherheitstechnische und weitere Faktoren werden dabei berücksichtigt und ergeben eine konzernweit einheitliche Qualitätskennzahl.


Der Anwender

Seit 1981 produziert Stihl Tirol – ehemals unter dem Namen Viking – vor malerischer Bergkulisse Rasenmäher, Mähroboter, Aufsitzmäher, Garten-Häcksler und Co. Am Standort Langkampfen/Kufstein werden die Produkte an aktuell 23 Montagelinien von rund 600 Mitarbeitern gefertigt. Anfang Februar 2019 wurde ein neuer Erweiterungsbau mit 20.000 m² Nutzfläche eingeweiht. Er beherbergt unter einem begrünten Dach, welches als Testfläche für Rasenmäher dient, moderne Elektrolabore, ein automatisches Kleinteilelager, eine Lehrwerkstatt und rund 150 neue Arbeitsplätze.

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