Interview: Daniel Rhein von Rheco über Energieberatung im Mittelstand

Daniel Rhein von Rheco über Energieberatung im Mittelstand

„Mit der Machete im Paragraphen-Dschungel“

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Daniel Rhein, Geschäftsführerder Rheco GmbH. Bild: Rheco
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Wie führt ein Energieberater KMU durch die zunehmenden Vorschriften und die steigenden Kosten der Energiewende? Daniel Rhein, Geschäftsführer der Rheco GmbH, erläutert Chancen und Fallstricke.

Herr Rhein, in welchen Bereichen ist ein Energieberater tätig?

Wir beraten grundsätzlich in zwei Bereichen: Zum einen mit dem Schwerpunkt „Wirtschaftliche Energieberatung“, zum anderen mit dem Fokus auf die Technik. Die gesamtheitliche Betrachtung über alle Bereiche ist wichtig, weil eine Energieeinsparmaßnahme durchaus den Wegfall von Steuererstattungen zur Folge haben kann. Daher ist es wichtig, dass wir Zusammenhänge sehen und Konsequenzen bewerten.

Was umfasst die wirtschaftliche Energieberatung?

Die wirtschaftliche Seite reicht aus meiner Sicht vom Energieeinkauf über Steuern, Umlagen und Abgaben bis hin zu Förderprogrammen. Wir überwachen beispielsweise softwaregestützt die Preise der Energiebörse in Leipzig; über relevante Preisschwankungen informieren wir unsere Kunden vollautomatisiert. Steuern und Abgaben spielen auch eine immer größere Rolle. Gerade der Mittelstand sieht sich durch die Konsequenzen der Energiewende bedroht. Nicht nur was die Kosten anbetrifft, sondern auch durch die vielen Vorschriften und Gesetze. Hier unterstützen wir unsere Partner quasi mit der Machete im Paragraphendschungel.

Und was sind die Schwerpunkte der technischen Energieberatung?

Auf der technischen Seite analysieren wir die Energie-Effizienz von Beleuchtung, Antrieben, Abwärme-Nutzung und so weiter. Ein wichtiger Punkt ist hier die Ausschöpfung aller Fördermittel: EU, Bund, Land, Stadt, Gemeinde – sie alle fördern aus unterschiedlichen Töpfen unterschiedliche Projekte und Ziele. Das ist besonders für KMU interessant, weil sie für Energieeffizienzmaßnahmen bis zu 80 Prozent Zuschuss erhalten können. Wir vermitteln zwischen den Parteien und begleiten unseren Kunden bis zur Förderzusage. Immer häufiger spielt auch die Energie-Erzeugung durch Photovoltaik, BHKW´s und Warmwassererzeugung eine bedeutende Rolle.

Wann lohnt sich der Wechsel des Energieanbieters?

Meist lohnt nicht der Wechsel, sondern die Nachverhandlung. Dabei helfen wir. Wir liefern unseren Kunden transparente Marktzahlen. Wir wissen, was der Energieversorger zahlt, was er anderen Unternehmen berechnet und was für seine Leistung gerechtfertigt ist. Nur falls es keine Einigung gibt, empfehlen wir den Wechsel.

Rechnet sich die Umstellung innerbetrieblicher Prozesse bei einem Mittelständler?

Ja, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und diese Voraussetzungen muss man erst einmal schaffen. Dabei helfen die Energieaudits nach DIN EN 16247-1. Allerdings bedarf es dabei eines Paradigmenwechsels im Management. Es reicht heute nicht mehr aus, alte Elektromotoren auszutauschen. Gefragt ist vielmehr eine flexible Ausrichtung aller Prozesse. Zum Beispiel zur Vermeidung von Spitzenlast. Oder die Nutzung von Zeitfenstern für günstigen Strom. Dazu ist dann wiederum die Absprache mit dem Energieberater oder dem Energieversorger notwendig.

Welche Belastungen können sich durch rechtliche Vorgaben ergeben?

Leider ist vielen Unternehmen immer noch nicht bewusst, wie dünn das Eis ist, auf dem sie produzieren. Bei einem fehlenden Energieaudit zum Beispiel droht der Gesetzgeber mit einer Geldbuße bis zu 50 000 Euro pro Gesellschaft. Die gleiche Summe wird für einen fehlenden ENEV-Gebäudeenergieausweis fällig. Um nur zwei von vielen Sanktionsmöglichkeiten zu nennen.

Gibt es den Königsweg zum Energiesparen? Wie gehen Sie in den Unternehmen vor?

Am Anfang steht immer die Potentialanalyse. Dabei schauen wir uns das gesamte Unternehmen an – inklusive der Zahlen, die uns zur Verfügung gestellt werden. Im Anschluss erstellen wir gemeinsam mit dem Kunden eine Prioritätenliste. Sie berücksichtigt alle Rahmenbedingungen und Wechselwirkungen. Danach begleiten wir die Umsetzung und kümmern uns um Fördermöglichkeiten. Wichtig ist auf jeden Fall die ständige Erfolgskontrolle, ob die Einsparpotenziale auch tatsächlich erreicht wurden. Hier machen manche Berater und fast alle Unternehmen die größten Fehler. Es wird viel versprochen und schön gerechnet und keiner kontrolliert es! Darauf sollten Auftraggeber achten.

Welchen Aufwand müssen Unternehmen dafür treiben?

Das lässt sich nicht beziffern und ist je nach Unternehmen unterschiedlich. Die Projekte können von einem Tag bis zu vielen Monaten laufen, dementsprechend liegt der finanzielle Aufwand zwischen ein paar Hundert oder ein paar Hunderttausend Euro. Entscheidend ist nicht die Gesamtsumme, sondern die gesetzlichen Vorgaben und nicht zuletzt auch die Amortisationszeit. Im Energieeffizienzbereich werden diese oft gelockert und können unserer Erfahrung nach sinnvollerweise bis zu acht Jahren dauern. Es ist aber immer vorteilhaft, in wirtschaftlich guten Zeiten zu investieren, um die Fixkosten in Krisenzeiten zu senken. Energiekosten gehören zu den Fixkosten.

Sind aus der Politik weitere Vorgaben oder Einschränkungen zu erwarten?

Leider ja. Vor allem die EU wird die Daumenschrauben weiter anziehen, weil Deutschland die Klimaziele nicht einhalten wird. Wir hinken in Sachen Elektroautos, dem Ausbau der Photovoltaik und der Senkung von CO2 hinter den Wunschvorgaben von Brüssel hinterher. Die Klimaschutzziele sollen jetzt auch über die Wirtschaft vorangetrieben werden. Im Gespräch sind zum Beispiel die Pflicht zur Installation von Elektrotankstellen, eine Verschärfung der Energiesparverordnung oder eine Transparenzpflicht durch Installation von Zählern. Aus meiner Sicht sind manche dieser Maßnahmen eher Aktionismus, aber sie sind nun einmal Realität, auf die wir uns einstellen müssen.

Michael Grupp


Daniel Rhein

2010 gründet Daniel Rhein Rheco als Unternehmen für Energieberatung. Bereits ein Jahr später wird seine Geschäftsidee im Rahmen des Gründerwettbewerbs Weconomy 2011 vom Handelsblatt prämiert. Ein Jahr später folgt die Auszeichnung als „Ausgewählter Ort 2012“, die Ministerpräsident Kurt Beck ausspricht. Es folgt die Preisverleihung im bundesweiten Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“. Heute bietet Rheco ein Portfolio von der Beratung über ausgesuchte Software-Lösungen bis hin zum übergeordneten Konzept für das Energie-Management. www.rheco.de

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