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Zur Mobilität der Zukunft gehören alle Antriebssorten

Zulieferer
Mobilität der Zukunft

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Die Mobilität der Zukunft zu entwickeln und umzusetzen, ist für die Zulieferer in Deutschland eine Gemeinschaftsaufgabe. Dies müsse jedoch ideologiefrei und faktenbasiert verlaufen. Schließlich könnten sich alle Antriebssysteme optimal ergänzen.

Christian Vietmeyer
Sprecher der ArGeZ und Hauptgeschäftsführer
des WSM Wirtschaftsverbands Stahl- und Metall-
verarbeitung e. V. in Düsseldorf und Hagen

Mit dem Tenor, dass sich „die Physik politisch nicht außer Kraft setzen lässt, “, sandten Vertreter der sieben in der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ) zusammengeschlossenen Industrieverbände bei ihrem Jahrestreffen ein deutliches Signal in Richtung Berlin und Brüssel. Die Zulieferer empfinden die aktuelle Gesetzgebung als nicht technikneutral und zu sehr angstgetrieben. Überdies werde versäumt, alle Antriebssysteme im Hinblick auf die Gesamtverbrauchs- und Emissionsbilanz unvoreingenommen zu vergleichen.

Insofern standen bei der Veranstaltung unter dem Leitthema „Zulieferer in disruptiven Zeiten“ kürzlich in Frankfurt Plädoyers für eine ideologiefreie sowie faktenbasierte Förderung von Mobilität in Deutschland im Mittelpunkt. Alle Antriebssysteme hätten auch zukünftig ihre Einsatzgebiete und Berechtigungen. Die Zuliefererarbeitsgemeinschaft ist sich sicher, dass sich die Systeme sogar optimal ergänzen könnten. Bezogen auf den gesamten Lebenszyklus, die Umwelteinwirkungen und die Energiebilanz wären sie tatsächlich gleichwertig. Eine Antriebstechnik politisch auszuschalten, hieße für Deutschland, seine weltweite technische Spitzenposition im Automobilsektor preiszugeben – ohne im Gegenzug Vorteile für Gesundheit, Umwelt und bezahlbare individuelle Mobilität zu erhalten, so sandten die Experten einen Warnruf in Bezug auf Zukunft und Technikfolgenabschätzung.

Prof. Dr. Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen des Karlsruher KIT, mahnte die Dringlichkeit an, die zukünftigen Mobilitätsformen ideologiefrei zu diskutieren. Zurzeit gibt es nach seiner Auffassung „kein echtes Argument gegen den Diesel“. In der CO2-Bilanz sei der Selbstzünder im Vergleich zum Elektromobil relativ gut, Feinstäube und Stickoxide könnten mit modernster Technik weitgehend minimiert werden.

Verbrenner mit Einsparungenpotenzial
beim Kraftstoff von 40 %

Der Ingenieurwissenschaftler geht von einer Koexistenz verschiedener Antriebsformen in Zukunft aus: „Es wird auch in Jahrzehnten noch Verbrennungsmotoren geben. Hier ist zu berücksichtigen, dass noch deutliche Kraftstoffeinsparungen von bis zu 40 Prozent möglich sind.“

An den Vortrag Prof. Kochs schloss sich eine breite Diskussion an. Vor dem Hintergrund seiner Erkenntnisse wurde die Frage aufgeworfen, warum Volkswagen ab dem Jahr 2026 die Entwicklung von Verbrennungsmotoren einstellen wolle. Der Institutsleiter verwies darauf, dass die Japaner sogar weitere Entwicklungen von Verbrennungsmotoren in einer industriellen Gemeinschaftsforschung nach deutschem Vorbild vorantreiben wollen.

Alfonso Sancha Garcia, Leiter Konzerneinkauf Metalle der VW AG, bekräftigte, dass 2050 die Flotte des Konzerns „CO2-neutral sein soll. Bemerkenswert war auch seine Einschätzung, dass die individuelle Mobilität exklusiver und teurer würde. Allerdings bringe VW im Jahr 2020 das Modell ID für rund 30.000 Euro auf den Markt, das als Elektromobil CO2-neutral sei. Der ID werde eine Reichweite von 500 bis 600 km haben. Für den Einkaufschef ist klar, dass „die CO2- Neutralität auch in die Lieferkette gebracht wird“. CO2-Neutralität sei mithin ein Thema für die gesamte Wertschöpfungskette und somit auch für die Autolieferer. Das Problem mit dem Bezug von Kobalt aus dem Kongo bekäme man mit einem Lieferanten-Rating hin, das die Compliance in Sozialfragen prüfe. Dies würde gerade im gesamten VW-Konzern ausgerollt, so Garcia. Zulieferer in der Antriebstechnik müssten sich nach seiner Einschätzung ohnehin für Neues öffnen.

„Dass eine neue Zeit angebrochen ist“, steht für KIT-Professor Thomas Koch zweifelsfrei fest. Ein Vertreter dieser Epoche ist Dr. Casimir Ortlieb von der Aachener Firma e.GO Digital. Der CEO hielt einen Impulsvortrag zur Entwicklung der Mobilitätskonzepte im städtischen und im ländlichen Raum. Für ihn steht fest, dass die Elektromobilität den Verbrenner nicht verdrängen werde. Seiner Einschätzung nach wird es zu einer Koexistenz der wichtigsten Antriebsformen kommen. Vom autonomen Fahren wären wir alle noch ein gutes Stück entfernt. Schließlich könne noch niemand die nahezu 100%ige Sicherheit gewährleisten. Für ihn geht der Trend in den Städten zur On-demand-Mobilität. Das Uber-Prinzip mit einer individuellen Mobilität wird sich seiner Meinung nach nicht durchsetzen. Vielmehr müssten sich mehrere Personen ein Fahrzeug teilen. Andernfalls würde die Zahl der Fahrzeuge in den Städten eher noch zunehmen, was diese nicht verkraften könnten. Seiner Meinung nach bewegt sich die Gesellschaft weg von der Individual- hin zur kollektiven Mobilität. Dem Ansatz, dass individuelle Mobilität nicht zukunftsfähig sei, wiedersprach der KIT-Institutsleiter Prof. Dr. Koch ausdrücklich. Vielmehr sieht er ein anhaltendes Bedürfnis der Bevölkerungen nach individueller Mobilität.

Neues Freihandelsabkommen ist zusätzliche Herausforderung

Große Herausforderungen bergen für die Autobranche die globalen Handelsbeziehungen. Konkret sprach VW-Konzerneinkaufsleiter Alfonso Sancha Garcia das neue Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada (USMCA) an. Damit Automobile und Zuliefererprodukte zollfrei in dieser Freihandelszone über die Grenzen gelangen könnten, müssten sie dort zu 70 % produziert worden sein – und zwar zu 16 US-Dollar je Arbeitsstunde. Dies ist in Mexiko nach seiner Auffassung kaum möglich. Es stünde die Frage im Raum, inwieweit Wertschöpfung in die USA verlagert werde. Derzeit würden 70 % der in Mexiko produzierten VW-Modelle in die USA exportiert.

Dr. Galina Kolev vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) ergänzte, wie wichtig die USA für die deutsche Zulieferindustrie sei. Sie hält es für emerkenswert, dass „US-Autozölle auch von der amerikanischen Automobilindustrie nicht gewollt sind und ausdrücklich abgelehnt werden“.

Unter der Überschrift „Freier Welthandel in Gefahr – Konsequenzen für die Zulieferindustrie“ beklagte Eckart von Unger vom BDI, die Industrieländer hätten es versäumt, die WTO rechtzeitig zu reformieren. Es sei wichtig, die USA in der WTO zu halten, um einen regelbasierten Welthandel zu gewährleisten. Die Blockade der Streitschlichtungsgremien der WTO durch die USA müsse behoben werden. Laut von Unger dürfe China nicht unnötig ausgegrenzt werden, das Land müsse ein klares Bekenntnis zur Marktwirtschaft abgeben.

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