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Auf dem Pfad zu Industrie 5.0

Digitalisierung
Nach Industrie 4.0 steht Industrie 5.0 in den Startlöchern

Eine nachhaltige, menschzentrierte und resiliente Fertigung innerhalb Europas – das ist die Idee der Europäischen Kommission von der Industrie 5.0. Ein politischer Impuls, welcher verspricht, dass laufende Bemühungen rund um das Thema Industrie 4.0 weiter an Relevanz gewinnen.

» Prof. Dr. David Bendig, Kevin Lau und Dr. Julian Schulte, Institut für Entrepreneuership an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster

Seit Beginn des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses rund um das Thema Industrie 4.0 wurden in der industriellen Praxis merkliche Fortschritte bei der Einführung disruptiver Industrie 4.0 Technologien (zum Beispiel Künstliche Intelligenz, 3D Druck, Blockchain, etc.) gemacht. Nach Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung stellt Industrie 4.0 den vierten fundamentalen Paradigmenwechsel im Produktionsumfeld dar, weshalb auch oft von der vierten industriellen Revolution gesprochen wird. Jede der vorangegangenen industriellen Revolutionen führte durch den jeweiligen technologischen Wandel zu signifikanten Produktivitätssteigerungen. Die Umsetzung von Industrie 4.0 stellt jedoch nach wie vor eine große Herausforderung für eine Vielzahl von Unternehmen dar. Hierfür ursächliche Hürden sind beispielsweise unklare Investitionsrenditen, der sich verschärfende Fachkräftemangel oder die fehlende Kompatibilität mit bestehenden Technologielandschaften.

Während sich folglich insbesondere viele mittelständische Unternehmen nach wie vor in einer Industrie 4.0 Pilotierungsphase befinden, brachte die Europäische Kommission mit ihrem Whitepaper „Industry 5.0 – Towards a sustainable, human-centric and resilient European industry“ im vergangenen Jahr den potentiell nächsten Paradigmenwechsel im Produktionsmanagement auf den Plan. Industrie 5.0 wird dabei durch drei Kernelemente beschrieben, welche das Konzept von Industrie 4.0 komplementär ergänzen sollen: Nachhaltigkeit, Menschzentrierung und Resilienz in den Fertigungs- und Lieferketten. Während Industrie 4.0 anfänglich mit dem Ziel von Produktivitätssteigerungen diskutiert wurde, erfolgt somit der Aufruf zur Balancierung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielgrößen in den Fertigungsstätten der Zukunft.

Dadurch wird das Industrie 4.0 Paradigma nicht ersetzt, sondern um Themen erweitert, welche im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs stehen. Unter dem Industrie 5.0 Element der Nachhaltigkeit lassen sich in diesem Zusammenhang sämtliche Initiativen zur Optimierung des ökologischen Fußabdrucks fertigender Unternehmen zusammenfassen. In Zeiten steigender Regulatorik (zum Beispiel EU Green Deal) können sich für Unternehmen immer weitreichendere Wettbewerbsvorteile aus ökologisch nachhaltigen Produktionsprozessen ergeben. Während in früheren Phasen der Industrie 4.0 Debatte noch die Rolle des Menschen in der Produktion hinterfragt wurde, zeigen jüngste Entwicklungen, dass die Vision einer „menschenleeren“ Produktion nicht zukunftsfähig ist. Hierzu bezog beispielsweise Tesla-Chef Elon Musk in einem Twitter-Post aus dem Jahr 2018 eine sehr deutliche Position: „Yes, excessive automation at Tesla was a mistake. To be precise, my mistake. Humans are underrated“. Die Vision von Industrie 5.0 sieht vielmehr vor, dass der Einsatz disruptiver Produktionstechnologien in einer optimal auf den Menschen abgestimmten Art und Weise erfolgt, wodurch eine gewissermaßen symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Technologie angestrebt wird. Ferner haben die Corona-Pandemie sowie die aktuelle Ukraine-Krise die Vulnerabilität globaler Lieferketten offenbart. Zukünftige Produktionsnetzwerke sollen daher so ausgelegt werden, dass sie widerstandsfähiger gegen externe Schocks sind und über eine schnellere Anpassungsfähigkeit verfügen.

Kontroverser Diskurs begleitet Produktionsmanagement

Die Idee von Industrie 5.0 kombiniert damit Bestrebungen zur technologischen Innovation der Fertigung mit zentralen Aspekten der politischen Agenda der EU. Projekte und Vorhaben in diesem Bereich werden infolgedessen mit umfangreichen europäischen Fördermitteln vorangetrieben. Auch in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft nimmt der Diskurs zu Industrie 5.0 immer weiter Fahrt auf. Beispielsweise wird die wissenschaftliche Fachzeitschrift „International Journal of Production Research“ dem Aspekt der Menschzentrierung im Kontext von Industrie 5.0 in diesem Jahr ein dediziertes Special Issue widmen. Somit ist zu dem Thema ein kontroverser Diskurs zu erwarten, der das Produktionsmanagement in den kommenden Jahren eng begleiten wird. Die Erweiterung von ökonomischen auf ökologische und soziale Perspektiven hinsichtlich der digitalen Transformation der Industrie erscheint in diesem Zusammenhang zeitgemäß und eröffnet zudem weitere Existenzgrundlagen für disruptive Produktionstechnologien. Da die Transition von Industrie 4.0 zu Industrie 5.0 einen evolutionären Charakter hat, sind hierbei fließende Übergänge und Fortschritte zu erwarten.


Hintergründe zum Beitrag

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Förderung der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung. Die Autoren bedanken sich vielmals für die freundliche Unterstützung ihrer Arbeit.

Eine weiterführende Veröffentlichung der Autoren zum Thema Industrie 5.0 kann unter folgendem QR-Code abgerufen werden.

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