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Sicherheitskultur als Wettbewerbsvorteil

Arbeitsschutz: Zertifizierungen geben Auskunft
Sicherheitskultur als Wettbewerbsvorteil

Sicherheitsstandards wie OHSAS 18001 oder SCC sind Zertifizierungsgrundlagen für Managementsysteme zum Arbeitsschutz. Unternehmen werden mit dem Standard zertifiziert, wenn sie unter anderem Arbeitsschutzmaßnahmen umsetzen und kontinuierlich verbessern Bild: Gfos
Systematisches Sicherheitsmanagement senkt das Unfallrisiko und steigert die Wettbewerbsfähigkeit. Die unabhängige Stiftung DNV verbessert die Sicherheitskultur in Unternehmen. Auch der Autohersteller Ford profitiert davon.

Eine Million Arbeitsunfälle gab es im Jahr 2007. Die Kosten für jeden einzelnen Unfall werden im Schnitt mit 15 000 bis 20 000 Euro beziffert; das macht in der Summe 15 bis 20 Mrd. Euro als Folge von Unachtsamkeit, mangelndem Wissen und fehlender Ausrüstung am Arbeitsplatz. Auf dem ersten Blick liest sich die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung erschreckend. Doch im Vergleich mit 1980er und 90er Jahren relativieren sich die Zahlen schnell. „Die Zahl der Arbeitsunfälle hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert“, sagt Rainer von Hagen, Prokurist der unabhängigen Stiftung Det Norske Veritas (DNV) aus Essen. Das ist Resultat einer sich ständig verbessernden Sicherheitskultur.

So haben beispielsweise die Ford-Werke Köln das Loss Control Management System eingeführt. Die diversen Tools von DNV wurden dabei modifiziert und auf die Bedürfnisse des Unternehmens abgestimmt. Seit der Einführung von Sicherheitsmanagement-Systemen kann der Konzern auf eine überaus positive Entwicklung zurückblicken: 2001 gab es noch 1,9 Unfälle pro 2 Millionen geleisteter Arbeitsstunden, im Jahr 2007 waren es bei der gleichen Anzahl geleisteter Arbeitsstunden nur noch 0,5 Unfälle. „Prävention steht bei uns an erster Stelle“, sagt Manfred Kalmes, seit 1987 Sicherheits-Koordinator bei den Kölner Ford-Werken und seit 2001 Koordinator Safety & Ergonomics Process für Ford in Europa. Mit Hilfe der so genannten SHARP-Strategie (Safety Health Assessment Review Process) konnten ständige Verbesserungen erreicht werden. Dabei spielt die Gefährdungsanalyse natürlich eine zentrale Rolle: Sie wird nicht nur für Standardtätigkeiten in der Produktion und anderen Bereichen erstellt, sondern reicht sogar bis zur Identifikation von spezifischen Gefährdungen bei ungeplanten Instandhaltungstätigkeiten. Beim Umsetzen des Arbeitsschutz-Managements gibt es dennoch große Unterschiede, obwohl Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet sind, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter bei der Arbeit zu gewährleisten.
„Zahlreiche Unternehmen betrachten Arbeitsschutz wegen der mit ihm verbundenen Bürokratie als Kostenfaktor“, sagt Gerd Albracht, Arbeitsschutzexperte der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Dabei gilt es mittlerweile als erwiesen, dass systematischer Arbeitsschutz die Produktivität und Qualität der Produkte und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit steigert. Eine Studie der ILO aus dem Jahr 2007 hat nachgewiesen, dass verbesserter Arbeitsschutz die Fehlzeiten senkt und die Unternehmen so eine Menge Geld sparen.
Die von DNV entwickelten Sicherheitsstandards und Tools tragen dazu bei, dass die Risiken gesenkt werden und Arbeitsunfall sowie Sachschäden in den vergangenen Jahren permanent rückläufig sind. „Erfolgreiche Unternehmen bemühen sich aktiv, Arbeitsunfälle sowie Sach- und Umweltschäden zu vermeiden“, so DNV-Mann von Hagen. Eine effektive Sicherheitskultur sei Voraussetzung für Spitzenleistungen der jeweiligen Mitarbeiter. Im Zentrum der Sicherheitskultur steht das bereits erwähnte Loss Control Management, mit dessen Hilfe Risiken und Gefahren präventiv erkannt und vermieden werden sollen. Eine wichtige Methode des Loss Control Managements ist das Ratingtool ISRS (International Sustainability Rating Systems). Die erste Version von ISRS entwickelte DNV bereits im Jahr 1976 und hat es seitdem permanent modifiziert. „ISRS dient vor allem zur Bewertung, zur Verbesserung und zum Nachweis der Leistungsfähigkeit von Unternehmen“, sagt Rainer von Hagen. Risiken sollen früh erkannt und minimiert werden. Auch internationale Standards helfen bei der Prävention: Dazu gehört unter anderem das Zertifikat für Fremdfirmen SCC (Safety Certificate Contractors). Das SCC-Zertifikat beurkundet, dass Arbeiten mit hohem Risikopotenzial von einem kompetenten Unternehmen mit Sicherheitsmanagement und somit mit einem hohen Maß an Sicherheit ausgeführt werden können.
Kai Brembach Fachjournalist in Essen
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