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Industrie 4.0: Singapur will Vorreiter in Südostasien werden

Industrie 4.0
Singapur will Vorreiter in Südostasien werden

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Der Wirtschaftsstandort Singapur bietet deutschen Hightech-Champions große Chancen. Die Regierung treibt Industrie 4.0 konsequent voran und steigert damit die Nachfrage nach deutschen Leistungen. Bild: dietrichherlan/Fotolia
Singapur investiert massiv in die Einführung von Industrie 4.0-Konzepten. Von den umfangreichen staatlichen Förderungen profitieren deutsche Unternehmen aus den Bereichen digitale Lösungen für Fertigungsprozesse, Robotik und Maschinen zumindest indirekt, weil die Nachfrage von lokalen Unternehmen im Bereich Digitalisierung steigt. ❧

 

Der Stadtstaat, in dem die Fertigungsindustrie immerhin 20 % des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, treibt die digitale Transformation zügig voran und fördert entsprechend Pioniere, Innovationen und die Infrastruktur. Für deutsche Hightech-Champions aus dem Mittelstand bieten sich dadurch große Chancen.

Im ASEAN-Raum, also in der gesamten südostasiatischen Region, spielt Industrie 4.0 noch keine dominierende Rolle. Zwar ist die im Verhältnis junge Bevölkerung grundsätzlich offen für moderne Informations- und Kommunikationstechnik – eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Realisierung der anstehenden digitalen Transformation. Dem stehen aber zum Teil länderspezifische Schwierigkeiten gegenüber: zum Beispiel eine veraltete Rechtsprechung, welche die Digitalisierung nicht berücksichtigt oder nicht ausreichende digitale Infrastrukturen.

Anders in Singapur. Der Stadtstaat hat es sich zum Ziel gesetzt, die digitale Revolution aktiv mitzugestalten und eine Vorreiterrolle im ASEAN-Raum einzunehmen.

Singapur treibt Industrie 4.0 voran

Singapur hat bereits massiv in die Bereiche Analyse von Produktionsdaten, virtuelle Prozessabbildung und digitale Lösungen für Produktionsprozesse investiert. Für Singapur steht viel auf dem Spiel: 400 000 Arbeitnehmer arbeiten in zumeist kleinen und mittleren Industrieunternehmen – deren Arbeitsplätze sollen langfristig für die Zukunft fit gemacht werden. Dazu treibt die Regierung unterschiedliche Förderprogramme, Best Practice Initiativen, sowie die Verbesserung des Rechtsrahmens voran. Die Förderung der Digitalisierung von KMUs lässt sich Singapur zum Beispiel jährlich etwa 80 Mio. Singapur-Dollar (rund 50 Mio. Euro) Subventionen kosten. Dafür wurde 2017 das SME Go-Digital Programm ins Leben gerufen, das unterschiedliche Beratungs- und Finanzierungsangebote für kleine und mittlere Unternehmen vorsieht.

Eine besondere Rolle im Entwicklungsbereich spielt die Agency for Science, Technology and Research (A*Star). A*Star ist Industrie 4.0-Ansprechpartner für kleine bis hin zu größeren lokalen Unternehmen. A*Star hat beispielsweise mit Rolls-Royce ein Memorandum of Understanding über den Aufbau eines gemeinsamen Technologiezentrums zur Future of Manufacturing unterzeichnet. In diesem Zentrum können sich lokale Unternehmen über das Thema informieren und von den Erfahrungen großer Industrieunternehmen profitieren.

Singapur-Konferenz beleuchtet aktuelle Trends

Am 24. Oktober haben sich auf der 6. Singapur-Konferenz für den Mittelstand in Frankfurt am Main 65 Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen über die aktuellen Trends in den asiatischen Märkten ausgetauscht. Internationale Unternehmen wie Freudenberg, Trumpf, TÜV SÜD und Schott gewährten Einblicke in ihre Strategien und Erfahrungen.

Freudenberg

Laut Freudenberg sollte jedes Unternehmen vor ASEAN-Aktivitäten herausfinden, wo sich die Kunden befinden, wie es an die richtigen Mitarbeiter kommt, wie es geistiges Eigentum schützen kann und wer in Fragen der Gesellschaftsform sowie Steuer- und Rechtsfragen beratend zur Seite gehen kann. Freudenberg verfolgt in den asiatischen Märkten eine Strategie der großen Kundennähe, arbeitet intensiv mit lokalen Ansprechpartnern und baut die lokale Wertschöpfung stetig aus. Das Unternehmen beschäftigt in Gesamt-ASEAN knapp 800 Mitarbeiter und erreichte dort 2016 einen Umsatz von 112 Millionen Euro.

Trumpf

Einen anderen Weg geht Trumpf. Als Premiumanbieter fand das Unternehmen zunächst nur schwer Zugang in die asiatischen Märkte. Dann fokussierte sich Trumpf auf das Thema „gebrauchte Maschinen“. Darüber hinaus wurde das Dienstleistungsportfolio weiter ausgebaut und an einzelnen Kundenprofilen ausgerichtet. Trumpf baute zudem ein lokales Lager in der Region, welches die Lieferzeiten von Ersatzteilen reduzierte, Prozesse verbesserte und Risiken minimierte.

ebm-Pabst

Ebm-papst verwendet Singapur als Sprungbrett in die ASEAN Region, weil das Unternehmen hier einen verbindlichen Rechtsrahmen, eine gut ausgebaute Infrastruktur und optimale Logistikprozesse vorfindet. Zudem überzeugt laut ebm-papst die investitionsfreundliche Wirtschaftspolitik, die Forschungs- und Entwicklungszentren mit ihrem Schwerpunkt IoT und die qualifizierten Arbeitskräfte. Thomas Borst, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der ebm-papst Gruppe wies darauf hin, dass in anderen Märkten andere Verkaufsargumente ziehen. Punkten in Europa zum Beispiel die Themen Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit, sollten für die asiatischen Märkte Produkte gegebenenfalls abgespeckt, beziehungsweise den regionalen Märkten angepasst werden.

TÜV Süd AG

Auch TÜV Süd ist inzwischen über 20 Jahren in Singapur präsent und nutzt die Stadt als Brückenkopf zur umliegenden Region. In seiner Keynote während der 6. Singapur-Konferenz erläuterte Prof. Dr. Axel Stepken, Vorsitzender des Vorstandes der TÜV Süd AG, dass in Europa der Schwerpunkt eher auf theoretischen Grundlagen und einer systematischen, aber auch langwierigen Realisierung liegt. „In Singapur liegt der Fokus auf „Machen“ und dem schnellen Umsetzen von Konzepten“, so sein Fazit. (mg)

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