Change Management

Transformation ist nichts für Feiglinge

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Um ein Unternehmen erfolgreich neu auszurichten, muss die Leitung aktiv mit glaubwürdigem wie konsequenten Verhalten vorangehen, um Mitarbeiter zu überzeugen und Mitstreiter anzuwerben. Bild: Philip Steury/Fotolia
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Um die Neuausrichtung eines Unternehmens im Rahmen von Change Management erfolgreich zu meistern, gilt es tatkräftige Mitstreiter für sich zu gewinnen.

Kai Anderson
Vorstand Promerit AG

„Nichts ist von der Vorbereitung her zweifelhafter und von der Durchführung her gefährlicher als der Wille, sich zum Neuerer aufzuschwingen. Denn wer dies tut, hat die Nutznießer des alten Zustandes zu Feinden, während er in den möglichen Nutznießern des neuen Zustands nur lasche Verteidiger hat.“ (Niccolo Machiavelli)

Kann man heute eigentlich noch Machiavelli zitieren? Kann man, denn es gibt einige grundsätzliche Aspekte menschlichen Handelns, die wir nicht einfach über Bord werfen können. Dazu gehört − wenn wir ehrlich sind − der Umgang mit Erneuerung, von dem Schumpeter als ‚schöpferische Zerstörung‘ spricht. Wenn wir seiner Idee folgen und in unsere Unternehmensrealität übersetzen, landen wir schnell dort, wo es weh tut. Wo alte Zöpfe abgeschnitten werden, um Platz zu schaffen für Neues.

Change Management beginnt im Kleinen wie im Großen

Eben das passiert im großen Stil, wenn Geschäftsmodelle geändert werden (heute Disruption genannt). Die Abkehr von der klassischen Zigarette ist für Philip Morris eine schöpferische Zerstörung, auf deren Ausgang wir gespannt sein dürfen. Bei Bayer langen die Ursprünge beispielsweise im Kunststoff-Geschäft. Der Verkauf als Börsengang von Covestro hat Platz gemacht für Neues – was in Form von Monsanto hohe Chancen und ebensolche Risiken mit sich gebracht hat. Es geht aber auch eine Nummer kleiner: Wenn die Firma Zumtobel heute nicht mehr nur Lampen verkauft, sondern ganze Orte beleuchtet, mit WLAN versorgt und dafür Gebühren erhebt, kommt das eher leise daher.

Mut zur Veränderung als Basis für Erfolg

Disruption, Revolution oder Erneuerung? Den Weg in die Zukunft in großen Schritten bezeichnen wir heute als Transformation. Diesen zu wählen und konsequent zu verfolgen ist nichts für Feiglinge, wie uns die Verantwortlichen bei Philip Morris, Bayer oder Zumtobel bestätigen werden. Transformation braucht den Willen zur Erneuerung und damit auch den Mut zu zerstören. Allerdings immer mit einer realisierbaren Vorstellung des Neuen. Nur mit einem konkreten Bild von einer besseren Zukunft wird es dem Erneuerer gelingen, genug Mitstreiter für die Transformation zu gewinnen.

Eine erleuchtete Welt war die Vorstellung von Thomas A. Edison und für sein Team war es ein langer Weg dorthin. „There is a better way to do it, find it!“ macht klar, wie mühsam es gewesen ist, Edisons Vorstellung zu verwirklichen. Neben dem Mut zur Erneuerung und einer Vorstellung vom Ziel braucht es demnach eine Menge Ambition, nicht zu schnell zufrieden zu sein.

Change Managament heißt: Voran gehen, um Mitstreiter zu gewinnen

Es gilt Begeisterung, Ambitionen und Ziele zu teilen und so Mitstreiter zu gewinnen, gemeinsam Wege zu finden und sich selbst sowie andere zu fordern und zu fördern. Eine andere Möglichkeit zur erfolgreichen Transformation gibt es kaum. Die Revolution nur von unten gibt es nicht. Nur wenn die Unternehmensleitung den Mut zur Erneuerung aufbringt, kann Veränderung gelingen. Mitarbeiter sind in der Regel kritisch, wenn mit schönen Reden und Plakaten mal wieder die wunderbare, neue Zukunft ausgerufen wird. Sie beobachten ihre Leitung genau – und wenn diese nicht absolut geradlinig und überzeugend ist, lehnt man sich zurück und lässt den Zug an sich vorbeiziehen. Bending heißt der inoffizielle Fachausdruck dafür und dieses Phänomen tötet jede Transformation.

Den ersten Schritt machen

Um dem entgegenzuwirken braucht es einen entschlossenen wie konsequenten Wegbereiter, der den ersten Schritt geht. Wer es ernst meint, muss dabei sich und sein Tun hinterfragen. All zu schnell gelangt man zur Erkenntnis, dass sich Andere verändern müssen, dass woanders etwas geschehen muss. So funktioniert Transformation allerdings nicht. Denn auf gut gemeinte Ratschläge folgt nicht selten relexartige wie detruktive Erwiderungen wie: „Machen wir alles schon…“. Wenn wir – unabhängig von unserer Funktion und Position – also echte Transformation wollen, dann müssen wir mit uns auch auf persönlicher Ebene beginnen und uns folgende Fragen stellen: Was mache ich heute, das nicht in die Zukunft passt? Wie sollte ich mich verhalten? Was hält mich davon ab? Was ist mein Beitrag zur Veränderung? Und wie konsequent bin ich in der Umsetzung?

Auf Augenhöhe

Der nächste Schritt lautet: Feedback einholen. Wenn wir Berufsanfänger fragen, was ihnen am meisten in der Entwicklung hilft, ist das kein Training, sondern Feedback. Warum sollte das nicht ebenso für Berufserfahrene gelten? Wie wäre es also, Kollegen zu befragen, was ihnen am eigenen Verhalten auffällt. Was sie sich anders wünschen würden? Wie sie in einer bestimmten Situation reagiert hätten? Diese Fragen zu stellen, sich selbst zu reflektieren und zu verändern erfordern eine Menge Mut und ist wahrhaftig nichts für Feiglinge.


Schritte zur erfolgreichen Transformation

  • Formulieren Sie Ihr Zukunftsbild mit Blick auf Arbeitsinhalt und Arbeitsweise. Was und wie will ich arbeiten? Wie passt das zu den Zielen meiner Abteilung, des Geschäftsbereichs, des Unternehmens?
  • Formulieren Sie, welche Fördermöglichkeiten und Hindernisse es geben kann.
  • Formulieren Sie Ihre persönliche Transformations-Agenda: Was werde ich an meinem Verhalten ändern? Was will ich lernen? Was braucht es dazu?
  • Machen Sie eine Checkliste mit zehn konkreten Zielen. Wenn ein Ziel erreicht ist, streichen Sie es durch und setzen ein Neues unten auf die Liste.
  • Teilen Sie Ihre Agenda und die Checkliste mit Jemandem, dem Sie vertrauen. Besprechen Sie einmal im Monat gemeinsam den aktuellen Stand.
  • Seien Sie mutig: Holen Sie sich regelmäßig zu Ihrem Verhalten Feedback ein.
  • Bleiben Sie locker und bleiben Sie dran: Gerade die persönliche Transformation braucht Leichtigkeit und Zeit − keine Verkrampfung. Rückschläge sind normal.
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