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Restrukturierung: Von der Insolvenz zur Innovation

Restrukturierung im Fahrzeugbau
Von der Insolvenz zur Innovation

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Die Transformation vom Einzelfertiger zum Serienfertiger hat den Sonderfahrzeugbauer Borco Höhns in die Insolvenz getrieben. Ein Verfahren in Eigenverwaltung unter einem Schutzschirm führte dabei nicht nur aus der Talsohle. Aus der Restrukturierung heraus ist den Rotenburgern sogar ein Innovationssprung gelungen.

Die Hersteller von Sonderfahrzeugen stehen vor einem grundsätzlichen Dilemma: Soll man die Fahrzeuge in handwerklicher Einzelfertigung oder in einer industriellen Serienfertigung produzieren? Zu diesen Unternehmen gehört auch die Borco Höhns GmbH mit Sitz in Rotenburg an der Wümme.

Das mittelständische Unternehmen ist der größte deutsche Hersteller von mobilen Verkaufsfahrzeugen. Produziert werden hauptsächlich so genannte Selbstfahrer mit eigenem Antrieb und ein geringerer Teil an Anhängern. Borco Höhns versteht sich als Spezialist für den Bau individueller Fahrzeuge, deren Ausstattung speziell auf die Wünsche einzelner Kunden zugeschnitten ist. 65 Prozent aller Fahrzeuge werden nach Wunsch und Maß gefertigt, der Rest sind Standardprodukte. Besonders stolz ist man in Rotenburg auf die hohe handwerkliche Qualität der Fahrzeuge und die damit verbundene Zufriedenheit der Kunden.

Der Weg in die Krise

Das frühere Management kam zu der Einschätzung, dass eine Serienproduktion mehr Erfolg verspräche. Man machte sich also auf den Weg, industrielle Strukturen, Prozesse und Standards einzuführen. Dabei wurde übersehen, wie mühsam die Transformation eines Einzelfertigers zum Serienfertiger war und ist. Zudem hatte man versäumt, die Mitarbeiter auf diesen Weg „mitzunehmen“. Borco Höhns erging es wie vielen anderen Mittelständlern: Man hatte seine handwerkliche Basis verlassen, das rettende Ufer einer profitablen Serienproduktion aber noch nicht erreicht. Die Veränderung blieb im Niemandsland zwischen diesen Paradigmen stecken. In der Todeszone schwindender Renditen und existenzieller Nöte.

Die Insolvenz – Chance für den
Neuanfang

Die Anteilseigner des Unternehmens hatten die Zeichen des Niedergangs erkannt und den Autor gemeinsam mit einem Kollegen als Sanierer in die Geschäftsleitung berufen. Zu spät, wie sich zeigen sollte, die Insolvenz war auch durch ergriffene Sofortmaßnahmen nicht mehr zu vermeiden. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Verfahrens in Eigenverwaltung unter einem so genannten Schutzschirm. Damit bekam das niedersächsische Unternehmen eine neue Chance.

Diese Botschaft musste sehr schnell auch der Belegschaft vermittelt werden, die von einer Art Schockstarre ergriffen war. Die Menschen machten sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz und um ihre Zukunft. Angst lähmt und blockiert, deshalb war es das erste Ziel der Restrukturierer, das Vertrauen der Mitarbeitenden zu gewinnen und ihnen das notwendige Selbstvertrauen für den gemeinsamen Weg durch die Talsohle zurückzugeben.

Nach etwa hundert Tagen unter dem Schutzschirm waren die „low hanging fruits“ geerntet. Die Verbindlichkeiten waren restrukturiert, die Personalstruktur angepasst, eine neue Unternehmenskultur führte zu einer breiten Aufbruchstimmung. Das Unternehmen hatte ruhiges Fahrwasser erreicht – dann kam Corona.

Die Pandemie hinterließ auch bei Borco Höhns Spuren. Wie viele andere Betriebe mussten für sechs Wochen Kurzarbeit angemeldet werden, hauptsächlich weil in der Supply Chain Ausfälle zu verzeichnen waren. Dennoch gelang es mit vereinten Kräften, auf die Erfolgsspur zurückzukehren. Anfang 2021 steht das Unternehmen vor einer Situation, die durch einen hohen Auftragsbestand, positive Kennzahlen und vielversprechende Aussichten geprägt ist. Der Blick geht in Richtung Zukunft.

Wer Fahrzeuge baut und dies auch in Zukunft noch erfolgreich tun will, ist gezwungen, mit den Trends rund um das Thema Mobilität Schritt zu halten. Das betrifft auch und vor allem den Einsatz neuer Technologien im Fahrzeug. Borco Höhns versteht sich hier als Innovationsführer der Branche, der die Zukunft aktiv gestaltet und die Branchentrends setzt.

Innovation ist Zukunft

Als Innovationstreiber wirken Digitalisierung und alternative Antriebskonzepte gleichermaßen. Das überragende Innovationsthema steht jedoch unter dem Motto „weniger ist mehr“. Gemeint ist der Leichtbau. Durch konstruktive Änderungen ist es gelungen, ein Verkaufsfahrzeug zu entwickeln, das so leicht ist, dass es mit einem Führerschein Klasse B gefahren werden kann – bei voller Zuladung von bis zu 600 kg. Damit fallen für viele Nutzergruppen die Barrieren weg, die sie bisher am Einsatz eines Verkaufsfahrzeugs gehindert haben. Die Fahrzeuge erfüllen alle in Europa geltenden Normen. Und sie sind marktreif entwickelt.

Aus naheliegenden Gründen kann der Fahrzeughersteller hier nicht auf die technischen Details eingehen, legt aber Wert auf die Feststellung, dass dieser Innovationssprung aus der Restrukturierung des Unternehmens heraus gelungen ist. Von der Insolvenz zur Innovation.

www.borco.de

Kontakt:

Borco Höhns GmbH

Rotenburg an der Wümme

Industriestraße 1-3

27356 Rotenburg (Wümme)

Tel. +49(0)4261 671–0
www.borco.de


Bild: Autor

Andreas Elsäßer

Andreas Elsäßer

(Mit-)Gesellschafter der Borco Höhns GmbH, Rechtsanwalt und ausgewiesener Experte für Restrukturierung (Plan E by Elsäßer)


Daten und Fakten zur Borco Höhns GmbH

Rechtsform: GmbH

Sitz: Rotenburg an der Wümme

Umsatz 2019/2020/2021 (Plan): 28/30/35 Mio. Euro

Mitarbeiter 2020: 230

Produkte: Verkaufsfahrzeuge für den mobilen Handel

Gründungsjahr: 1954

Anfang 2019: Schutzschirmverfahren wegen drohender Zahlungsunfähigkeitdfd

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