Lieferantenmanagement: Weg zur segensreichen Kooperation

Lieferantenmanagement

Weg zu segensreichen Kooperationen im Werkzeugbau

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Kunden des Werkzeugbaus erwarten höchste Qualität und Flexibilität. Eine erfolgreiche Kooperation mit Lieferanten gewährleistet dies. Um Kooperationen zu managen, sind Lieferanten systematisch zu klassifizieren und zu qualifizieren.

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Boos, MBA; Dr.-Ing. Michael Salmen; Dipl.-Wirt.-Ing. Maximilian Stark;
Thilo Schultes, M.Sc.
WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH

Um im Anschluss an die Lieferantenauswahl sicherzustellen, dass Kooperationen erfolgreich verlaufen, bedarf es weiterer Aktivitäten. So sind für eine langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit die bestehenden Lieferanten zu klassifizieren und qualifizieren. Die Klassifizierung beschreibt die Einstufung von Lieferanten in Abhängigkeit ihrer Leistungsfähigkeit und Bedeutung. Die Qualifizierung wiederum ist ein umfassendes Konzept, um die Leistungsfähigkeit von Lieferanten zu stärken.

In der Regel führt die Einkaufsabteilung die Lieferantenklassifizierung durch, die in circa 70 % aller Werkzeugbaubetriebe existiert. Aktuell haben diese Betriebe im Durchschnitt zwölf Hauptlieferanten, die für 75 % des Einkaufvolumens stehen. Demzufolge fokussieren sich Werkzeugbaubetriebe bereits auf die Kooperation mit ausgewählten Lieferanten. Es besteht jedoch Potenzial hinsichtlich der Lieferqualität. Lediglich 87 % aller Lieferungen kommen pünktlich und korrekt in den Betrieben an. Die Kennzahlen wurden auf Basis des jährlich stattfindenden Wettbewerbs „Excellence in Production“ des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT ermittelt.

Vorgehen zur Lieferantenklassifizierung

Um hohe Qualität und Termintreue der Lieferanten zu gewährleisten, sind Wertschöpfungsumfänge an geeignete Zulieferer systematisch zu vergeben (siehe Chart). Dazu muss im ersten Schritt der zu beschaffende Leistungsumfang klassifiziert werden. Die Vielfalt reicht von einzelnen Fertigungsschritten in der mechanischen Bearbeitung über die Vergabe einzelner Werkzeugstufen bis hin zur Beschaffung von gesamten Werkzeugen (Komplettvergabe).

In der Theorie existieren drei Kriterien, nach denen die Beschaffungsgüter klassifiziert werden können. Diese sind zum einen die Bedeutung der Güter für den Unternehmenserfolg, das Risiko der Beschaffung und die Bedeutung des Einkaufvolumens. In der Praxis spielt das Einkaufsvolumen im Werkzeugbau nur eine untergeordnete Rolle. Daher wird die Klassifizierung in einfache, dringende, komplexe und innovative Werkzeugumfänge anhand der Kriterien Beschaffungsrisiko und Beitrag zum Unternehmenserfolg vorgenommen.

Im zweiten Schritt sind die Lieferanten zu klassifizieren. Dies erfolgt in der Regel klassisch nach Zeit, Qualität und Kosten. Mit Innovationsstärke, Prozessstabilität und Flexibilität gibt es für den Werkzeugbau jedoch weitere Zielgrößen, die sich vereinfacht zu den Kriterien Angebotsmacht und Potenzial des Lieferanten zusammenfassen lassen. Mit Hilfe eines Portfolios wird anhand der beiden genannten Kriterien der Lieferantentyp bestimmt. Aus der Kombination der Klassifizierung von Leistungen und Lieferanten wird ein strategisches Zielbild für Fremdvergaben abgeleitet.

Einfache Werkzeugumfänge sind bei Standardlieferanten effizient zu beschaffen. Bei dringenden Werkzeugumfängen ist zu gewährleisten, dass die Verfügbarkeit durch Engpasslieferanten sichergestellt ist. Für komplexe Werkzeugumfänge sind Schüssellieferanten zu identifizieren. Die Entwicklung von Innovationen erfolgt in der Regel gemeinsam mit strategischen Lieferanten. Diese wie auch die Schlüssellieferanten sind systematisch und frühzeitig in Projekte miteinzubeziehen.

Ansätze zur Lieferantenqualifizierung

Die Lieferantenqualifizierung ist ein umfassendes Konzept, um die Leistungsfähigkeit von Lieferanten zu stärken. Dabei sind Ansätze zur Selbstoptimierung und zur kollaborativen Qualifizierung zu unterscheiden. Ansätze zur Selbstoptimierung sind: Zielvorgaben festlegen, den Wettbewerb verstärken sowie Strafen festlegen. Für die Werkzeugbaubranche ist insbesondere das Setzen von Zielvorgaben relevant. Lieferanten erhalten kennzahlenbasierte Vorgaben, etwa eine Liefertermintreue zu erreichen durch Umsetzen selbstdefinierter Maßnahmen. Wichtig ist es, das Erreichen der Zielvorgabe zu überprüfen und hieraus Konsequenzen bezüglich der Intensität der weiteren Zusammenarbeit mit dem Lieferanten abzuleiten. Die Selbstoptimierung des Lieferanten durch die Verstärkung des Wettbewerbs oder die Auslösung von Strafen ist im Rahmen einer partnerschaftliche Zusammenarbeit jedoch nicht praktikabel.

Praktikabler sind die Ansätze zur kollaborativen Qualifizierung. Im Rahmen der kooperativen Auftragsabwicklung tauschen sich die Mitarbeiter des Werkzeugbaubetriebs und des Lieferanten während der Bearbeitung eines Auftrags regelmäßig persönlich aus. Durch Beratung und Schulung kann der Wissensaustausch intensiviert und thematisch fokussiert werden. Zudem lässt sich der Austausch von Einzelpersonen über eine gemeinsame Wissensmanagementdatenbank entkoppeln.

Werden die hier vorgestellten Konzepte umgesetzt, wird eine hohe Lieferqualität und Termintreue der Lieferanten gewährleistet.



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